«Grenzwerte deutlich überschritten»

Hier ist in Luzern und Zug die Luft am schlechtesten

Bei Strassen mit dichtem Verkehr ist die Luftqualität meist schlechter. (Bild: Emanuel Ammon / Aura)

Neue Daten der Zentralschweizer Umweltfachstellen zeigen, wo in den Kantonen Luzern und Zug die Luft am dreckigsten ist. Vor allem ein Belastungswert ist dabei ein Problem.

An keinem anderen Ort im Kanton Luzern ist die Luft so schlecht wie an der Luzerner Moosstrasse. Hingegen ist das Atmen auf der Rigi besonders gesund. Das belegen neueste Zahlen der Zentralschweizer Umweltfachstellen.

Sie veröffentlichen jährlich einen Bericht zur Luftqualität in den hiesigen Kantonen. Die zusammengefassten Daten zahlreicher Messstationen offenbaren, wo die Schadstoffe am dichtesten schweben. Während die ländlichen Regionen naturgemäss besser abschneiden als die städtischen Gebiete, halten andere Vergleiche durchaus Überraschungen bereit.

Jährlich sieben Milliarden Franken Gesundheitskosten

Die Messungen konzentrieren sich vor allem auf Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO₂). Feinstaub besteht aus kleinsten Teilchen mit weniger als einem Hundertstel Millimeter Durchmesser. Er entsteht mehrheitlich aufgrund des Strassenverkehrs.

«Sämtliche Grenzwerte wurden überall deutlich und über einen längeren Zeitraum von Mai bis September überschritten.»

Umwelt Zentralschweiz, Bericht Luftbelastung in der Zentralschweiz 2023

NO₂ ist ein ätzendes Reizgas, welches als Nebenprodukt bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle oder Öl entsteht. In Reaktion mit Sauerstoff entsteht daraus bei Sonneneinstrahlung Ozon. Die giftigen Stoffe können zu Krankheiten in den Atemwegen und Kreislaufproblemen führen. Der Bund schätzt die entstehenden Gesundheitskosten aufgrund schlechter Luft auf jährlich sieben Milliarden Franken.

Das Ozon macht Probleme

Zunächst die gute Nachricht: Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Luftqualität in Luzern und Zug 2023 erneut verbessert. Dieser Trend besteht seit mehreren Jahren. Die Behörden verzeichnen in der ganzen Schweiz seit den 1980er-Jahren eine stete Abnahme der Luftbelastung.

Anlass zur Sorge gibt in Luzern und Zug einzig das Ozon. Dieses übersteigt bei heissem Wetter schnell das festgelegte Höchstmass. «Sämtliche Grenzwerte wurden überall deutlich und über einen längeren Zeitraum von Mai bis September überschritten», heisst es im Bericht.

Beromünster und Rigi schneiden am besten ab

In Luzern und Zug gibt es sieben grosse Messstationen für die Luftqualität. Was Feinstaub anbelangt, waren 2023 die Messstationen an der Luzerner Moosstrasse, beim Emmer Flugplatz und in der Nähe der Autobahn A2 in Reiden unrühmliche Spitzenreiter. Die Stationen bei Beromünster und auf der Rigi verzeichneten am wenigsten Mikropartikel.

An der Luzerner Moosstrasse hat es mehr als fünfmal so viel NO₂ in der Luft wie in Beromünster. Und am Zuger Postplatz atmen Besucher mehr als viermal so viel des Reizgases ein wie auf der Rigi. In Emmen, Reiden und auf dem Sedel sind die Werte indes etwa gleich, wenn auch nicht ganz so hoch wie in den beiden Städten.

Luft bei See schlechter als am Bahnhof

Nebst den grossen Stationen machten die Umweltfachstellen auch Messungen mit sogenannten Passivsammlern, welche nur den NO₂-Gehalt in der Luft wiedergeben. Solche Sammler wurden im vergangenen Jahr während jeweils vier Wochen an 47 Standorten in den Kantonen Luzern und Zug aufgestellt.

Karte der Feinstaub-Belastung in der Schweiz 2022. (Bild: Bundesamt für Umwelt)

Die Sammler zeigten: Der Luzerner Bahnhofsplatz schneidet bei der Luftqualität schlecht ab – aber nicht so schlecht wie der Chamer Bibersee in der Nähe der Autobahn A4. In Cham wurden, in Bezug auf den Kanton Zug, sowohl die höchsten als auch die tiefsten NO₂-Werte verzeichnet. Beim Bibersee und an der Luzernerstrasse waren die Werte besonders hoch, weiter hinten in der Gemeinde beim Frauental besonders tief.

Nur ein Ort im Kanton Zug konnte mit gleich guten Werten wie das Frauental brillieren: der Bahnhofsplatz Walchwil. Weniger NO₂-belastete Luft fanden die Behörden einzig in Schüpfheim im Entlebuch. In Schüpfheim massen sie knapp fünfmal weniger NO₂ als beim Chamer Bibersee.

St. Gallen besser als Luzern

An vielen der 47 Standorte zeichneten die Sammler ähnliche Werte auf. In den Städten und Gemeinden der Luzerner Agglomeration wie auch in Sempach oder Willisau und ebenso in den Zuger Gemeinden Baar, Hünenberg und Unterägeri bewegten sich die Werte alle im Mittelfeld.

Karte der Stickstoffdioxid-Belastung in der Schweiz 2022. (Bild: Bundesamt für Umwelt)

Im nationalen Vergleich schneidet Luzern ähnlich ab wie Zürich und St. Gallen. Während Zürcher 2023 beim Füllen der Lungenflügel genau dieselbe Menge Feinstaub zu sich nahmen, verleibten sich St. Gallerinnen im gleichen Atemzug leicht weniger Mikropartikel ein. In Hinblick auf NO₂ steht Luzern in beiden Direktvergleichen schlechter dar. Die Zuger Luft macht, was die Belastung mit Feinstaub und mit NO₂ anbelangt, die bessere Figur als jene aus Zürich und St. Gallen.

Lieber Luzern als Indien

Bei allem Vergleichen muss festgehalten werden: Die Unterschiede in der Luftqualität sind notabene klein. Anders sieht dies im internationalen Rahmen aus. Die Luzerner und Zuger Werte sind beispielsweise kaum mit denen der indischen Stadt Begusarai zu vergleichen. Gemäss der internationalen Plattform für Luftqualität «IQAir» war dort 2023 die Luft weltweit am schlechtesten.

Am gesündesten war das Atmen im vergangenen Jahr in der finnischen Kleinstadt Kuusamo hoch im Norden. Da bleiben sogar den Messwerten aus Luzern und Zug die Luft weg.

Verwendete Quellen
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