Velotour um den Zugersee bleibt noch jahrelang gefährlich
  • Politik
Fehlt zwischen Walchwil und Arth: Ein Rad- und Fussweg. (Bild: Adobe Stock)

Weil Radstreifen zwischen Arth und Walchwil fehlt Velotour um den Zugersee bleibt noch jahrelang gefährlich

5 min Lesezeit 22.10.2018, 04:18 Uhr

Sorry, das ist Schwyzer Boden, da können wir selber gar nichts tun, meint die Zuger Regierung zu den gefährlichen Streckenabschnitten, welche Radfahrer auf der Strasse zwischen Walchwil und Arth bewältigen müssen. Doch seit Ende September stimmt das nicht mehr.

Manche machen sie frühmorgens, andere in der Mittagspause und viele nach Feierabend: eine Velotour um den Zugersee. Die knapp 40 Kilometer sind für Trainierte in zwei Stunden machbar, ohne dass sie hinterher kaputt sind oder gleich duschen müssen.

Allerdings hat die Strecke einen Makel. An der Kantonsgrenze beim Rufibach in Walchwil endet der Velostreifen. Die viel befahrene Landstrasse nach Arth ist schmal, bis St. Adrian kurvig und sie hat auch kein Trottoir, auf das man ausweichen könnte. Erst beim Hünenbergweg in Arth nimmt die Gefahr durch vorbeiflitzende Autos, Busse und Lastwagen ab.

Wie kommt man unversehrt nach Arth?

Dieser Umstand treibt den Zuger Interessenvertretern der Velofahrer seit Jahren die Zornesröte ins Gesicht – ohne dass dies bisher irgendetwas bewirkt hätte. Nun aber hakt jemand nach, von dem man es nicht vermutet hätte: Moritz Schmid, nationalkonservativer Politiker und Gipsermeister.

Moritz Schmid hatte sich mit der Schwyzer Nachbargemeinde von Walchwil geeinigt, dass er eine ordentliche Baueingabe macht.

Moritz Schmid.

(Bild: PD)

Der 69-jährige SVP-Kantonsrat steht nicht im Verdacht, ein Öko-Fundamentalist zu sein. Aber er wohnt in Walchwil, weiss also um die Problematik. In einer Interpellation wollte er von der Zuger Regierung wissen, was aus Zuger Warte für Fussgänger und Radfahrer getan werde, die heil von Walchwil nach Arth gelangen wollen. Die Antwort ist ernüchternd.

Wanderweg soll eben verlaufen

Einerseits gibt es nämlich einen Wanderweg, den der Kanton Zug oberhalb des Sees, in ungefähr 500 Metern Höhe, verwirklichen möchte und der auch im kantonalen Richtplan steht. Man könnte ihn auf Zuger Boden zeitnah bauen – aber es gibt Probleme. «Offenbar stockten die Verhandlungen mit betroffenen Grundeigentümerschaften auf der Schwyzer Seite», tönt’s aus der Zuger Baudirektion.

An der Grenze hört der geplante Wanderweg auf.

An der Grenze hört der geplante Wanderweg auf.

(Bild: Kantonaler Richtplan)

Die Gemeinde Arth und der Verein «Schwyzer Wanderwege» schlugen deshalb vor, den Weg höher anzulegen – was die Zuger auf keinen Fall wollen. Die Gemeinde Walchwil und das Zuger Amt für Raumplanung lehnen es ab, weil die Strecke dann «mit entsprechenden Höhendifferenzen verbunden» wäre und «deshalb nicht mehr als hangparallele Verbindung verstanden werden» könnte – wie dies der Zuger Richtplan vorsieht.

«Die Prioritäten des Strassenbauprogramms weisen einen Zeithorizont von 15 Jahren auf.»

Manuela Weichelt (ALG), Frau Landammann des Kantons Zug

Ausserdem hatte das Schwyzer Amt für Wald und Naturgefahren die Idee entwickelt, allenfalls einen Weg von Walchwil nach Arth entlang der Bahnlinie anzulegen. Dies will der Kanton Zug nicht, weil dafür viele Kunstbauten nötig seien und der Weg teuer werde, wie die Regierung glaubt.

