Veloständer statt Gewerbe: Stadt Zug will von den SBB drei weitere Viaduktbögen mieten
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Der Dreiangelplatz soll aufgehübscht werden: Container unter den Boden, Velos unter die Bahn. (Bild: Beat Holdener)

Keine innovative Nutzung geplant Veloständer statt Gewerbe: Stadt Zug will von den SBB drei weitere Viaduktbögen mieten

4 min Lesezeit 08.06.2021, 19:00 Uhr

Das Areal zwischen Bahnlinie, Poststrasse und Neustadt-Center in Zug wird umgestaltet. Davon betroffen sind auch die angrenzenden Bögen unter dem historischen Bahnviadukt. Die Stadt plant dort Abstellplätze für Fahrräder. Ein Essensautomat war unerwünscht.

Der sogenannte Dreiangelplatz ist im Moment im Stadtbild keine Augenweide und lädt trotz einigen Bäumen nicht zum Verweilen ein. Neben gedeckten Velounterständen wird er vor allem von den Sammelcontainern für Altglas, Aluminium und Blechdosen dominiert. Wer seinen Abfall rezykliert hat, verlässt den Unort möglichst schnell wieder.

Jetzt plant die Stadt, den Platz neu zu gestalten, und hat die entsprechenden Pläne ausgeschrieben. Entlang der Poststrasse sind Unterflurcontainer vorgesehen, die das Entsorgen an den typischen metallenen Einwurfsäulen ermöglichen. Das reduziert Geruchs- und Lärmemissionen. Drei Blasenbäume werden neu gepflanzt, zwei davon mit Sitzinseln umfasst. Die Aufgänge zum Neustadt-Center werden verbessert, insbesondere die Rampe.

Bögen geöffnet, dafür vergittert

Aus dem Baugesuch ist zudem ersichtlich: Die Stadt Zug sieht vor, drei weitere Viaduktbögen unter der Gotthardbahnlinie zu übernehmen. Die entsprechende Zusage der SBB für die Mietverträge liegt vor. Gemäss Eisenbahngesetz muss das Unternehmen auch zu einer neuen Nutzung unter dem Viadukt seine Zustimmung geben, da es sich um ein Bahngrundstück handelt.

Wer gehofft hat, dass die Stadt die zusätzlichen Viaduktbögen jetzt möglichst attraktiv bespielt, der wird jedoch enttäuscht. Die drei Bögen nach der bestehenden Trafostation der Wasserwerke Richtung Bahnhofstrasse werden auf der südwestlichen Seite vergittert, zwei davon sollen zum Abstellen von Velos genutzt werden. Dafür sind Velobügel aus dem Standardmobiliar der Stadt vorgesehen. Die Forderungen des im Grossen Gemeinderat hängigen Postulats der CVP betreffend attraktive Nutzung des SBB-Viadukts (zentralplus berichtete) bleiben damit weiterhin Wunschdenken.

Echtes Bedürfnis nach Veloplätzen

Dieter Müller, Kommunikationsbeauftragter der Stadt Zug, nimmt zu den Plänen für die Neugestaltung des Platzes und des Bahnviadukts Stellung.

zentralplus: Viele dürften enttäuscht sein, dass die Stadt die Viaduktbögen für Veloabstellplätze nutzt. Was ist der Grund dafür?

Dieter Müller: Die Aufwertung des Dreiangelplatzes als Aufenthaltsort bedingt die Aufhebung des dortigen gedeckten Veloständers. Offiziell hatten dort zirka 30 Velos Platz. Der Bedarf liegt aber eher bei 50 Plätzen. Die Bögen bieten sich an, da sie von ihrer Grösse her einem Veloständer entsprechen, für andere Nutzungen sind sie einfach zu klein und ungeeignet. Es können rund 50 gedeckte Abstellplätze in den Bögen 18 (heute Autoparkplatz), 16 und 15 (ehemals privat vermietet und verschlossen) integriert werden.

zentralplus: Welche anderen Nutzungsmöglichkeiten wurden geprüft und warum wurden diese verworfen?

Müller: Geprüft wurde, den Bogen 15 als Lager und gegen das Neustadtcenter mit einem Food-Automaten oder Ähnlichem zu nutzen. Ansässiges Gewerbe zeigte jedoch kein Interesse. Zudem möchten Anwohnerinnen und Anwohner keinen zusätzlichen Personenverkehr am Abend und in der Nacht. Bogen 14 wird weiterhin offen und flexibel nutzbar bleiben. Hier werden wir neu eine Stromversorgung anbringen. Die Bögen 15 und 16 haben den Boden auf Niveau Neustadtcenter, was sie noch einmal kleiner macht.

«Anwohnerinnen und Anwohner möchten keinen zusätzlichen Personenverkehr am Abend und in der Nacht.»

Dieter Müller, Kommunikationsverantwortlicher der Stadt Zug

zentralplus: Warum will der Stadtrat trotz Möglichkeit, weitere Viaduktbögen zu mieten, das hängige Postulat für eine attraktivere Nutzung weiterhin nicht umsetzen?

Müller: Technisch und betrieblich ist eine Aufwertung nicht so einfach zu realisieren. Die Bögen sind eng und haben keine Infrastruktur. Die SBB machen Vorgaben betreffend Sichtbarkeit des Mauerwerks und von Einbauten. Wir setzen eine neue Beleuchtung ein und die Bögen sind gegen hinten mit einem Streckblech versehen, es hat keine massiven Mauern mehr. Es ist also nicht so, dass wir das Postulat nicht umsetzen würden. Aus dem Bogen 18 werden zwei Autoparkplätze entfernt zugunsten von Veloparkplätzen, denn dafür besteht ein echtes Bedürfnis an diesem Ort.

zentralplus: Wie hoch sind die Mietkosten für die Viaduktbögen, welche die Stadt bezahlt?

Müller: Bisher haben wir nur Bogen 18 und 20 gemietet, zu 336 respektive 300 Franken pro Jahr. Der Mietvertrag für die Bögen 13 bis 16 ist noch nicht abgeschlossen. Für die Bögen 12 und 11 auf der Nordseite der Baarerstrasse, wo sich die WC-Anlagen befinden, zahlen wir 768 Franken pro Jahr.

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