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VBL: «Für 300 Meter ist eine Minute lange»
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Rund 100 Busse fahren in den Stosszeiten pro Stunde auf der Pilatusstrasse zum Bahnhof. Mit der verlängerten Bussspur rascher und nur noch mit einer Rotphase. (Bild: mbe.)

Verkehrsprobleme in Luzern VBL: «Für 300 Meter ist eine Minute lange»

4 min Lesezeit 1 Kommentar 03.02.2015, 19:30 Uhr

Kaum ein Thema beschäftigt die Luzerner so stark wie der Verkehr. Die Bilanz der Stadt über die verlängerte Busspur in der Pilatusstrasse und die Massnahmen am Bundesplatz haben die Diskussionen neu entfacht. Die Meinungen über den Erfolg der Massnahmen sind geteilt.

Mit der Verlängerung der Busspur in der Pilatusstrasse sind die Busse gemäss der Stadt Luzern zwischen 17 und 18 Uhr durchschnittlich um eine Minute schneller am Bahnhof. Früher war immer von einem Zeitgewinn von zwei Minuten die Rede (zentral+ berichtete). Die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) sind, wie die Stadt, zufrieden mit dem Zeitgewinn. «Eine Minute tönt zwar nach nichts», sagt VBL-Mediensprecher Christian Bertschi, «aber bei über 100 Bussen pro Stunde in den Hauptverkehrszeiten ist das wichtig für die Fahrt zum Bahnhof.»

Die Stadt stützt sich auf die Angaben der Verkehrsunternehmen, allen voran der VBL. Christian Bertschi spricht gegenüber zentral+ sogar von einer Zeitersparnis von 100 Sekunden oder eineinhalb Minuten – in den Nebenverkehrszeiten. Die Zeiteinsparnis wirke klein. Aber angesichts der kurzen Distanz von nur rund 300 Meter zwischen der Haltestelle Kantonalbank und dem Bahnhof sei sie entscheidend, sagt der VBL-Sprecher. «Früher mussten die Busse mehrere Rotphasen abwarten, wenn sie im Stau standen. Heute gibt es nur noch eine Rotphase am Bahnhof.» Aber sehr lange habe man nie warten müssen. «Wenn man warten muss, kommt es einem immer lang vor», sagt Christian Bertschi.

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Buspassagiere stiegen vorher aus

Vor der Einführung der Busspur im September 2014 seien die Busse oft minutenlang im Stau gestanden, erklärt der VBL-Sprecher. «Manche Buspassagiere stiegen deshalb schon bei der Haltestelle Kantonalbank aus und liefen zum Bahnhof. Manche Chauffeure empfahlen sogar das Aussteigen, damit die Benützer ihren Anschluss erwischen konnten.» Gemäss Bertschi profitieren nicht nur die VBL-Busse von der neuen Spur, sondern auch die Postautos und die Busunternehmen aus Rothenburg und dem Rottal.

Zu den kritischen Reaktionen gewisser Automobilisten in den Medien meint Bertschi, die VBL hätten ein gewisses Verständnis. «Doch das ist eine politische Entscheidung. Die Stadt hat mit dem Kanton zusammen beschlossen, dass der Mehrverkehr in und um Luzern durch eine Priorisierung des öffentlichen Verkehrs abgefedert werden soll. Die VBL sind froh, dass die Stadt ein solches Bekenntnis abgegeben hat.»

Froh sind auch die Benutzer des öffentlichen Verkehrs in Luzern.

ACS-Präsident: «Ergebnis voraussehbar»

Marcel Omlin aber ist einer der Unzufriedenen. Der Präsident der regionalen Sektion des Automobilclubs (ACS) braucht zur Erfolgsbilanz markige Worte: «Es ist klar, dass die Stadt sagen muss, dass sich die Massnahmen bewährt haben.» Die Stadt habe den Verkehr von der Pilatusstrasse einfach zum Bundesplatz verlagert. «Rundherum herrscht jetzt ein Verkehrs-Chaos». Und er macht einen Hauptverantwortlichen aus. «Das ist Adrian Borgulas Politik. Im Stadtrat kann er seine Parteipolitik eins zu eins umsetzen», sagt Omlin.

