«Unsere Hochzeit wird der schönste Tag – wie auch immer wir feiern werden»
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Karin und Selina werden heiraten – wann und wie auch immer. (Bild: zvg)

Luzerner Brautpaar ist trotz Corona zuversichtlich «Unsere Hochzeit wird der schönste Tag – wie auch immer wir feiern werden»

5 min Lesezeit 2 Kommentare 17.10.2020, 12:00 Uhr

Heiraten in Coronazeiten? Die Planung mag zwar turbulent sein, doch die Vorfreude lässt sich ein Luzerner Brautpaar deswegen nicht nehmen. Auch wenn notfalls das Jawort in Mundschutzmasken gehaucht wird.

Eine Hochzeit zu planen braucht schon in normalen Zeiten Checklisten, die einen ganzen Ordner füllen: Von der Einladungskarte zum Brautkleid, zur Location und Hochzeitstorte muss an alles gedacht werden.

Corona macht das ganze noch viel spannender oder, besser gesagt: nervenraubender. Die beiden Luzernerinnen Karin und Selina, die sich im Oktober letztes Jahr verlobten, gehen aber relativ entspannt an die Sache.

Das Paar plant derzeit seine Hochzeit. Doch der Fall ist doppelt kompliziert. Das Datum ist nämlich noch offen. Erst wollten die beiden im Oktober dieses Jahr heiraten, jetzt am 20. März oder am 10. Juli.

Nicht nur wegen Corona steht das genaue Datum in den Sternen. Das Paar macht beim Projekt «Hochzeit zu verschenken» mit, bei dem es eine Hochzeit im Wert von knapp 45’000 Franken zu gewinnen gibt. Dabei wird alles von A bis Z organisiert. Gewinnt das Paar den Wettbewerb nicht, planen sie ihre eigene Hochzeit im Juli.

Ein Glückschaos, sagt die Braut

Ist das nicht pures Chaos? «Es ist ein Glückschaos, würde ich sagen», sagt Karin und lacht. Mehr Arbeitsaufwand hätten sie wegen der beiden möglichen Daten nicht. Denn die Feier im März wird komplett von Hochzeitdienstleistern organisiert, für die Alternative im Juli haben sie bereits eine Location sowie einen DJ und Fotografen angeheuert.

Ganz so entspannt ist die Hochzeitsplanung in Coronazeiten natürlich nicht. Gerade mit Blick auf die steigenden Fallzahlen. «Ich werde schon mal wütend, panisch und traurig», sagt die 31-jährige Selina. Doch das Paar ergänzt sich. «Karin ist da eher recht gelassen und holt mich wieder runter.»

Karin und Selina sprechen von einer Hochzeit und vom Heiraten, obwohl Homosexuelle in der Schweiz eigentlich nicht heiraten dürfen und es sich rechtlich gesehen nur um eine eingetragene Partnerschaft handelt. Die grosse Kammer hat sich aber in diesem Sommer für die Ehe für alle ausgesprochen. Wenn auch der Ständerat sie befürwortet und das Volk die Ehe für alle bei einem allfälligen Referendum annimmt, könnte sie vielleicht schon 2022 in Kraft treten.

Die 32-jährige Karin kommt schnell auf den Punkt: «Ohne Weddingplanerin wären wir vermutlich komplett aufgeschmissen», räumt sie freimütig ein. Mit den laufenden Veränderungen und Einschränkungen sei es schwierig abzuschätzen, wie sich die Lage verändert, wie lange man zuwarten könne – oder ob die Hochzeit ganz ins Wasser fällt.

Notfalls wird auf zivile Trauung umgesattelt

Corona gibt derzeit den Takt an. Corona wird bestimmen, wie Hochzeiten durchgeführt werden. Gerade in diesen Tagen analysiert der Luzerner Regierungsrat, wie sich private Anlässe auf die Coronafallzahlen auswirken. Gut möglich ist, dass ab einer bestimmten Anzahl Menschen auch bei privaten Anlässen eine Maskenpflicht gilt (zentralplus berichtete).

