Luzern will Ausbreitung verhindern

Ist es zu spät für den Kampf gegen die Quagga-Muscheln?

Eine Schiffsschraube befallen von Quagga-Muscheln. (Bild: AP Photo/Utah Division of Wildlife Resources, Natalie Muth)

In vielen Schweizer Seen hat sich die invasive Quagga-Muschel schon verbreitet. Der Kanton Luzern arbeitet aktuell an Massnahmen, um die Ausbreitung zu verhindern. Doch kann die Zentralschweiz die Muschel noch aufhalten?

Im Rhein, im Genfersee, im Bodensee, im Neuenburgersee, im Bielersee, im Lac de l’Hongrin und im Murtensee konnte das Wasserforschungsinstitut Eawag die Quagga-Muschel bereits nachweisen. Die Zentralschweizer Kantone wollen die Ausbreitung der invasiven Muschel in den hiesigen Gewässern verhindern. Seit Juli 2023 gilt in den Kantonen Zug, Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden deshalb eine Bootreinigungspflicht (zentralplus berichtete).

Im Kanton Luzern gilt eine solche Regelung noch nicht. Der Kanton will die Pflicht jedoch in der Schifffahrtsverordnung verankern (zentralplus berichtete). Die Teilrevision der Verordnung war bis Mitte Januar in der Vernehmlassung.

Der Fischereiverband Luzern zeigt sich erfreut über diese Entwicklung. Laut ihm muss der Kanton aber noch weiter gehen. Die Interessengemeinschaft wolle ein Zertifikationssystem für die Bootreinigungs- und Meldepflicht sowie lizenzierte Reinigungsstellen, schreibt sie in einer Mitteilung vom Mittwoch. Der Kanton sehe aktuell aber nur eine Reinigungspflicht vor. Ergänzende Massnahmen wie die Meldepflicht seien erst noch zu prüfen, schreibt das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement (BUWD) des Kantons Luzern auf Anfrage.

Kanton Luzern sagt: Hier gibt es noch keine Quagga-Muscheln

In den Lesekommentarspalten von zentralplus erscheint regelmässig der Kommentar, Luzern sei zu spät dran. Die Quagga-Muscheln seien schon im Vierwaldstättersee. Ein Leser schreibt, er habe bei einer Seeputzete des Vierwaldstättersees im Sommer 2023 Gegenstände aus dem Wasser geborgen, die komplett mit Quagga-Muscheln bewachsen gewesen seien. Der Kanton entgegnet: Laut seinem Kenntnisstand kommt die Quagga-Muschel im Vierwaldstättersee noch nicht vor. Das gilt auch für alle anderen Seen in der Zentralschweiz.

Ein anderer Leser äusserte den Vorwurf, dass sich das Militär nicht an die Massnahmen halten würde. Ein Soldat habe nachgefragt, ob das Boot vor dem Gewässerwechsel nicht gewaschen werden müsste. Daraufhin habe er die Antwort erhalten, dass das Militär von dieser Regelung ausgeschlossen sei. Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) äusserte sich zu den Anschuldigungen. Das Militär sei in der Zentralschweiz einzig im Vierwaldstättersee mit Booten unterwegs. Diese würden zwei- bis dreimal pro Jahr trocken aus dem Lager in den Vierwaldstättersee gebracht werden. Beim Auswassern würden sie abgespritzt und wieder trocken ins Lager gebracht oder in den See eingesetzt werden.

Die Armee sei sich dem Problem bewusst und nutze bei jedem Auswassern die Abspritzvorrichtung, unabhängig davon, ob bereits eine gesetzliche Vorgabe bestünde oder nicht. Das Militär sei nirgends von der Reinigungspflicht befreit, schreibt das VBS auf Anfrage. Die Armee würde mit den zuständigen Behörden bezüglich dieser Problematik eng zusammenarbeiten.

Verstopfte Leitungen und kaputte Trinkwasserfilter drohen

Warum ist die Quagga-Muschel eigentlich so invasiv? Die kleinen Weichtiere stammen ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum. Dort haben die Muscheln viel mehr Feinde. In der Schweiz würden die Weichtiere nur von einer kleinen Zahl an Wasservögeln und Fischen gefressen, schreibt die Eawag in einem Artikel. Gleichzeitig würden sie die Fähigkeit besitzen, sich schnell fortzupflanzen und eine breite ökologische Nische einzunehmen. Vor allem in tiefen Seen sei die Quagga-Muschel dadurch eine «erfolgreiche invasive Art», schreibt die Eawag weiter.

