Ein weiterer Hof musste evakuiert werden

Hänge oberhalb von Vitznau bewegen sich erheblich

Herbert Imbach, Gemeindepräsident von Vitznau, gibt Auskunft zur aktuellen Hangrutsch-Lage. (Bild: Stützpunkt Feuerwehr Küssnacht, Gemeinde Vitznau)

Vitznau ist noch nicht aus der Schusslinie – die Regenfälle der vergangenen Tage machen der Gemeinde weiter zu schaffen. Die Behörden mussten weitere Personen evakuieren, und sie beobachten die Hangbewegungen genau.

Im Verlauf der vergangenen zehn Tage kamen in Vitznau im Gebiet Hinterbergen und Gassrübi aufgrund von starken Niederschlägen rund 300’000 Kubikmeter Gestein ins Rutschen. Bauern mussten ihre Höfe verlassen (zentralplus berichtete) und es floss Gülle in den Altdorfbach (zentralplus berichtete).

«Erhebliche Bewegungen der grossen Fliessrutschungen bis zu mehreren Metern innert weniger Tage.»

Herbert Imbach, Gemeindepräsident Vitznau

Seit Sonntagabend seien rund weitere 30 Millimeter Niederschlag gefallen, sagt der Vitznauer Gemeindepräsident Herbert Imbach auf Anfrage von zentralplus. Dadurch sei es zu verstärkten Bewegungen der grossen Fliessrutschungen und zu einem erneuten Murgang auf der Westseite des Rutschgebietes gekommen. Bei der momentanen Wetterlage würden «erhebliche Bewegungen der grossen Fliessrutschungen bis zu mehreren Metern innert weniger Tage» entstehen, hält Imbach fest.

Hang wird mit Drohnen- und Helikopterflügen überwacht

Seit dem erneuten Murgang am Sonntagabend sind Bagger im Einsatz, die durch fortlaufendes Ausbaggern des Murganggerinnes der Situation entgegenwirken, heisst es in einer Mitteilung der Gemeinde. Zudem schaffe die provisorische, bergseitig installierte Entwässerung ins «Hinzitöbeli» Entlastung am Hauptrutsch. Sie sorge dafür, dass kein zusätzliches Wasser aus der «Under-Brüche» ins Rutschgebiet strömt.

Der Hangrutsch werde aufmerksam überwacht, um allfällige Veränderungen der Situation und deren Gefahrenpotenzial frühzeitig zu erkennen. Nebst Drohnen- und Helikopterflügen sorgt Personal am Boden durch Feldbegehungen für den nötigen Informationsfluss, teilt Imbach mit.

Weitere Betroffene evakuiert

Der Altdorfbach sorgt für weiteres Kopfzerbrechen. Nach der Analyse des Bachs im Gebiet «Bärgli» steht folgendes fest: «Wegen des untiefen Gerinnes wurde der Hof Bärgli vorsorglich ebenfalls evakuiert und darf bei guten Bedingungen nur tagsüber betreten werden», berichtet Imbach.

In Absprache mit dem Campingplatz Vitznau sperrten die Behörden zudem die Bereiche des Campings, die nahe am Altdorfbach liegen, vorübergehend. Es handle sich hierbei vor allem um Dauermiet- oder Fixplätze und die Eigentümer seien informiert worden, so Imbach. Die wenigen betroffenen gewöhnlichen Campinggäste seien auf dem Camping umplatziert worden. Die Behörden hätten zudem die Evakuation der übrigen Höfe verlängert, sie laufe bis mindestens Donnerstag.

Wie stark sind im Dorf lebende Vitznauer betroffen?

Doch wie geht es den Vitznauern mit der Ausnahmesituation und welche Massnahmen trifft der Gemeinderat, um die Bevölkerung zu schützen? Imbach verweist auf die Routine der Bevölkerung: «Die Bevölkerung von Vitznau kennt ähnliche Situationen aus der Vergangenheit und verfolgt die Situation natürlich aufmerksam.» Der Gemeindeführungsstab treffe sich täglich mit Betroffenen zum Informationsaustausch und gebe über die Gemeindewebsite tägliche Updates.

Sollte sich die Gefahrensituation im Dorf verschärfen, so würden allenfalls gefährdete Grundeigentümer durch die Feuerwehr der Seegemeinden über notwendige Vorsichtsmassnahmen informiert, schreibt Imbach.

Im Gebiet Hinterbergen wurden derweil weitere Überwachungsmassnahmen eingerichtet, die längerfristig eine genauere Analyse des Bewegungsverhaltens der grossen Fliessrutschung ermöglichen sollen. Im Falle einer bevorstehenden Gefahrensituation für das Dorf kann so laut Imbach eine rechtzeitige Alarmierung der Bevölkerung erfolgen.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Herbert Imbach, Gemeindepräsident Vitznau
  • Mitteilung der Gemeinde Vitznau
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