Urbane Luftseilbahn: Zug bleibt vorerst am Boden
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Seit Mitte der 70er-Jahre verbindet die Roosevelt Island Tramway in New York die gleichnamige Insel mit Manhatten. (Bild: Unsplash/Patrick T'Kindt)

Das spricht laut Stadtrat gegen Gondeln Urbane Luftseilbahn: Zug bleibt vorerst am Boden

4 min Lesezeit 1 Kommentar 15.03.2021, 15:25 Uhr

Pendeln in luftiger Höhe: Das ist in einigen Metropolen der Welt Alltag. Zug hingegen lässt diese visionären Träume nach einer Vorabklärung platzen. Der Stadtrat zeigt zwar mögliche Routen und Vorbilder auf – aber auch eine Menge Einwände.

Es ist eine bestechende Vorstellung: Statt sich im Stau stehend zu ärgern, könnte man ohne Wartezeiten über den verstopften Strassen in einer Gondel von A nach B pendeln – und erst noch die Aussicht geniessen. Was in einigen Metropolen längst Realität ist, hat auch die Stadt Zug träumen lassen.

Die Idee ist letztes Jahr aufs politische Parkett gekommen. Wäre eine Luftseilbahn auch in Zug eine Alternative zu Bussen und S-Bahn?

Doch viel mehr als eine schöne Fantasie wird offenbar nicht daraus. Der Stadtrat hat die Idee einer Luftseilbahn als Alternative zum öffentlichen Verkehrssystem näher geprüft – und verworfen.

Andere Städte schweben bereits

Zwar kann der Stadtrat der futuristisch anmutenden Luftseilbahn im urbanen Raum einiges abgewinnen. So sind Gondeln gleich leistungsfähig wie eine Hauptbuslinie. Wo viele Leute hin- und herreisen, könnten sie alle 15 Sekunden losfahren – Wartezeiten für Pendler würden der Vergangenheit angehören.

Dazu kommt: Generell seien Gondelbahnen im Betrieb wenig störungsanfällig – ausser bei starkem Wind. Zudem sind die Kosten laut Stadtrat vergleichsweise tief. Für eine Gondelbahn von 1 bis 3 Kilometern Länge müsste man mit Kosten von 20 bis 80 Millionen Franken rechnen. «Gondelbahnen können somit grundsätzlich zur Lösung von bestehenden Verkehrs- oder Erschliessungsproblemen im urbanen Raum beitragen», hält der Stadtrat fest.

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Dass sich die urbane Luftseilbahn bewährt, zeigt ein Blick über den Stadtrand hinaus: In New York transportiert seit mehreren Jahrzehnten eine Gondel Leute über den East River. Auch im türkischen Ankara, im portugiesischen Porto oder im amerikanischen Portland schweben Gondeln über Häuserzeilen.

Andere Städte planen entsprechende Projekte. Im französischen Toulouse etwa wird derzeit eine Seilbahn gebaut, die das Universitätsspital mit der Universität verbindet. Ebenso erstellt München aktuell eine Machbarkeitsstudie für eine urbane Luftseilbahn. Die Idee: Eine Direktverbindung zwischen dem Osten und Westen der Stadt über eine der verkehrsreichsten Strassen hinweg zu schaffen. 

«Die Stadt Zug verfügt bereits über ein hervorragendes ÖV-Angebot, welches den momentanen Anforderungen genügt.»

Zuger Stadtrat

Allerdings, und damit kommt der Stadtrat zu den Einwänden, kommen Luftseilbahnen vor allem dort infrage, wo die Topografie eine Alternative zum Bus oder Bahn erzwingt. Sprich: dort, wo es beispielsweise einen Hügel oder einen Fluss zu überwinden gilt. Oder auf Routen, wo sehr viele Passagiere von A nach B reisen müssen – beispielsweise vom Hauptbahnhof in ein grosses Geschäftsviertel oder zum Spital.

Zug: Die Nachteile überwiegen

In Zug gibt es laut Stadtrat keine Strecke von A nach B, die derart stark frequentiert ist, dass sich eine Alternative zum Bus aufdrängen würde. Zumal diese für eine Seilbahn zwangsläufig gerade verlaufen müsste. Zwar zeigt der Stadtrat in seinem Bericht vier mögliche Strecken auf (siehe Grafik). Doch bei allen überwiegen gemäss Stadtrat die Nachteile. Das Einzugsgebiet und damit die Nachfrage sei zu klein.

Schon bei den vertieften Abklärungen der Zugerbergbahn 2019 habe sich gezeigt, dass ein Luftseilbahnsystem gegenüber der bestehenden Standseilbahn keine wesentlichen Vorteile erbringe. Ein unmittelbarer Bedarf existiere in Zug daher nicht.

Potenzielle Strecken für eine Gondelbahn in Zug.

Hinzu kommt: Obwohl die Technik relativ günstig ist, könnte eine Gondel im urbanen Raum teuer werden. Denn um bebautes Land zu überqueren, braucht es entsprechende Rechte – und gegen die könnten sich betroffene Grundeigentümer wehren. Laut Schätzungen von Experten könnte das einen grossen Teil der Projektkosten ausmachen. Und die Kosten sind nur ein Risiko, wie das Beispiel des Zürich Zoo zeigt. Die dort geplante Luftseilbahn vom S-Bahnhof Stettbach zum Zooeingang auf dem Zürichberg ist aufgrund des Widerstands von Anwohnern seit über zehn Jahren blockiert.

Rollband und Schräglift statt Gondel

Luftseilbahnen als alternative und urbane Verkehrsmittel bezeichnet der Zuger Stadtrat als ungeeignet. «Die Stadt Zug verfügt bereits über ein hervorragendes ÖV-Angebot, welches den momentanen Anforderungen genügt und zukünftig bedarfsgerecht ausgebaut werden kann.»

Wenn schon, dann wären im Zentrum im Bereich von Hanglagen Alternativen denkbar. Allerdings schwebt dem Stadtrat keine Gondel vor, sondern eher Standseilbahnen, Schräglifte oder auch sogenannte «Automated People Mover» wie Rollbänder oder Minimetros. Solche Systeme könnten zukünftig als Varianten geprüft werden.

Eine Tür zur Gondel lässt der Stadtrat indes einen Spalt offen: Luftseilbahnen würden höchstens für regionale Linien oder im touristischen Naherholungsbereich infrage kommen. So wird beispielsweise einer direkten Erschliessung der Schönegg von Oberwil aus «ein gewisses Potenzial eingeräumt».

Strecken über die Stadtgrenzen hinaus in Nachbargemeinden oder Naherholungsgebiete hat der Stadtrat im vorliegenden Bericht, der nächste Woche im Stadtparlament diskutiert wird, nicht unter die Lupe genommen. Eine vertiefte Planung im regionalen Kontext müsste durch den Kanton an die Hand genommen werden, hält die Stadtregierung fest.

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1 Kommentare
  1. Hanns Zöllner, 16.03.2021, 11:32 Uhr

    Eine Gondelbahn sollte vom Zug mit dem Ägerital verbunden werden

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