Umwelt
Kraftwerke haben wegen Trockenheit massive Einbrüche

Luzern spart weniger Strom als der Rest der Schweiz

Das Kraftwerk Mattmark im Wallis wird von der EWL mitbetrieben. Nach Aussage des Luzerner Stromanbieters sei der See momentan gefüllt, man kämpfe aber mit Wasserknappheit aufgrund des heissen Sommers. (Bild: zvg)

Der Bundesrat gibt leichte Entwarnung - die Luzerner Netzbetreiber bleiben streng. Wir müssen weiterhin Strom sparen, denn der Winter könnte kalt werden. Zudem ernüchternde Zahlen: Luzern sparte im Oktober nur halb so viel wie der Schweizer Durchschnitt.

Diesen Winter kann man sie kaum übersehen: Infozettel zum Energiesparen. Raum- und Wassertemperatur sollen drei Grad runter, Licht sparsam verwendet werden. Die Weihnachtslämpchen bleiben am besten gleich im Keller. Auch die Stadt Luzern ersetzt dieses Jahr die Weihnachtsbeleuchtung durch Kerzen (zentralplus berichtete). Und selbst der grösste Weihnachtsbaum in Luzern wird gestrichen (zentralplus berichtete).

Andere Töne kommen aus Bern. Der Bundesrat hat Anfang Monat bekannt gegeben, dass das Risiko einer Strommangellage im Winter stark gesunken ist. Eine von ihm in Auftrag gegebene Studie zeigt: Die Stromversorgungssicherheit der Schweiz ist besser als gedacht. Müssen wir trotzdem weiter Strom sparen? Und macht eine dunkle Weihnacht in Luzern eigentlich noch Sinn?

Um die Wasserreservoirs steht es schlecht

«Unsere Wasserkraftwerke haben aufgrund der grossen Trockenheit zum Teil massive Einbrüche zu verzeichnen», sagt EWL-Sprecher Alain Brunner auf Anfrage. Das Partnerwerk in Engelberg habe nur Speichermöglichkeiten von wenigen Stunden. Das Kraftwerk Mattmark im Wallis hätte zwar einen ansehnlichen Stausee, aber auch dort gebe es Wasserknappheit.

«Verbrauchen wir jetzt zu viel, fehlt uns das Wasser im Februar.»

Marcel Schmid von der CKW

Der Bundesrat hat im Sommer beschlossen, dass die Stauseen zu einem gewissen Pegel gefüllt sein müssen, damit wir im Winter abschöpfen können. «Wenn der Pegel unter ein gewisses Durchschnittsniveau fällt, müssen wir vorsichtiger sein», so Brunner.

Deshalb sei es weiterhin wichtig Strom zu sparen. «Verbrauchen wir jetzt zu viel, fehlt uns das Wasser im Februar», bestätigt Marcel Schmid von der CKW. Heisst: Strom sparen, damit die Seen möglichst lang gefüllt bleiben.

Warum man das Wasser nicht in die Seen zurückpumpen kann

«Man muss zwischen Pumpspeicherkraftwerken und normalen Speicherkraftwerken unterscheiden», erläutert Schmid. Bei Pumpspeicherkraftwerken kann man in Spitzenzeiten Wasser ablassen und danach wieder in den Speicher pumpen.

«Speicherkraftwerke dagegen werden bis zum Herbst gefüllt und das Wasser dann über den Winter zur Stromproduktion genutzt», so der CKW-Sprecher. Regen und Schnee würden Speicherseen über die Wintermonate zwar auch speisen, das sei aber viel zu wenig.

Wirklich gefüllt werden die Seen erst wieder im Sommerhalbjahr durch die Schneeschmelze und durch Regen. In der Zentralschweiz ist der Göscheneralpsee der grösste Stausee. Die CKW sei aber noch an vielen weiteren Seen in Graubünden und im Wallis beteiligt. Für die gelte dasselbe.

Luzerner haben Strom gespart – aber nicht viel

«Wenn man den gesamten Stromverbrauch in unserer Region betrachtet, sind die Septemberzahlen noch nicht so aussergewöhnlich, aber die Oktoberzahlen sind auffällig niedrig», beobachtet EWL-Sprecher Brunner.

Insgesamt verbrauchten die Luzernerinnen im Oktober 5,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Man könne einen gewissen Spareffekt im Endverbrauch feststellen. Wie viel davon aufs Stromsparen zurückgeht, kann die EWL nicht beziffern.

