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Velotunnel? Ja, auch darüber stimmt Luzern am Wahlsonntag ab
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Hier soll anstelle der Wendeltreppe dereinst eine befahrbare Rampe als Zugang zur Unterführung stehen. (Bild: jwy)

Die zehn wichtigsten Antworten zur Abstimmung Velotunnel? Ja, auch darüber stimmt Luzern am Wahlsonntag ab

5 min Lesezeit 1 Kommentar 09.10.2019, 05:01 Uhr

Rund um den Bahnhof schmiegen sich die Drahtesel eng an- und teilweise auch übereinander. Mit unterirdischen Veloparkplätzen will der Luzerner Stadtrat diesem Chaos ein Ende bereiten. Doch die Gegner finden das Projekt Velotunnel zu teuer. Was du über die Abstimmung vom 20. Oktober wissen musst.

Die Schweiz wählt am 20. Oktober ihre National- und Ständeräte. Inmitten des Wahlkampfs geht fast unter, dass in der Stadt Luzern auch noch ein anderer Zettel im Couvert steckt: die Abstimmungsvorlage zum Velotunnel.

Schon wieder ein Veloparkhaus am Bahnhof, fragst du dich? Wer inzwischen den Überblick verloren hat, für den haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

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Damit es keine Ausrede gibt, den Stimmzettel ins Altpapier zu schmeissen.

1. Ich bin verwirrt. Schon wieder eine Veloparkingabstimmung?

Ja, schon wieder. Bereits im Mai haben die Stadtluzerner einen Kredit für 1100 neue Veloparkplätze bewilligt. Die Zustimmung für das geplante Velo-Parkhaus unter der Bahnhofstrasse lag bei 54,42 Prozent (zentralplus berichtete).

2. Was ist der Velotunnel?

Der Velotunnel ist ein Projekt für Fahrrad-Parkplätze am Luzerner Bahnhof. Unter den Gleisen – zwischen der Zentralstrasse und der Universität – sollen bis 2024 insgesamt rund 800 neue Parkplätze entstehen.

Anfang Sommer wurden im Velotunnel bereits provisorisch 420 Parkplätze erstellt (zentralplus berichtete).

3. Wird im Bahnhof ein neuer Tunnel gegraben?

Nein, die Halle für die Velos besteht bereits seit 1986. Es handelt sich um den ehemaligen «Posttunnel» zwischen der Zentralstrasse und der heutigen Universität Luzern. Früher nutzte die Post den Tunnel, um ihre Waren vom Verteilzentrum direkt auf die Gleise zu bringen und umgekehrt. Daher rührt der Name. Seit dem Umbau des Postgebäudes zur Universität vor zwölf Jahren besteht die Idee, den «Posttunnel» für einen Veloweg zwischen Neustadt und Inseli oder als Veloparkhaus zu nutzen.

4. Wie viel kostet das Projekt?

Bei der Abstimmung geht es um den Projektierungskredit von 1,27 Millionen Franken. Mit diesem Geld wird ein Projekt erarbeitet, das 2021 vorliegen soll. Dann entscheidet das Stadtparlament. Die Stadt rechnet mit Baukosten von 7,5 Millionen Franken – insgesamt schlägt der Velotunnel also mit voraussichtlich 8,75 Millionen Franken zu Buche.

5. Werden die Parkplätze gratis?

Die Kostenfrage rund um die Veloparkplätze am Bahnhof dürfte in Zukunft sicher noch zu reden geben. Die CVP hat kürzlich eine Debatte gefordert (zentralplus berichtete).

Derzeit müssen Velofahrer ihr Fahrzeug über eine Rille zu den provisorischen Plätzen im Velotunnel schieben.

Die aktuelle Tendenz freut die Portemonnaies. Zwar gibt es seit kurzem 50 digitale, kostenpflichtige Veloständer am Bahnhof (zentralplus berichtete). Doch die Parkplätze der Velostation bei der Universität sind inzwischen gratis. Und auch die bereits bestehenden, provisorischen Plätze im Velotunnel kosten nichts, sind aber auch nicht überwacht.

6. Wann geht es los?

Stimmt die Bevölkerung dem Kredit zu, wird ein Bauprojekt ausgearbeitet. Gibt der Grosse Stadtrat 2021 grünes Licht, erfolgt der Baustart voraussichtlich im Herbst 2022. In Betrieb genommen werden soll der Velotunnel dann Anfang 2024.