In den Schweizer Seen, die bereits betroffen seien, könne man die Invasivität der Muscheln nicht mehr aufhalten. Man könne einzig noch die Folgen abfedern, indem man beispielsweise die Infrastruktur so gestalte, dass die Muscheln und ihre Larven nicht eindringen könnten. Der Schweizer Quagga-Muschel-Spezialist lässt sich im Artikel der Eawag wie folgt zitieren: «Gleichzeitig ist das aber auch eine Warnung für Seen, in denen die Quagga-Muschel noch nicht gefunden wurde, wie der Zürichsee und der Vierwaldstättersee: Mit geeigneten Massnahmen, zum Beispiel einer Reinigungspflicht für Boote und gezielten Informationskampagnen, könnte hier die Ausbreitung in neue Gewässer noch verhindert werden.»

Der Kanton ergänzt: Die Muscheln würden grosse Mengen an Nährstoffen aus dem Wasser filtern. Dadurch könne die komplette Nahrungskette in einem Ökosystem verändert werden. Daher müsse man mit der Verdrängung einheimischer Arten und mit Einbussen beim Fischfang rechnen. Die Quagga-Muschel bedrohe weiter unsere Infrastruktur. Sie könne an Rohren oder Filtern wachsen und dadurch Leitungen verstopfen oder Filter von Trinkwasseranlagen beschädigen.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit dem Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement (BUWD) des Kantons Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS
  • Schriftlicher Austausch mit dem Wasserforschungsinstitut Eawag
  • Artikel der Eawag zur Quagga-Muschel
  • Medienarchiv zentralplus
  • Website Umwelt Zentralschweiz zur Bootreinigungspflicht
  • Mitteilung des Fischereiverbands Kanton Luzern
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5 Kommentare
  • Profilfoto von Stéphanie
    Stéphanie, 28.01.2024, 19:18 Uhr

    Die Muscheln im Vierwaldstättersee sind wohl Wandermuscheln (auch Zebramuscheln genannt). Die sind auch gebietsfremd und invasiv. Es gibt sie schon seit einigen Jahrzehnten in der Schweiz. Sie kommen aber nicht in so grossen Wassertiefen vor wie die Quaggamuschel und sind daher für Seewasserfassungen nicht so problematisch. In der Reuss gibt es einen Taucher, der die Körbchenmuschel sammelt und kocht. Ebenfalls eine gebietsfremde Art, aber weniger invasiv als die Quaggamuschel. Die Quaggamuschel ist in Bezug auf ihre Invasivität, die Wuchskraft und ihrem Vermögen, dass sie an allen Materialien dran wachsen kann, nochmals eine andere Liga und nochmals einiges problematischer als die bisherigen eingeschleppten Muschelarten.

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    Urs, 27.01.2024, 09:48 Uhr

    Vor ca. 50 Jahren bereitete unser Vater sel. Quagga-Muscheln aus dem Zugersee als Delikatesse zu und bis heute sind die Muscheln geblieben. Ich tauche seither jeden Sommer zum Ansaugrohr unserer Seewasser-Wärmepumpe und befreie den Filter von den Muscheln. Um den Kenntnisstand des Kantons zu erweitern, empfehle ich den zuständigen Personen, Schnorchel und Taucherbrille zu montieren, um sich ein Bild davon zu machen. Den Kopf mal unter Wasser anstatt in den Sand zu stecken – Abwechslung macht das Leben süss.

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    Jerome Halter, 26.01.2024, 22:37 Uhr

    Mit invasiven Arten sind wir scheinbar überfordert.

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      Hanswurst, 27.01.2024, 09:40 Uhr

      Leider ist dies nicht die einzige Überforderung!

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    Hegard, 26.01.2024, 18:48 Uhr

    Schon komisch, vor kurzem meldete ein Koch, dass er Muscheln in der Reuss gefunden und gekocht hat. Ein Taucher meldet nach Seegrund Räumung, Quka Muscheln an vielen Gegenständen gesehen zu haben und das Amt meldet keine Qukamuschel im Vierwaldstättersee,aber jene Röhren sind verstopft! Dann glaube ich schon, dass der Kampf gegen die Muschel zu spät ist, wenn das Amt auf den Sitzen klebt wie die Muscheln.
    Aber wenn die Muscheln geniessbar sind, könnte ja ein Hobbytaucher ein lukratives Geschäft machen und effektiv gegen die Ausbreitung der Muscheln kämpfen.

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