Schweizweit im Oktober 13 Prozent weniger Strom verbraucht

Der niedrige Verbrauch liegt auch an externen Faktoren: «Es war im Herbst sehr warm, wir hatten kaum Heiztage im September und Oktober. Ausserdem gab es eine höhere Solarproduktion», erklärt Schmid. Die warmen Tage helfen enorm den Stromverbrauch zu reduzieren. Denn mit Einsparungen bei Wärme könne man mehr Strom reduzieren als beim Licht.

Die Läufer am SwissCityMarathon konnten sich über das tolle Herbstwetter freuen – dieses sorgte für beste Laufbedingungen.
Das warme Herbstwetter war nicht nur für die Läufer am SwissCityMarathon ein Segen. Auch Strom konnte so gespart werden. (Quelle: Tobias Lackner) (Bild: Tobias Lackner)

Trotz der positiven Bilanz ein Wermutstropfen: 6 Prozent sind deutlich weniger als im Schweizer Durchschnitt. Im Vergleich zum durchschnittlichen Verbrauch in den vergangenen 7 Jahren wurden im Oktober schweizweit 13 Prozent weniger Strom verbraucht. So berichtete es die Nachrichtenagentur AWP auf Basis von Daten des Netzbetreibers Swissgrid.

Schweiz ist im Winter abhängig vom Ausland

Dazu kommt der Faktor Ausland. Im Gegensatz zum Sommer ist die Energieversorgung in der kalten Jahreszeit stark vom Ausland abhängig: «Im Winter haben wir keinen Überschuss in der Stromproduktion. Wir sind daher auf Importe angewiesen», teilt Schmid mit. 

Damit betreffen energiepolitische Entscheidungen im Ausland auch die Versorgungssicherheit der Schweiz (zentralplus berichtete). So zum Beispiel die Entscheidung der französischen Regierung, einige Atomkraftwerke aufgrund von technischen Schwierigkeiten stillzulegen.

«Wenn es sehr kalt wird und zum Beispiel Kernkraftwerke in der Schweiz oder in Frankreich ausfallen, kann die Lage ernst werden.»

Marcel Schmid

«Eine autarke Stromversorgung wäre in der Schlussfolgerung für die Schweiz sicher besser, bei einer drohenden Mangellage», meint Brunner von der EWL. Neue Studien zeigen, dass die Schweizer Stromimporte im Winter schon seit Jahren stetig zunehmen. Und die Schweiz fortlaufend abhängiger wird.

Weihnachtsbeleuchtung auszuschalten ist ein symbolischer Akt

Die Entscheidung, dieses Jahr auf den Baum beim Luzernerhof zu verzichten, sorgte diese Woche für Wehmut. «Einen solch grossen Baum aufzustellen, ohne dass der traditionelle Lichterschmuck in der Altstadt leuchtet, könnte seltsam aufgefasst werden und würde die Symbolik der Sparappelle nicht unterstützen», erklärt die EWL den Schritt in einer offiziellen Stellungnahme.

Die Massnahme hat aber nur symbolischen Charakter. Der Stromverbrauch des Baums ist gering. Letztes Jahr verbrauchte der funkelnde LED-Baum 1'000 Kilowattstunden – das entspricht der Hälfte des durchschnittlichen Jahresverbrauchs eines einzigen Haushalts.

Im Jahr 2019 erstrahlte der Weihnachtsbaum vor dem Luzernerhof noch mit 400 Kugeln und 2'500 LED-Lichtern (zvg.) (Bild: )

Weiter Strom sparen: Entwarnung will niemand geben

Von EWL gibt es leise Zeichen der Entspannung: «Die Hausaufgaben sind gemacht», resümiert Sprecher Brunner. Trotzdem warnt er: Wenn es einen kalten Winter gibt, wird Energiesparen akut nötig. Auch von der CKW keine Entwarnung: «Wenn es sehr kalt wird und zum Beispiel Kernkraftwerke in der Schweiz oder in Frankreich ausfallen, kann die Lage ernst werden.»

Für uns bedeutet das: weiterhin Pulli anziehen und Heizung runter. Denn der Winter hat gerade erst angefangen.

Verwendete Quellen
  • Artikel von Swissinfo
  • Artikel von «HTR»
  • Factsheet von «NFP Energie»
  • Mündlicher Austausch mit Alain Brunner
  • Mündlicher Austausch mit Marcel Schmid
Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.