Ein Tag im Leben einer Imkerin und Honig-Kontrolleurin

Von der Wabe bis ins Glas: Der Weg des flüssigen Goldes

Heidi Duner zeigt eine Bienenwabe. (Bild: Stefan Kämpfen)

Fast alle kennen ihn, und viele mögen ihn: Honig. Doch wieso machen ihn Bienen eigentlich? Wie wird er geerntet, und weshalb wird er kontrolliert? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, mischt sich zentralplus unter die Bienenvölker.  

Der Aufschrei war gross, als Zeitungen von «CH Media» im Juni über den «Honig-Bschiss» berichteten. Einem Imker aus dem Kanton Thurgau wird vorgeworfen, dass er Honig aus der EU importiert, ihn als Schweizer Honig verkauft und dabei 50’000 Franken ergaunert haben soll.  Grund genug, einer Imkerin und Honigkontrolleurin bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen und auch gleich eine Lanze für eine ehrlich zu Werke gehende Branche zu brechen.

Fleissig wie eine Biene

zentralplus macht Halt bei Heidi Duner, einer passionierten Imkerin aus Adligenswil, die nicht nur in ihrer Wohngemeinde, sondern auch in Meggen, Meierskappel und Udligenswil als Honig-Kontrolleurin amtet. Die quirlige Frau aus dem Luzerner Hinterland hat ihre Leidenschaft für die Bienen von ihrem Vater in die Wiege gelegt bekommen. Seit fast 13 Jahren kümmert sich die mittlerweile pensionierte Adligenswilerin um ihre Bienen und ist selbst fast die fleissigste unter ihnen.

Ein Volk aus 50’000 Bienen

Das Bienenreich von Heidi Duner befindet sich unweit von der Adligenswiler Kirche St. Martin entfernt in Richtung Dietschiberg auf einem Grashubel. Da stehen unscheinbar neben einem kleinen Strässchen sieben hölzerne Kästen, die von den Imkern Magazine genannt werden. Als wir uns diesen Magazinen nähern, schwillt das Summen immer mehr an. «Wie viele Bienen hier herumschwirren, kann ich nicht genau beziffern», sagt Heidi Duner, «aber im Sommer besteht ein Volk aus etwa 50’000 Bienen.» Bei ihr auf dem Platz können bis zu maximal sieben Bienenvölker koexistieren.

Dabei müsse man zwischen Sommer- und Winterbienen unterscheiden. «Sommerbienen leben nur etwa drei bis fünf Wochen. Die haben so einen strengen Job, die könnten gar nicht länger existieren. Aber die Bienenkönigin legt immer wieder neue Eier und sorgt damit für permanenten Nachschub.» Aus Eiern, welche die Bienenkönigin ab August lege, entstehen sogenannte Winterbienen. «Diese leben bis im Frühling, da sie weniger ausfliegen», erklärt Duner. Sie fügt an: «Sie kümmern sich vornehmlich darum, dass es ihrer Bienenkönigin gut geht. Denn ohne Königin ist das Volk zum Sterben verurteilt.»

Zuerst Innendienst, dann Flugexperten

Dass der Volksmund Bienen als fleissig bezeichnet, kommt nicht von ungefähr: Die schwarz-gelben Honigproduzentinnen verrichten im Laufe ihres Lebens vielfältige Aufgaben. «Junge Bienen werden zuerst im Innendienst eingesetzt und sind für das Putzen von Waben und der Königin verantwortlich», sagt Heidi Duner und schmunzelt.

«Es gab auch schon Sommer, in denen mir fünf bis sechs Bienenvölker bis zu 200 Kilogramm schenkten.»  

Heidi Duner, Imkerin und Honig-Kontrolleurin

«Später entwickeln sie sich dann zu Flugbienen, die zum Nektarsammeln ausfliegen, diesen in den Bienenstock zurückbringen und ihn immer wieder in andere Waben umlagern.» Diesen Vorgang nennt Duner «chätschen», denn so entsteht aus dem Saft der Blüten allmählich Frühlingshonig. Dieser werde im Monatswechsel Mai-Juni geerntet.

