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Urs Raschle: «Was im Herti abläuft, ist eine Katastrophe»
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Dass die ZVB einen neuen Stützpunkt brauchen, ist unbestritten. Kritik gibt’s jedoch trotzdem. (Bild: wia)

Politiker kritisieren geplanten ZVB-Stützpunkt Urs Raschle: «Was im Herti abläuft, ist eine Katastrophe»

4 min Lesezeit 1 Kommentar 20.08.2018, 04:51 Uhr

Für das neu geplante Megaprojekt Busbahnhof soll der Kanton Zug tief in die Tasche greifen. Doch für die Kritiker des Busdepots sind nicht die Kosten der Knackpunkt.

Ein Grossprojekt beschäftigt die Zuger Raumplanungskommission. Es geht um die Richtplananpassung für den Bau eines neuen Busbahnhofs. Wer hierbei an eine simple Halle mit Wellblech denkt, der irrt. 190 Millionen Franken teuer soll der Bau werden, über zwei Untergeschosse verfügen, dazu kommen neue Büros und Werkstätten (zentralplus berichtete). Zusätzlich dazu entsteht ein neues Hauptquartier für den Zuger Rettungsdienst. Dafür sind weitere rund 85 Millionen Franken vorgesehen.

Zum Vergleich: Das Luzerner KKL, seit seinem Bau vor 20 Jahren ein nicht mehr wegzudenkendes Wahrzeichen der Zentralschweiz, ja der ganzen Schweiz, hat letztlich 220 Millionen Franken gekostet. Die Hälfte der Busbahnhof-Kosten – also 85 Millionen – wird der Kanton Zug tragen.

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Kaum jemand klagt wegen der hohen Kosten

Ein riesiges Projekt mitten in der Stadt Zug, bei dem es um viel Geld geht. Dennoch scheint der neue ZVB-Stützpunkt nur wenige Kritiker auf den Plan zu rufen.

Und doch gibt es sie, die Skeptiker. Erstaunlicherweise wundern sie sich jedoch nicht wegen der stattlichen Kosten des Projekts, sondern vielmehr über dessen geplanten Standort.

So soll der Bau gemäss Plänen mitten in der Stadt Zug realisiert werden, nämlich am heutigen ZVB-Standort. Dieser wurde dort in den 50er-Jahren realisiert. Die beiden Zuger Gemeinderäte Philip C. Brunner und Martin Eisenring hatten im Herbst letzten Jahres eine Motion dazu eingereicht. So verlangten sie vom Stadtrat, dass dieser abklärt, ob ein ZVB-Stützpunkt allenfalls doch im Göbli – und damit in der Peripherie – möglich wäre.

Muss denn der Stützpunkt im Zentrum sein?

Brunner relativiert heute: «Mittlerweile sind neue Informationen aufgetaucht zum Untergrund im Göbli.» So könne man wegen der dortigen unterirdischen Wasserflüsse bloss sechs Meter tief graben. «Das ist eine niederschmetternde Nachricht.»

Nach wie vor ist Brunner jedoch skeptisch, ob der geplante Busbahnhof mitten in die Stadt gehört. «Nehmen wir an, auf dem Zürcher Sechseläutenplatz hätte man vor hundert Jahren ein Tramdepot gebaut: Das würde heute absolut keinen Sinn mehr machen.»

Ausserdem hegt Brunner Zweifel gegenüber den bereits bestehenden Plänen zum ZVB-Stützpunkt. «Alle reden von Verdichtung und davon, in die Höhe zu bauen, dennoch soll das geplante ZVB-Gebäude weniger hoch werden als das Polizeigebäude, das bereits daneben steht», so der SVP-Gemeinderat.

Sind die Pläne zu detailliert?