«Klar sind wir unsicher und haben Angst, dass Träume platzen können», sagt Selina. Eine Kollegin von ihnen hat im September geheiratet. Sie mussten Sektoren machen, die Gäste unterteilen. «Je mehr Einschränkungen und Regeln kommen, desto unbequemer wird es für uns», sagt Selina. Weil man dann ja nicht mal als Brautpaar in beide Sektoren gehen dürfte. «Wenn die Einschränkungen zu krass wären, würden vielleicht doch auf eine zivile Trauung umsatteln», sagt Selina. «Auch wenn wir das natürlich sehr schade fänden.»

«Zum Glück haben wir zugewartet, denn wir hatten sehr schöne Feste.»

Simone Wigger, Hochzeitsplanerin

Doch so weit denken die beiden gar nicht voraus. Karin und Selina sind optimistisch, halten an ihren beiden Daten fest. «Sich selbst verrückt zu machen, nützt niemanden was», meint Karin und winkt ab. Lösungen können immer gefunden werden. Jetzt heisst es erst einmal: zuwarten. Und je nach Lage nochmals mit der Hochzeitsplanerin an den Tisch sitzen und die Lage überdenken.

Keine Panik, rät die Weddingplanerin

Auch ihre Hochzeitsplanerin Simone Wigger rät Paaren, erst einmal tief durchzuatmen – und sich wegen Corona nicht die Hochzeit vermiesen zu lassen. Schliesslich weiss niemand, wie die Lage in ein paar Monaten aussehen wird. «Wir lassen uns von Eventualitäten, was in einem halben Jahr sein wird, nicht unterkriegen und befassen uns mit dem, was unmittelbar bevorsteht.»

«Und wenn wir in Mundschutzmasken heiraten müssen, wir machen das Beste daraus.»

Karin

Sie habe Brautpaare begleitet, die Anfang dieses Jahres bereits verunsichert waren und ihre Hochzeiten im Herbst absagen wollten. «Zum Glück haben wir zugewartet, denn wir hatten sehr schöne Feste.»

Geheiratet wird auf jeden Fall

Selina ergänzt: «Heiraten werden wir so oder so.» Ob im März oder im Juli. Das Paar legt damit den Grundstein für die Familienplanung. Der Wunsch nach eigenen Kindern sei einfach stark.

Mit dem Jawort wollen sie ihr künftiges Kind schützen. Würde Selina das Kind bekommen per Samenspende, müsste Karin es adoptieren können – was derzeit in der Schweiz in homosexuellen Partnerschaften sehr kompliziert ist. «Durch die Heirat wären wir abgesichert, dass das Kind namentlich zu uns beiden gehört», sagt Karin.

«Unsere Hochzeit wird auf jeden Fall der schönste Tag», sagt Selina. «Wie auch immer wir schlussendlich feiern werden. Schliesslich ist es ein neuer Lebensabschnitt, auf den wir mit unseren Liebsten anstossen werden.»

Karin erzählt von einem Brautpaar, dass draussen heiratete, bei strömenden Regen. Kurzerhand hätten sich die beiden die Gummistiefel überzogen. «Und wenn wir in Mundschutzmasken heiraten müssen, wir machen das Beste daraus.»

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2 Kommentare
  1. Fritz Müller, 17.10.2020, 16:27 Uhr

    In der Schweiz können gleichgeschlechtliche Paare NICHT heiraten, es ist „nur“ eine eingetragene Partnerschaft möglich. Der Titel ist somit falsch und irreführend!

    1. Redaktion Isabelle Dahinden, 17.10.2020, 16:51 Uhr

      Lieber Fritz. Danke für Deinen Kommentar. Da hast Du natürlich Recht. Die beiden Frauen haben von «ihrer Hochzeit» gesprochen, darum haben wir so getitelt. Aber ich habe den Punkt noch im Bericht aufgegriffen, dass Homosexuelle beim Heiraten immer noch nicht dieselben Rechte haben wie Heterosexuelle und es sich rechtlich gesehen nur um eine eingetragene Partnerschaft handelt. Ich glaube, es ist wichtig, das direkt an- und auszusprechen, sodass auch alle kapieren, dass die Schweiz da Punkto Gleichstellung hinterherhinkt. Beste Grüsse, Isabelle

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