Es käme keiner anderen Stadt der Schweiz in den Sinn, den Weg zum Bahnhof zu verunmöglichen und die Autos einen solchen Umweg fahren zu lassen. «Luzern will umweltbewusst sein, sind diese Umwegfahrten etwa ökologisch?», fragt Omlin sarkastisch. Ändern könne man nichts mehr an diesem Verkehrsregime, fügt der Luzerner SVP-Kantonsrat hinzu. Kanton und Stadt seien sich einig. ACS und TCS hätten erfolglos versucht, diese Massnahmen zu verhindern. Omlin weist darauf hin, dass ein städtisches Gesamtverkehrskonzept nach wie vor fehle. «Man sagt uns seit langem, dass dieses in Bearbeitung ist.»

VBL-Busse in Bundesstrasse im Stau

Doch auch die Verkehrsbetriebe VBL sind nur teilweise zufrieden mit den Massnahmen der Stadt. Denn der Rückstau des Verkehrs wegen der Sperrung der Spur in der Pilatusstrasse führt dazu, dass Busse in der Bundesstrasse beim Paulusplatz nicht mehr vorwärts kommen. «Der Grund dafür ist, dass sich der Verkehr, der vom Gebiet Eichhof zum Bundesplatz fahren will, auf der Bundesstrasse staut und so die Autos von der Obergrundstrasse nicht in die Bundesstrasse einfahren können», sagt Christian Bertschi von den VBL.

Die Stadt habe nun angekündigt, dass von der Bundesstrasse eine verlängerte Ausfahrspur Richtung Langensandbrücke erstellt werden solle, damit die Autos, die Richtung Tribschengebiet fahren möchten, nicht weiter durch den Bundesplatz-Kreisel blockiert würden. «Eine solche Massnahme begrüssen die VBL», sagt Bertschi. Sie trage dazu bei, dass der Stau auf der Bundesstrasse nicht bis zur Obergrundstrasse zurückreiche. Davon profitierten die VBL-Busse stark.

 Velofahrer mehrheitlich happy

Und was finden Vertreter der Velofahrer? «Es hat Verbesserungen und Verschlechterungen gegeben», sagt Nico van der Heiden, Co-Präsident Pro Velo Luzern und Grossstadtrat der SP. Als «super» bezeichnet er die angekündigte Mittelinsel auf der Bundesstrasse. Sie soll die Fahrt von der Neustadtstrasse in die Winkelriedstrasse für Velofahrende sicherer machen. Das sei schon vor zwanzig Jahren gefordert worden, so van der Heiden. «Der Bundesplatz ist ingesamt sicherer geworden für Zweiradfahrer.»

«Ein Wermutstropfen ist, das man aus der Bleicherstrasse nicht mehr in die Moosstrasse fahren darf», sagt der Co-Präsident von Pro Velo. Störend fänden Velofahrer auch die neue Mittelinsel für Fussgänger, wenn man von der Langensandbrücke auf den Bundesplatz fährt. «Wir haben eine Eingabe für eine Nachbesserung an die Stadt gemacht, die Resonanz war positiv», sagt van der Heiden. Wann das geändert wird, ist aber noch offen.

Was halten Sie von den Verkehrsmassnahmen in der Pilatusstrasse und am Bundesplatz? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit und nutzen Sie die Kommentarfunktion.

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1 Kommentare
  1. Beatrix Kälin, 04.02.2015, 16:19 Uhr

    Ich muss leider jeden Donnerstag mit dem Auto durch die Stadt fahren! Ich bin Raumpflegerin und arbeite an zwei entgegengesetzten Orten der Stadt! Dank dem intelligenten Verkehrskonzept von Herrn Borgula steckte ich regelmässig für längere Zeit im Stau, da ich über die Seebrücke nach Adligenswil muss! Also fahre ich jetzt einen Umweg zurück auf die Autobahn und über den Sedel und die Hünenbergstrasse hintenrum nach Adligenswil! Mehr Kilometer, mehr Benzinverbrauch, weniger Zeit! Gut für den Umweltschutz!!! Und die anderen Tage werde ich die Stadt meiden!

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