Krankheitsüberträger in der Schweiz

Wegen dieses Insekts sorgt sich Zug – und Luzern nicht

Die asiatische Tigermücke ist aggressiv und kann Tropenkrankheiten übertragen. Ein Insektenspray hilft. (Bild: Adobe Stock)

Die Tigermücke breitet sich aus – kürzlich schlug der Kanton Basel Alarm. Auch in der Zentralschweiz schaut man der Ausbreitung der Mücke besorgt zu – allerdings noch mit Zurückhaltung.

Sie ist aggressiv, ihr Stich tut weh und sie ist hier eigentlich gar nicht zu Hause: die Tigermücke. Der kleine Plagegeist kann Tropenkrankheiten wie das Dengue-Fieber weitergeben und breitet sich seit Jahren in der Schweiz aus. In den Halbkantonen von Basel sowie auch in Zürich wurden schon Populationen festgestellt. Basel-Stadt stellt seiner Bevölkerung ab diesem Frühling biologisches Larvizid zur Verfügung, um die weitere Verbreitung des Insekts zu bekämpfen, wie SRF kürzlich berichtete. Im Tessin ist die Mücke zum festen Gegner eines jeden Grillfests avanciert. Aber auch in den Zentralschweizer Kantonen schaut man dem Vormarsch des Insekts mit Sorge zu.

Besorgnis im Kanton Zug

So etwa in Zug. «Aufgrund der Viruserkrankungen, welche die Mücke überträgt, ist Sorge durchaus angebracht», schreibt Anna Doberer, Leiterin Abteilung Boden beim Zuger Amt für Umwelt, gegenüber zentralplus. Es sei damit zu rechnen, dass sich die Insekten zukünftig weiter ausbreiteten.

Aber, so stellt Doberer auch klar: das Zuger Amt für Umwelt konnte bis jetzt noch keine grosse Tigermückenpopulation im Kanton nachweisen. Und der eingeschleppte Lästling kommt von selbst nicht weit herum. Die Mücke ist in ihrer Ausbreitung auf den Transport von Waren oder die Reisefreudigkeit von Menschen angewiesen, wo sie als blinder Passagier mitkommt. «Zug ist im Vergleich zu anderen Orten kein typischer Reisezwischenstopp auf der Nord-Süd-Achse und das Risiko, dass sich stabile Populationen entwickeln, ist deshalb etwas kleiner als an anderen Orten», erklärt Doberer.

Ein Souvenier aus Kroatien

Genau einen bestätigten Fund hat das Zuger Amt für Umwelt im vergangenen Jahr gemacht. Das mache die kantonale Behörde wachsam, liesse die Alarmglocken aber noch nicht läuten. «Wir beobachten die Situation weiterhin, gehen aber nicht davon aus, dass es sich um eine Population handelt», schreibt Doberer zum Fall. Denn: der Mann, der den Fund meldete, kam kurz zuvor von seinen Ferien aus Kroatien zurück. «Es ist sehr naheliegend, dass diese Mücke in seinem Fahrzeug mitgereist ist», meint Doberer.

Mit ihren weissen Streifen und dem roten Hinterteil ist die Tigermücke gut zu erkennen. (Bild: Umweltberatung Luzern)

Weil es kaum Tigermücken im Kanton gibt, plant Zug auch keine Massnahmen wie etwa Basel-Stadt. Falls sich wider Erwarten doch eine Population bilden sollte, will der Kanton ähnlich vorgehen wie Zürich. Dort setzten die Behörden auf die Sensibilisierung der Bevölkerung. Sie bitten diese, offenliegende Wasserpfützen wie etwa in Blumentöpfen oder Planschbecken wöchentlich zu reinigen sowie mit Insektiziden zu behandeln, sollte es notwendig werden.

Eine Mücke nicht zu einem Elefanten machen

Wie sieht es in Luzern aus? Der Kanton und insbesondere die Stadt, sind zentral gelegen auf der Nord-Südachse und beliebt bei Touristen aus aller Welt. Da wäre es durchaus denkbar, dass die eine oder andere Mücke den Weg durch den Gotthard findet. Der Kanton beobachtet die Ausbreitung der Insekten denn auch mit Aufmerksamkeit, wie Stephanie Amrein, Fachbearbeiterin Neobiota der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern, versichert.

Die Infografik von Umwelt Zentralschweiz zeigt, wie Brutstätten für Tigermücken bekämpft werden können. (Bild: Umwelt Zentralschweiz)

Aber abgesehen von einzelnen Exemplaren entlang der Autobahn A2 konnten im Kanton noch keine Funde oder gar Populationen festgestellt werden, wie Amrein weiter ausführt. Nebst der zuständigen Dienststelle befasste sich auch schon die Luzerner Politik mit den Mücken. 2021 fragte die SVP-Kantonsrätin Jasmin Ursprung die Regierung, ob es hiesige Populationen gäbe und was für Gefahren von den Insekten ausgingen. Die Regierung verneinte und relativierte. Die Gefahren dürften nicht überbewertet werden, schrieb die Luzerner Regierung damals. «Die Asiatische Tigermücke ist vielmehr als lästig einzustufen» (zentralplus berichtete). Auch Amrein spricht nicht von Sorge oder gar Alarmbereitschaft. Sie betont, Luzern bliebe bezüglich der Mücken auf dem Laufenden und tausche sich mit den anderen Kantonen aus.

Doch, Gelassenheit hin oder her: Amrein hält ebenfalls fest, dass Luzern bereits jetzt seine Bevölkerung anhält, rund ums Haus Vorkehrungen zu treffen, damit der schwarz-weisse Blutsauger seine Larven nicht ablegen kann und sich einnistet.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Stephanie Amrein, Fachbearbeiterin Neobiota Dienststelle Landwirtschaft und Wald Kanton Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit Anna Doberer, Leiterin Abteilung Boden Amt für Umwelt Kanton Zug
  • Artikel von SRF
  • Informationsblatt Tigermücken Umwelt Zentralschweiz
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