Radweg: Bedürfnis ist unbestritten

Weniger verzwickt stellt sich die Lage im Fall eines Fuss- und Radwegs dar, der am Seeufer entlang der Landstrasse von Walchwil nach Arth nötig ist. Den Handlungsbedarf hat der Kanton Schwyz spätestens vor drei Jahren erkannt, als er sein Radroutenkonzept verabschiedete und darin auch das Zugersee-Ostufer berücksichtigte.

Nur ist seither wenig Konkretes geschehen. Zurzeit werde ein «Gesamtkonzept» für die Strasse vom Rufibach nach Arth erstellt, weiss die Zuger Regierung. Dieses sehe einen Rad- und Gehweg auf dem Abschnitt vor und soll von der Schwyzer Regierung noch 2018 genehmigt werden.

Keine Radstreifen, kein Trottoir: Velofahrer und Auto in der Nähe von St.Adrian.

Keine Radstreifen, kein Trottoir: Velofahrer und Auto in der Nähe von St.Adrian.

(Bild: mam)

«Wird noch einige Jahre dauern»

Erst danach überlegen sich die Schwyzer, wie dringend ihnen das Projekt ist, und nehmen es ins kantonale Strassenbauprogramm auf. «Es bleibt aber zu berücksichtigen, dass die Prioritäten des Strassenbauprogramms einen Zeithorizont von 15 Jahren aufweisen», hält Frau Landammann Manuela Weichelt (ALG) für den Zuger Regierungsrat fest.

Damit stehe wohl fest, «dass es noch einige Jahre dauern wird», bis der kombinierte Fuss- und Radweg entlang der Kantonsstrasse von der Kantonsgrenze bei Walchwil bis Arth erstellt sein wird.

«Abwarten»

Man müsse nun abwarten, mit welcher Priorität der Ausbau ins Schwyzer Strassenbauprogramm aufgenommen werde. Ein entsprechender Beschluss werde wohl im nächsten Jahr fallen. Zug unterstütze die Bestrebungen des Kantons Schwyz «im Rahmen seiner Möglichkeiten», versichert der Zuger Regierungsrat.

Victor Zoller, Co-Präsident von Pro Velo Zug, kennt die Zuger Velowege wie seine Westentasche.

Victor Zoller, Co-Präsident von Pro Velo Zug.

(Bild: woz)

Das klingt nicht nach energischer Problemlösung, obwohl die kantonalen Stellen von Schwyz und Zug sich «in ständigem Kontakt befinden», wie die Regierung in der Interpellationsantwort geltend macht.

«Das bekommen wir jedes Jahr zu hören»

«Die Antwort des Regierungsrats entspricht dem, was wir jedes Jahr in der Besprechung mit den Veloverantwortlichen des Kantons und der Stadt Zug zu hören bekommen», sagt Victor Zoller, Co-Präsident von Pro Velo Zug.

«Wir werden verlangen, dass der Kanton Zug sich um die Bundeshilfe bemüht.»

Victor Zoller, Co-Präsident Pro Velo Zug

Dieses Jahr will sich die Velolobby im November mit den Verantwortlichen des Kantons Zug treffen und dabei darauf hinweisen, dass sich der «Rahmen der Möglichkeiten» unlängst erweitert hat. Ende September nahmen nämlich die Stimmbürger an der Urne den «Bundesbeschluss über die Velowege sowie die Fuss- und Wanderwege» an, den direkten Gegenvorschlag zur Velo-Initiative.

Bund soll Kantonen auf die Sprünge helfen

Dieser sieht vor, dass der Bund die Grundsätze für Velowege festlegt und auch koordinierende Unterstützung leisten kann, wenn’s Probleme gibt, weil Radrouten über die Grenzen von Kantonen führen.

«Wir werden verlangen, dass der Kanton Zug sich um die Bundeshilfe zur Koordination mit Schwyz bemüht», sagt Victor Zoller von Pro Velo Zug. Bis dahin warte er gespannt, was Zuger Kantonsparlamentarier zur Sache meinen.

Zwischen See und Berg eingeklemmt: Landstrasse zwischen Arth und Walchwil.

Zwischen See und Berg eingeklemmt: Landstrasse zwischen Arth und Walchwil.

(Bild: mam)

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