Es rutscht und bröckelt an allen Enden in Vitznau

«Es gibt keine Parzelle, die nicht in einer Gefahrenzone liegt»

Vitznaus Gemeindepräsident Herbert Imbach sorgt sich um die Sicherheit in seiner Gemeinde. (Bild: Hintergrund: Stützpunkt Feuerwehr Küssnacht; Kreis: Gemeinde Vitznau)

Der unsichere Untergrund macht der Gemeinde Vitznau weiterhin zu schaffen. Neben dem jüngsten Hangrutsch bröckelt es auch noch an ganz anderen Stellen. Der Gemeindepräsident ist in Sorge.

In Vitznau bröckelts und bröselts. In einer Medienmitteilung vom Donnerstag gibt der Gemeinderat bekannt, dass er aufgrund geologischer Gutachten eine Wegstrasse oberhalb des Dorfes per sofort gesperrt hätte. In der gleichen Mitteilung warnt die Gemeinde ihre Bevölkerung eindringlich, nicht beim alten Strandbad schwimmen zu gehen – wegen Felssturzgefahr.

Vergangenes Wochenende spitzte sich die Lage zu. Dann gab es im Gebiet Hinterbergen und Gassrübi einen grossen Hangrutsch. Mehrere Bauern mussten ihre Höfe verlassen (zentralplus berichtete). In der Nacht von Montag auf Dienstag rutschte derselbe Hang erneut. Die Masse beschädigte ein Silo, und Gülle floss in den Altdorfbach (zentralplus berichtete).

Die Lage in Vitznau wirkt prekär. Gemeindepräsident Herbert Imbach erklärt gegenüber zentralplus, was die neuen Bekanntmachungen mit den jüngsten Ereignissen zu tun hätten. Zudem gibt er Einblick in die aktuelle Lage im Dorf.

Zeitliches Zusammentreffen ist Zufall

«Die Medienmitteilung und die Erdrutsche stehen in keinem direkten Zusammenhang», sagt Imbach. Die nun veröffentlichten Entscheide seien aufgrund von Gutachten getroffen worden, deren Resultate die Gemeinde kürzlich erhalten habe. Die zeitliche Nähe zum Erdrutsch vom Samstag und Nachrutsch vom Dienstag sei zufällig. «Die Ereignisse zeigen allerdings, dass die beschlossenen Massnahmen notwendig sind», führt Imbach aus.

Eines der Gutachten betrifft die Strasse Schnuertobel. Ende vergangenes Jahr beauftragte die Gemeinde Geologen, die Passage inklusive der talseitigen Stützbauwerke und der bergseitigen Felswand unter die Lupe zu nehmen. Resultat: Selbst bei einer mit 140’000 Franken veranschlagten Sanierung wäre die Route für Wanderer und landwirtschaftliche Fahrzeuge nicht vollends sicher.

Deshalb ist die Strasse nun per sofort für jegliches Durchkommen geschlossen. Laut Medienmitteilung arbeitet die Gemeinde aber mit Hochdruck an einer Alternative. Insbesondere anliegende Bauernhöfe sind auf die Wegstrasse angewiesen.

Das alte Strandbad bleibt geschlossen

Das andere Gutachten betrifft das alte Strandbad im Süden des Dorfes. Dieses wird von Sonnenanbetern regelmässig benutzt, obwohl die Anlage nach einem Felssturz 1986 eigentlich geschlossen wurde. Seither besteht auf dem Areal die immanente Gefahr von herabfallenden Felsblöcken.

«Wir gaben das Gutachten in Auftrag, weil wir überprüfen wollten, ob sich die Gefahrensituation verändert hat», erklärt Imbach. Daraus wird allerdings nichts. Die Geologen kamen zum Schluss, dass weiterhin jederzeit und ohne Vorwarnzeit Felsstürze eintreten könnten. Die Gemeinde appelliert deshalb mit Nachdruck an die Vernunft der Bevölkerung, das alte Strandbad zu meiden.

Die Vitznauer sind bereit

Auf die unsichere geologische Lage angesprochen, sagt Imbach, dass es in Vitznau keine Parzelle gebe, die nicht irgendwo in einer Gefahrenzone liege. «Die Situation im Dorf ist insofern nicht gefährlicher als vor Wochen oder Monaten.»

«Besonders betroffene Anwohner wissen im Notfall, was zu tun ist.»

Herbert Imbach, Gemeindepräsident Vitznau

Die Feuerwehr habe für mehrere Szenarien, Abläufe und Massnahmen trainiert. «Besonders betroffene Anwohner wissen im Notfall, was zu tun ist», sagt Imbach. Während der Nacht von Montag auf Dienstag, als der Hang bei Hinterbergen nachgerutscht sei, habe es im ganzen Dorf einen Feuerwehralarm gegeben. Die Vitznauer seien eingeübt.

Die Wetterprognose macht ein mulmiges Gefühl

Gemäss Meteo Schweiz wird das Wetter auf das kommende Wochenende hin wieder schlechter. Das weiss auch Imbach. Die Feuerwehr sei immer noch in Alarmbereitschaft, sagt er. Der anstehende Regen kann das Erdreich von Neuem annässen.

«Niemand weiss, wie sich der Hang, der sich am Samstag erstmals löste, verhalten wird.»

Herbert Imbach, Gemeindepräsident Vitznau

Imbach sieht die nächsten Tage deshalb als die grosse Probe an. «Niemand weiss, wie sich der Hang, der sich am Samstag löste, verhalten wird. Die Erdmasse ist nicht stabil.»

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Herbert Imbach, Gemeindepräsident Vitznau
  • Medienmitteilung des Gemeinderats Vitznau
  • Meteo Schweiz
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