Nach tagelangem Regen

So voll ist der Zugersee – ein Spaziergang mit nassen Füssen

Der Zugersee hat dieser Tage etwas mehr Fläche als üblich. (Bild: naf)

zentralplus hat sich auf einem Fussmarsch von Cham nach Zug ein Bild davon gemacht, wie prekär die Hochwasserlage ist. Vor allem das Seebad Brüggli hat mit dem Pegelstand zu kämpfen.

Der Zugersee ist bis zum Anschlag gefüllt. An einigen Stellen fehlt weniger als eine Handbreit bis zur Überschwemmung. An anderen Orten stehen die Schuhe bereits im Wasser.

Die gewaltigen Niederschlagsmengen, die sich in den letzten beiden Wochen über der Zentralschweiz ergossen, führten vielerorts zu Schäden. Im Kanton Zug mussten Feuerwehren mehrere Strassen und Brücken sperren (zentralplus berichtete). Auch die Dämme entlang der Reuss gerieten unter erheblichen Druck (zentralplus berichtete).

Die geflossenen Wasser finden nun nach und nach ihren Weg in die hiesigen Seen. Ein Spaziergang von Cham bis Zug zeigt eindrücklich, wie hoch die Pegel sind.

Kieswege und Unterführungen gesperrt

Im Chamer Park Villette müssen Spaziergänger einige Umwege auf sich nehmen, um trockenen Fusses an ihr Ziel zu gelangen. Mehrere Wege stehen unter Wasser und sind gesperrt. Schilder weisen darauf hin, dass Sonnenbaden auf den Wiesen verboten ist. Doch ihre Präsenz erübrigt sich. Die Rasenflächen sind zu einem Sumpf verkommen.

Nahe am Park haben die Niederschläge zwei Unterführungen für sich beansprucht. Beim einen können Fussgänger noch mittels eines Holzsteges die Überquerung schaffen. Beim anderen hilft nur noch der Griff zur Badehose. Auch hier machen die widrigen Umstände ein Verkehrsschild überflüssig: über der einen Unterführung hängt verloren ein Fahrverbot.

Bei den Sommernachtspielen laufen die Pumpen

Betroffen vom hohen Seepegel sind auch die Sommernachtspiele, die derzeit im Chamer Hirsgarten stattfinden. Ein Augenschein zeigt, wie Wasser aus dem Gelände gepumpt wird. Erwin Grob, Mediensprecher der Spiele, bestätigt auf Anfrage, dass Wasser auf dem Gelände ist. Der Gastrobereich sei dadurch etwas eingeschränkt. Die Bühne und die Tribüne hingegen seien nicht betroffen. «Wir können unsere Aufführungen weiterhin spielen.»

Der Zivilschutz und die Feuerwehr Cham haben beim Gelände Elemente für den Hochwasserschutz aufgestellt, erklärt Felix Hegner, Kommandant der Chamer Feuerwehr. Zudem habe man einen Schacht, von dem normalerweise Wasser vom Hirsgarten in den See fliesst, abgedichtet, damit das Wasser nicht zurück auf das Gelände fliesst.

Hegner spricht von einer «angespannten Lage». Seit gut einer Woche sei der Seepegel auf konstant hohem Niveau. «Aber so schlimm wie auch schon in den vergangenen Jahren ist die Situation nicht. Ich will denn auch nicht schwarzmalen. Wir sind es uns gewohnt, dass der See auch mal über die Kante treten kann.»

Entlang der Bahngleise braucht es Gummistiefel

Das Strandbad von Cham passierend, führt der Weg entlang von ausgedehntem Marschland. Die Graslandschaft erstreckt sich bis zum See. Zwischen dem hohen Gras glitzert das Wasser. Vögel suchen eifrig nach empor geschwemmten Regenwürmern.

Leider ist die Freude am Anblick der Szenerie von kurzer Dauer. Bald darauf treffen Spaziergänger auf ein gut 100 Meter langes Wegstück, das stellenweise 20 Zentimeter unter Wasser steht. Neugierige sind mit Gummistiefeln gut beraten, denn ausweichen ist nicht möglich.

Im Seebad Brüggli ist nichts mit baden

Im Zuger Strandbad Brüggli haben Eifrige mehrere Holzstege aufgestellt. Ihr Kampf im Namen trockener Füsse war jedoch vergebens. Die meisten Holzplanken beginnen inmitten von Pfützen und enden auch in ebensolchen. Nur einige Entenküken finden daran Gefallen.

Der See sendet seine Wellen beharrlich hinein in die Rasenflächen. Die Beachvolleyball-Felder dürften, sobald besseres Wetter einsetzt, neuen Sand gebrauchen. Die zwei Netze des Brüggli stehen in Mitten von Wasserlachen.

In der Stadt fehlt nicht mehr viel

Ein Stück weiter im Hafen von Zug schaukeln die Schiffe an ihren Pfosten. Hier ist das kühle Nass noch da, wo es hingehört. Doch ein Blick auf die Einwasserungsstelle zeigt: es fehlen wenige Zentimeter, dann können die Zuger Fische auch an dieser Stelle auf Entdeckungstour.

Die Seepromenade in Richtung der Altstadt ist von Wellen überspült. Um mehrere Sitzbänke herum hat sich Treibholz angesammelt. Den Bahnhofssteg haben die Enten in Beschlag genommen. Ein Plakat der Stadt ist nur noch von weitem zu betrachten.

Die Feuerwehr hat keine Probleme

Wenig Sorgen bereitet die aktuelle Situation indes dem Stadtzuger Feuerwehrkommandanten Daniel Jauch. «Ja, der Zugersee hat einen hohen Wasserstand», sagt er. «Aber das ist kein Problem. Wir hatten deswegen noch keinen einzigen Einsatz.»

Wenn die freiwillige Feuerwehr der Stadt Zug in den vergangenen Tagen ausrücken musste, sei das beispielsweise wegen Wasser in einem Keller gewesen. Jauch spricht aber von weniger als zehn solcher Einsätze. Er erklärt, dass es in der Stadt Zug eher dann zu Problemen komme, wenn es «kurz, aber intensiv» regnet und weniger, wenn es langanhaltenden Niederschlag gibt.

Ob kurze und intensive oder langanhaltende Regenschauer – der Blick auf den Zugersee zeigt, dass jetzt dann durchaus wieder einmal die Sonne länger scheinen darf.

Verwendete Quellen
  • Augenschein vor Ort
  • Telefonat mit Erwin Grob, Mediensprecher der Chamer Sommernachtsspiele
  • Telefonat mit Felix Hegner, Kommandant der Chamer Feuerwehr
  • Telefonat mit Daniel Jauch, Kommandant der Stadtzuger Feuerwehr
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