Und wie stehen eigentlich die Jungen zum Bypass?
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Die Jungen interessieren sich nicht für Politik? Denkste! Grosser Aufmarsch am Jubiläums-Leodegar-Politbattle. (Bild: jal)

Hitzige Debatte am Leodegar-Politbattle Und wie stehen eigentlich die Jungen zum Bypass?

4 min Lesezeit 1 Kommentar 09.10.2020, 05:01 Uhr

Luzern hat ein Verkehrsproblem, darin sind sich alle einig. Doch wie es gelöst werden soll, darüber gehen auch bei den Jungparteien die Meinungen auseinander, wie sich am Leodegar-Politbattle zeigte. Eine Diskussion über Stau, Sonntagsfahrer und tote Planeten.

Am Donnerstag diskutierte in Luzern jene Generation über politische Brennpunkte, die am längsten damit leben muss: die Mitglieder und Sympathisantinnen der Luzerner Jungparteien. Zum zehnten Mal ging das Leodegar-Politbattle über die Bühne.

Und wer meint, die heutige Jugend interessiere sich nicht für Politik, wurde eines Besseren belehrt: Rund 130 junge Leute fanden sich im Neubad-Pool ein. Mit ein Grund dürfte gewesen sein, dass die Präsidenten und Präsidentinnen der nationalen Jungparteien sich für einen Schlagabtausch im ehemaligen Pool einfanden.

Bypass sorgt für Emotionen

Für Luzern von besonderem Interesse war indes vor allem die vorhergehende Diskussion zum Bypass. Mit dem Milliardenprojekt will der Bund einen neuen Autobahntunnel realisieren, um das Stadtzentrum vom Verkehr zu entlasten. Während der Zubringer, die Spange Nord, nach dem Nein der Stadtluzerner Stimmbevölkerung Ende September faktisch tot ist (und die Reussportbrücke ebenfalls angeknackst), geniesst der Bypass bei vielen Parteien Support.

Hart in der Sache, viel zu lachen: Das Rezept am Leodegar-Politbattle.

Doch wie ist das bei den Jungen? Eines wurde schnell klar: Emotional diskutiert wird offensichtlich unabhängig des Alters. Innert Minuten gaben sich Patrick Zibung (JSVP) und Sarah Hermann (Juso) Saures. Dazwischen versuchte Larissa Schumacher von der JBDP mit einer differenzierteren Sichtweise zu punkten.

«Klimapolitisch ist der Bypass Unsinn. Auf einem toten Planeten bringen mehr Strassen nichts.»

Sarah Hermann, Juso

Einig war man sich in einem Punkt: Das Verkehrsproblem in der Stadt Luzern muss gelöst werden. Doch wie das geschehen soll, darüber gingen die Meinungen stark auseinander. Für Sarah Hermann ist klar: «Klimapolitisch ist der Bypass Unsinn. Auf einem toten Planeten bringen mehr Strassen nichts.» Die Juso-Politikerin sprach sich für attraktiveren Langsam- und öffentlichen Verkehr aus – und flexiblere Arbeitszeiten, wie das mit dem verbreiteten Homeoffice während des Corona-Lockdowns praktiziert wurde.

Eine Haltung, die Patrick Zibung – vom Moderator als leidenschaftlicher Autofahrer angekündigt – als arrogant bezeichnete. «Meine Mutter beispielsweise arbeitet in einem Laden und kann nicht einfach sagen: Chef ich komme heute etwas später.» So gehe es vielen anderen auch.

JSVP kämpft allein auf weiter Flur für Antistau-Initiative

Zum Beispiel Larissa Schumacher von der JBDP, die Zibung in diesem Punkt zustimmte. «Ich arbeite in der Baubranche und bin auf das Auto angewiesen.» Nicht einverstanden mit der JSVP war sie hingegen bei deren Antistau-Initiative. Diese verlangt, dass sich die Kapazität der Kantonsstrassen künftig an der Nachfrage orientiert, sprich: Je mehr Autos unterwegs sind, umso mehr Platz soll ihnen zur Verfügung stehen (zentralplus berichtete).

Waren nicht immer gleicher Meinung (von links): Patrick Zibung, Larissa Schumacher und Sarah Hermann.

Obwohl Zibung frohlockte, die Initiative würde – indem man Umfahrungen baue – das linke Anliegen nach grüneren Zentren erfüllen, vermochte er die beiden Frauen auf dem Podium nicht zu überzeugen. Dass mehr Strassen das Verkehrsproblem lösten, ist in ihren Augen eine Illusion.

Welche Alternative gibt es?

Die Diskussion wurde immer wieder emotional und löste spontanen Applaus – sowie einige Lacher – im Publikum aus. Etwa als Patrick Zibung behauptete (in Zeiten notabene, in denen Autoposer für Schlagzeilen sorgen), es fahre niemand nur als Hobby mit dem Auto rum – um sich sogleich zu korrigieren: «Ausser natürlich ein paar Sonntagsfahrer».

Im Publikum waren die Meinungen gespalten. So wurden etwa Bedenken geäussert, wie lange der Bypass für freie Fahrt sorgen kann – und wann die nächste Belastungsgrenze erreicht werde. Andere fanden, die Ablehnung des Bypass sei «fast asozial», da auch andere Kantone vom Strassenprojekt profitieren würden.

Uneinig war man sich zudem darin, wie stark der öffentliche Verkehr ausgebaut werden kann – und ob das reicht, um das Problem zu lösen. Denn genauso wie mehr Strassen mehr Verkehr verursachen, würde auch ein besserer öV mehr Verkehr generieren. Larissa Schumacher von der JBDP monierte in der Schlussrunde, dass sie von linker Seite her keine Alternative zum Bypass höre. «Bringt doch mal eine andere Lösung», forderte sie.

Doch da war die Zeit auch schon um. Die Diskussion um das Verkehrsproblem wird Luzern jedoch weiter beschäftigen und die politische Auseinandersetzung längerfristig prägen.

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1 Kommentare
  1. Andreas Peter, 09.10.2020, 11:34 Uhr

    > „jene Generation …, die am längsten damit leben muss“
    Das ist so ein Argument, mit dem ich meine Mühe habe (unabhängig von diesem Thema).
    Wir waren doch alle mal jung, links und wollten „die Welt retten“.
    Was ich mit achtzehn Jahren für einen politischen Nonsens befürwortet hätte…
    Ich bin heute froh, dass man nicht auf mich gehört hat.

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