Allerdings ist bereits heute klar, dass die Veloparkplätze nur beschränkt zur Verfügung stehen. Denn sie müssen dereinst dem Durchgangsbahnhof weichen. Der Posttunnel und die heutige Fussgängerunterführung werden laut Stadtrat später als Zugang für die Pendlerströme zum neuen Bahnhof dienen.

Und das ist auch der Grund für den Widerstand gegen das Projekt (siehe Punkt 8).

7. Wer ist dafür?

Ein Ja empfehlen nebst dem Stadtrat auch SP, Grüne, Grünliberale, CVP und FDP. Sie argumentieren, dass der heutige Zugang zum Veloparking über die Schieberillen zu mühsam sei. Zudem müsse die Rampe mit dem Bau des Durchgangsbahnhofes ohnehin gebaut werden.

Die Befürworter argumentieren weiter, dass es rund um den Bahnhof zu wenige Veloparkplätze habe. Aktuell sind es 2800. Bis 2035 steigt der Bedarf laut Stadtrat im Gebiet Neustadt/Bahnhof auf rund 7000 Plätze.

8. Wer ist dagegen und wieso?

Eine Gruppe um die SVP hat gegen den Kredit das Referendum ergriffen. Für die Partei ist absolut nicht nachvollziehbar, dass die Stadt solch immense Kosten für ein Projekt ausgeben wolle, das man schlimmstenfalls nur ein paar Jahre nutzen könne. Es sei zudem noch völlig offen, in welcher Form der Bahnhofzugang später wirklich den Anforderungen des Durchgangsbahnhofs entspricht und somit weiterhin genutzt werden könne.

Bei der Habsburgerstrasse ist eine Rampe als Zugang zu den Gleisen und zum Velotunnel geplant. (Grafik: Stadt Luzern)

Ohnehin gebe es mit der Planung zum Durchgangsbahnhof bessere Möglichkeiten, um das Veloproblem am Bahnhof zu lösen, argumentiert das Referendumskomitee. Der Aufwand, um zusätzlich zu den bestehenden 400 provisorischen weitere 400 Parkplätze zu erstellen, sei nicht gerechtfertigt, zumal wegen der Rampe an der Habsburgerstrasse gleichzeitig 130 Veloabstellplätze aufgehoben werden müssen.

Nebst der SVP haben auch die Jungfreisinnigen die Nein-Parole beschlossen.

9. Was sagt der Stadtrat zur Kritik?

Der Stadtrat präsentiert das Projekt als Vorinvestition für den Durchgangsbahnhof. Die neue Rampe auf der Seite Habsburgerstrasse und eine Treppenanlage mit Lift könnten auch in Zukunft genutzt werden. Die SBB hat laut Stadtrat schriftlich bestätigt, dass dieser Zugang über das Projekt «Durchgangsbahnhof» mitfinanziert werden könnte, sobald das Bundesparlament dem Ausbauschritt 2040 zugestimmt hat.

Das heisst: Die Stadt muss zwar die Kosten für die Rampe und Treppenanlage – mit 6,7 Millionen Franken den grössten Brocken des Projekts – vorerst selber stemmen, mit grosser Wahrscheinlichkeit fliesst das Geld aber dereinst zurück.

10. Was muss ich noch wissen?

Bis am Montag haben rund zehn Prozent der Stimmberechtigten ihr Couvert bereits bei der Stadt eingeworfen. Die Abstimmung am 19. Mai 2019 zum Veloparking unter der Bahnhofstrasse fiel relativ knapp aus. Egal, ob du für oder gegen das Projekt bist: Jede Stimme zählt.

Und: zentralplus wird am 20. Oktober natürlich laufend über alle Resultate und Entscheide des Wahl- und Abstimmungssonntags informieren.

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1 Kommentare
  1. Marcel Sigrist, 09.10.2019, 13:38 Uhr

    Es ist wie in den 60er und 70er-Jahren. Damals ohne Rücksicht Rampen in Tiefgaragen, egal wo, wie und wie die Umgebung danach aussah. Heute dasselbe für Velos. Egal wo, wie und wie die Umgebung danach aussieht. Hauptsache man muss nicht absteigen vom Velo. Wo bleiben die Stadtplaner?