«Die Pläne fürs Objekt sind meines Erachtens bereits viel zu detailliert. Ich bin überzeugt, dagegen gibt es noch Opposition, etwa im Grossen Gemeinderat bei der Genehmigung des Bebauungsplans», mutmasst Brunner. Und weiter: «Ich bin ein Freund des modularen Denkens. Wir wissen nicht, wie es mit der Mobilität in zehn, zwanzig Jahren aussieht und ob es da ein solch grosses Projekt aus dem ‹Truckli› noch braucht.»

Dennoch gibt es einen Punkt, der Brunner zu besänftigen vermag. «Sollte sich der Standort An der Aa durchsetzen, erhielte die Stadt das unbebaute Parkplatzareal hinter der Berufsschule. Ein Deal, der für die Stadt natürlich spannend ist.»

Auch Urs Raschle, Stadtrat und Zuger öV-Verantwortlicher, ist skeptisch gegenüber den ZVB-Plänen. «Vor rund einem Jahr veröffentlichte der Regierungsrat Bericht und Antrag zum neuen Hauptstützpunkt», sagt Raschle. «Darin war jedoch kein Wort über die Zukunft zu finden, wie der öffentliche Verkehr einst funktionieren wird.»

«Dass der Regierungsrat keine Machbarkeitsstudie macht, ist eine verpasste Chance.»

Urs Raschle, Zuger Stadtrat

Auch habe man Fragen zum Standort gehabt, worauf der Stadtrat mit den Regierungsräten das Gespräch gesucht habe. Dies mit dem Resultat, dass die Kantonsregierung daraufhin auch alternative Standorte prüfte. – Wenn auch mit demselben Ergebnis: Das Gebiet An der Aa sei am geeignetsten, befand der Regierungsrat.

Der Vorschlag des Stadtrates, eine Machbarkeitsanalyse durchzuführen, lehnte die kantonale Exekutive jedoch ab. Urs Raschle sagt dazu: «Das ist zwar legitim, dennoch finden wir, dass dies eine verpasste Chance ist.»

Soll man dem Göbli noch eine Chance geben?

Zudem ist er der Ansicht, dass man das Gebiet Göbli etwas genauer unter die Lupe hätte nehmen können. «Zwar hat man dort aufgrund der Grundwasserschutzzone nicht die Möglichkeit, allzu tief zu graben, doch wäre es vielleicht möglich, statt zwei nur ein Untergeschoss zu bauen.»

Raschle macht sich ausserdem Gedanken zur Zukunft des öffentlichen Verkehrs in Zug. «Das Amt für öffentlichen Verkehr verfolgt sehr strikt die Hub-Strategie. Also, dass es einen zentralen Knotenpunkt gibt, von wo aus alle halbe Stunde ein Bus in jede Gemeinde fährt.»

Braucht es überhaupt eine zentrale Lösung?

Dies sei zwar per se nicht falsch, doch müsse es künftig, gerade in urbanen Gegenden, möglich sein, dass die Passagiere in kurzen Abständen von A nach B transportiert werden. «Doch was aktuell etwa im Herti abläuft, ist eine Katastrophe. Abends wartet man elf oder zwölf Minuten auf Anschlussverbindungen», so Raschle.

So ist denn der Stadtrat auch der Ansicht, dass es nicht zwingend eine zentrale Lösung brauche, sondern mehrere dezentrale ZVB-Standorte durchaus Sinn machen könnten.

Aktuell wird in den Kommissionen über die Anpassung des Richtplans diskutiert, welche bei einer Umsetzung des Projekts An der Aa vonnöten ist. Später wird im Kantonsrat über das Projekt selber debattiert. Es ist anzunehmen, dass das Geschäft dort für einige Diskussionen sorgen wird.

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1 Kommentare
  1. Räto Leber, 22.08.2018, 09:45 Uhr

    Typisch Zuger Regierung. Geld verschleudern mit völlig unsinnigen Projekten, um den verantwortlichen Chefbeamten das eigene Denkmal zu ermöglichen. Hab’s selber erlebt, wie bei anderen Denkmälern das Denken fehlte und leider bleibt’s meist nicht bei einem Mal.

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