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Velowege: Zuger klagen auf hohem Niveau
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Ist die Stadt Zug ein Paradies für Velofahrer oder ist alles nur schöner Schein? (Bild: Warren Goldswain / istockphotos)

Stadt Zug Velowege: Zuger klagen auf hohem Niveau

4 min Lesezeit 12.09.2013, 14:02 Uhr

Im Unterschied zu den Luzerner Velofahrern können sich die Zuger kaum über unhaltbare Zustände beklagen. Die eine oder andere gefährliche Szene gibt es aber auch in der Stadt Zug.

«Luzerner Velofahrer strampeln auf verlorenem Terrain» titelte zentral+ vor knapp einem Monat. Doch wie sieht es in Zug aus? Lässt sich umgekehrt gar die Blick-Meldung «In der Stadt Bern stirbt das Auto aus» auf Zug anwenden?

Doch weit gefehlt: Von einer möglichen Verdrängung des Autos durch das Velo ist Zug ebenso weit entfernt wie Luzern. «Es wäre zu schön, wenn wir diese Schlagzeile für Zug adaptieren könnten», seufzt Victor Zoller, Co-Präsident von Pro Velo Zug. Im Jahr 2012 kamen auf 27’500 Einwohner der Stadt Zug 20’500 Motorfahrzeuge. Im Jahr 2005 waren es auf 24’000 Einwohner 18’000 Fahrzeuge, also gleichbleibende 75 Prozent. Über den Velobestand gibt es keine genauen Zahlen, doch Victor Zoller schätzt sie in Zug – wie gesamtschweizerisch – als stagnierend und besonders bei Kindern und Jugendlichen als rückläufig ein.

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In den letzten drei Jahren habe sich nichts Bemerkenswertes für das Velo getan, sagt er. Zug sei schon länger eine grosse Baustelle mit entsprechenden Prioritäten und Auswirkungen, die sich für die Schwächeren negativ auswirkten.

Aber ist die Situation in der Stadt Zug wirklich so negativ für die Velofahrer? So schlecht kann sie zwar nicht sein, denn im Jahr 2005 vergab die IG Velo Schweiz (heute Pro Velo Schweiz) der Stadt einen Anerkennungspreis für wegweisende Infrastrukturbauten. Und im vor drei Jahren erhobenen Ranking der Pro Velo Schweiz lag Zug auf dem dritten Rang. Darauf konnte sich die Stadt zwar nicht viel einbilden, denn diesen Rang erreichte sie mit einer knapp genügenden Note von 4,1 und musste ihn sich erst noch mit der Stadt Chur teilen. Anzuerkennen ist aber, dass die beiden Gemeinden auf dem ersten (Burgdorf) und zweiten Rang (Winterthur) lediglich mit einer Note von 4,4 respektive 4,3 vorne lagen. 

Luzerner hätten eine Strategie

Im Unterschied zu Zug hat die Stadt Luzern eine Mobilitätsstrategie mit Zeithorizont 2020, basierend auf dem Reglement für nachhaltige städtische Mobilität. Darin ist festgehalten, dass Langsamverkehr und öffentlicher Verkehr prioritär gefördert werden sollen. Nur umgesetzt ist bis anhin noch zu wenig. Stadtingenieur Martin Bürgi ist mit der Situation denn auch nicht zufrieden: «Wir haben einen klaren Auftrag vom Souverän erhalten und den hat die Stadtverwaltung noch nicht erfüllt.» Nebst dem Appell an die Einwohner zur Verhaltensänderung, hat die Stadt diverse Massnahmen vorgesehen:

  • Bau der Radverkehrsanlage (Velostreifen) Richtung Adligenswil (im Bau)
  • Erhöhung der Verkehrssicherheit am Bundesplatz (Ende 2013)
  • Erarbeitung Veloparkierungskonzept Innenstadt (Mitte 2014)
  • Einführung Tempo 30 in allen Quartieren (2015)
  • Umnutzung des Zentralbahntrassees Luzern-Horw (voraussichtlich 2014/2015, zurzeit sind mehrere Einsprachen hängig)

Im Vergleich zu Zug lag Luzern mit der Note 3,8 auf dem ungenügenden Schweizer Durchschnitt. Das ist immerhin eine Steigerung von 0,5 Prozent seit 2006. Zug hatte sich um 0,3 Prozent gesteigert. Die Umfrage Velostädte läuft seit Anfang September erneut.