Von der Laus zum Honig

Aber es gebe auch noch den Sommerhonig, wie Heidi Duner erklärt. «Diesen produzieren die Bienen nicht aus Blütennektar, sondern aus dem Sekret von Läusen von Bäumen, wie etwa von Tannen und Fichten.» Der Sommerhonig sei kräftiger im Geschmack als Frühlingshonig. Ein weiterer Unterschied ist der Grad der Verfestigung. Der Frühlingshonig «kristallisiert» gemäss Duner schneller. «Das hat aber nichts mit der Qualität zu tun, sondern kommt aufgrund der verschiedenen Zuckerarten zustande.»

Honig ist zum Essen da – auch für Bienen

Aber wieso machen Bienen überhaupt Honig? Die Antwort liege ganz einfach in den Jahreszeiten und im Futterangebot, sagt Duner: «Die Bienen brauchen das ganze Jahr Futter. Im Winter finden sie keinen Nektar, zudem können sie in der kalten Jahreszeit gar nicht ausfliegen. Deshalb sammeln die Bienen im Sommer auch für den Winter Honig. Wenn man ihnen den Honig wegnimmt, brauchen sie einen Ersatz. Deshalb füttern Imker die Bienen nach der letzten Honigernte mit Zuckerwasser.» Honig werde zweimal pro Jahr geerntet, nämlich im Frühling und im Sommer, erklärt Duner. Bei der Menge gebe es erhebliche Unterschiede. «In diesem Frühling habe ich 50 Kilogramm von vier Völkern geerntet. Aber es gab auch schon Sommer, in denen mir fünf bis sechs Bienenvölker bis zu 200 Kilogramm schenkten.»  

20 bis 30 Stiche pro Jahr

Heidi Duner besitzt etwa 70 Bienenwaben. Wenn sie diese aus den Magazinen nimmt, können die Bienen aggressiv reagieren. «Mit einem Blasebalg blase ich Rauch auf die Bienen, um so einen Brand zu simulieren. Die Bienen reagieren darauf, indem sie sich beruhigen und zurückziehen.»

Heidi Duner bläst Rauch mittels eines Blasebalgs auf die Bienen, damit sie sich beruhigen und zurückziehen. (Bild: Stefan Kämpfen)

Trotzdem müsse sie pro Besuch mit etwa einem Stich rechnen. Zwischen März und September besucht sie ihre Lieblinge etwa alle sieben bis zehn Tage. Das macht über den Daumen gepeilt etwa 20 bis 30 Bienenstiche pro Jahr.

Nicht mehr als 18 Prozent Wasser

Heidi Duner ist aber nicht nur Imkerin, sondern auch Honig-Kontrolleurin. Sie kontrolliert im Namen des Imker-Vereins Honig ihrer Kollegen auf den Wassergehalt. Das macht sie mittels eines Refraktometers. «Übersteigt der Wasseranteil des Honigs die 18-Prozent-Marke, ist er weniger lang lagerfähig», erklärt Duner.

Sie ergänzt: «Bis 18 Prozent ist der Wassergehalt gut – je tiefer, desto besser. Unterhalb dieser Marke darf der Honig als Gold-Siegel verkauft werden.» Dieses Label dürfen Imkerinnen verwenden, die sich regelmässigen Kontrollen über ihre Arbeitsweise unterziehen. So ist es auch bei Duners Honig, den sie vornehmlich an Freunde, Verwandte und Bekannte verkauft.

Verkauf ohne Etikettenschwindel

Wenn ein Imker Honig verkaufen will, müssen verschiedene Informationen auf der Etikette ersichtlich sein. Dazu gehören die Honigart, der Name des Imkers, die Honigmenge, das Haltbarkeitsdatum und eine Losnummer, wie etwa das Erntedatum. Auch Heidi Duners «Honig vom Dietschiberg» erfüllt diese Auflagen. Genauso wie bei ihr gilt auch für die allermeisten anderen Schweizer Imker: «Wo Schweizer Honig draufsteht, ist auch Schweizer Honig drin.»

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Heidi Duner
  • Augenschein vor Ort
  • Website der Luzerner Imker
  • Artikel von «CH Media»
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