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Unermüdlich: Wieso Ruedi Schweizer (immer noch) in die Politik will
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Der parteilose Kandidat Ruedi Schweizer bei einem Podium zu den städtischen Wahlen. (Bild: jal)

Der parteilose Luzerner Stadtratskandidat Unermüdlich: Wieso Ruedi Schweizer (immer noch) in die Politik will

4 min Lesezeit 18.03.2020, 05:10 Uhr

Die Welt kann noch so kopfstehen – wird in Luzern gewählt, so ist eines sicher: Ruedi Schweizer kandidiert. Der parteilose Politiker will am 29. März den Sprung in den Luzerner Stadtrat schaffen und Beat Züsli als Stapi ablösen. Seine Motivation: Der Kampf für das Kleingewerbe und gegen Vetterliwirtschaft.

Rudolf Schweizer hat eines gemeinsam mit den drei Luzerner Stadträten Adrian Borgula, Manuela Jost und Martin Merki: Sie alle kandidieren bereits zum dritten Mal für den Stadtrat.

Doch der parteilose Politiker hat den Einzug bislang immer verpasst. Auch bei kantonalen oder nationalen Wahlen konnte er in den letzten Jahren nicht reüssieren.

Das hält den 57-Jährigen nicht davon ab, es erneut zu versuchen. Dass seine Erfolgsaussichten verschwindend klein sind, weiss er selber genau. «Ich weiss, dass ich keine Chance habe», sagte er bereits bei seiner ersten Kandidatur im Jahr 2015 (zentralplus berichtete).

Der VBL-Skandal bestätigt ihn

Doch ihm geht es nicht in erster Linie um das Resultat am Wahlsonntag, sondern darum, seine Botschaften zu platzieren. Damit ist er sich über all die Jahre und Kandidaturen treu geblieben. Schweizer wird angetrieben vom Willen, etwas am bestehenden System zu ändern.

«Wenn man einen Zweifränkler auf den Nachttisch legt, werden bis am Morgen nicht vier Franken daraus.»

Ruedi Schweizer, parteiloser Kandidat

Er kritisiert Vetterliwirtschaft und nennt als Beispiel die kürzlich publik gewordenen Abrechnungen bei den Luzerner Verkehrsbetrieben (VBL), die nun 16 Millionen Franken zurückzahlen. Für Schweizer ein Skandal, der ihn in seiner Ansicht bestätigt, dass vieles unter dem Deckel gehalten wird.

Gegen Spekulation und hohe Löhne

Ginge es nach Ruedi Schweizer, müsste der Direktor seinen Posten räumen. Würde er in den Stadtrat gewählt, würde er sich auch gleich selber den Lohn kürzen. Für den Parteilosen ist klar, dass ein tieferes Salär angebracht wäre – das gesparte Geld sollte man seiner Meinung nach besser in die Arbeitsintegration und den Sozialbereich investieren. Auch die Spekulation in der Finanzwelt ist ihm ein Dorn im Auge, wie er bildhaft sagt: «Wenn man einen Zweifränkler auf den Nachttisch legt, werden bis am Morgen nicht vier Franken daraus.»

Auf der anderen Seite gibt es laut Ruedi Schweizer viele Bürger, die tagtäglich «chrampfen», um über die Runden zu kommen. Er präsentiert sich als Vertreter der Kleinen – insbesondere des Kleingewerbes. «Wir brauchen Rahmenbedingungen, damit wir wirtschaftlich richtig arbeiten und unsere Familien ernähren können», betont er. Als selbstständiger Carrosseriespengler ist er direkt betroffen und weiss, wovon er spricht. In seiner Branche seien es zum Beispiel Kartellverträge, welche die Kleinen in die Verschuldungsfalle treiben würden.

Er passt in keine Schublade

Vieles tönt nach linken Anliegen. Doch Ruedi Schweizer lässt sich nicht einfach in eine politische Schublade stecken. Das liegt zum Teil daran, dass er nicht redet wie ein typischer Politiker: Er antwortet manchmal nicht direkt auf eine Frage, sondern erzählt von persönlichen Erlebnissen, leitet über zu Grundsätzlichem, verbindet unterschiedliche Themen und verwendet regelmässig Metaphern, die nicht immer auf Anhieb von allen verstanden werden.

Zum anderen liegt es daran, dass der zweifache Vater liberale und soziale Positionen vereint – und nicht zufällig als Parteiloser unterwegs ist. Auf Ebene der Stadt Luzern stört ihn zum Beispiel, dass sie zu stark auf Gruppenreisen gesetzt hat und den nachhaltigen Tourismus vernachlässigt habe. Auch im sozialen Bereich stimmt es laut Schweizer nicht: Menschen würden ausgegrenzt und Randständigen keine Wohnmöglichkeiten geboten.

Kandidierte bereits für verschiedenste Ämter: Rudolf Schweizer.

Ebenso kritisiert er, dass für das neue Theater Studie um Studie in Auftrag gegeben werde und die Bahnhofstrasse noch immer nicht begrünt sei. Und wenn es nach ihm ginge, sollte man dem Eigentümer der verlotterten Bodumvilla die Bewilligung geben, dort zu bauen statt ihm mit Enteignung zu drohen.

Ob er diesmal, am 29. März, bei der Stadtluzerner Bevölkerung mit seiner Botschaft punkten kann? Ruedi Schweizer sagt selber, dass derzeit ohnehin das Coronavirus und nicht politische Themen die öffentliche Diskussion prägten. Was er aber jetzt schon weiss: Dass er im zweiten Wahlgang erneut antreten wird.

Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer zentralplus-Serie zu allen zehn Kandidatinnen und Kandidaten für den Luzerner Stadtrat. Mehr Infos zu den Wahlen vom 29. März gibts in unserem Dossier.

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