Neuralgische Punkte

Trotzdem hat auch Zug ein paar neuralgische Punkte. Einen davon sieht Victor Zoller auf der Kantonsstrasse von Oberwil bis zum Casino. Der sichere Radweg auf dem seeseitigen Trottoir müsse vier Mal mittels gefährlichen Strassenquerungen auf die Bergseite und zurück verlassen werden. Aus Sicht von Pro Velo wären zwei Querungen im Zuge der Erneuerung der Busspur zwischen altem Spital und Casino einfach zu eliminieren gewesen. Stefan Bürgler vom Amt für Raumplanung des Kantons Zug, stellt hingegen gerade auf dieser Achse eine Abnahme des Veloverkehrs fest. Als Grund sieht er das attraktivere und ausgebaute ÖV-Angebot. 

Ein weiterer Kritikpunkt ist das Provisorium am Postplatz. Dort seien die Velos ganz vergessen worden, moniert Victor Zoller. Das Provisorium dauere noch lange und enthalte keine Verbindung von der Post zum See. Das Velo müsse dort über den Fussgängerstreifen geschoben werden. Als dritter Punkt führt er die Unterführung beim Brüggli an, da auch dort das Velo nur geschoben werden kann.

Die Beispiele zeigen, dass die Zuger Velofahrer im Vergleich zu den Luzernern auf hohem Niveau klagen dürfen. Victor Zoller räumt ein, dass das Radwegnetz im Zuge grosser Strassenbauprojekte teilweise komfortabel erweitert worden sei. Stefan Juch, Leiter Verkehr bei der Stadt Zug bezeichnet die Situation für die Velofahrer als gut, Stefan Bürgler vom Kanton sogar als gut bis sehr gut.

Starke Rolle des Kantons

Die Rolle des Kantons scheint in Bezug auf das Radstreckennetz sehr stark zu sein, was bei einer kantonalen Fläche von 239km2 ja auch Sinn macht. Es ist der Kanton, der mit den Gemeinden die Velozählungen durchführt und die Ergebnisse publiziert. Er sorgt für Sicherheit auf dem Radstreckennetz und Komfort beim Fahren. Aufwändige Neubauten oder Anpassungen müssen ab und zu auf grösseren Infrastrukturprojekte warten.

Es war auch der Kanton, der – teilweise in Zusammenarbeit mit den Gemeinden – bei jeder Stadtbahnhaltestelle Veloabstellplätze erstellte. Zudem wurde der Veloweg entlang der Bahnlinie zwischen Zug und Baar neu gebaut und die Nordstrasse zwischen Zug und Baar in Betrieb genommen.

Die Stadt hat kürzlich eine automatische Velostation am Bahnhof eröffnet, die das Abstellen von Velos sicherer machen soll. Sie tauscht sich zudem bei alljährlichen Gesprächen mit Pro Velo Zug aus und diskutiert Schwachstellen. Bei Strassenneubauten oder Sanierungen werden die Bedürfnisse der Velofahrenden nach den Normen und Empfehlungen umgesetzt.

Pro Velo Zug bestätigt, dass der Verein bei den grösseren kantonalen Entscheiden und auch bei der Planung des Stadttunnels eingebunden werde. «Dies zeigt», sagt Victor Zoller, «dass das Velo mittlerweile durch die Politik und die Verkehrsplanung ernster genommen wird.»

Velowege im Richtplan verankert

Die städtischen und kantonalen Zuger Behörden haben zwar keine Mobilitätsstrategie wie die Stadt Luzern zur Hand (siehe Kasten), doch ist in den behördenverbindlichen Richtplänen ganz klar festgehalten, dass für die Velofahrer ein attraktives, durchlässiges und gut vernetztes Radwegnetz gewährleistet sein muss. Im gemeindlichen Richtplan sind auch ganz konkrete Massnahmen ausformuliert wie etwa die Verbesserungen von verschiedenen Querungen. Das ist natürlich stärker als jede Strategie.

Wie beurteilen Sie die Velosituation in Zug? Teilen Sie uns bei den Kommentaren Ihre Erfahrungen mit!

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