Umwelt
Antwort auf Vorstösse im Kantonsrat

Von Psychoterror bis Polemik: Der Wolf ist in Luzern

Wie gross ist die Gefahr, die vom Wolf ausgeht? Barbara Lang (SVP) und Hasan Candan (SP) sind unterschiedlicher Ansicht. (Bild: Emanuel Ammon/AURA/zvg/bic)

Der Wolf reisst auch im Kanton Luzern vermehrt Nutztiere und bewegt somit die Gemüter. Nicht weniger als drei Vorstösse haben Parlamentarier verschiedener Parteien eingereicht, zu denen der Regierungsrat nun Stellung genommen hat.

Der Wolf löst in der Schweiz grosse Emotionen aus. Auch im Kanton Luzern ist der Wolf immer mehr präsent, neulich mutmasslich auch auf Luzerner Stadtgebiet (zentralplus berichtete). Dies ruft die Politik auf den Plan. Nicht weniger als drei Vorstösse wurden kürzlich zum Wolf eingereicht, die der Regierungsrat nun beantwortet hat.

Ein Vorstoss stammt von der SVP-Kantonsrätin Barbara Lang. Sie ist Bäuerin in Hellbühl. Als Bäuerin im Tal sei sie glücklicherweise nie mit dem Wolf konfrontiert gewesen. Sie sagt aber: «Ich kann mir gut vorstellen, was das heisst für die Bauern, diesen Psychoterror auszuhalten.» Die Ungewissheit, ob sich ein Wolf herumtreibt, könne Unbehagen und Ohnmacht auslösen.

SMS-Warndienst habe sich verbessert

Damit diese Ungewissheit möglichst klein ist, hat Lang vom Kanton gefordert, dass dieser seinen SMS-Warndienst überarbeitet. Diesen Warndienst für Wölfe hat der Kanton Luzern im Jahr 2015 eingeführt, um Schaf- und Ziegenhalter vor dem Raubtier bei einer möglichen Sichtung per SMS zu warnen.

Die Kantonsrätin monierte, dass der Warndienst untauglich sei. Zu viel Zeit vergehe zwischen der mutmasslichen Sichtung des Raubtiers und der Warnmeldung. In einem Fall dauerte es gar 18 Tage von der Sichtung bis zum Versand des SMS, schreibt die Kantonsrätin im Vorstoss. Weiter forderte Lang, dass der Kanton verstärkt mit den Nachbarkantonen zusammenarbeitet.

«Ich finde nicht, dass man ein Wildtier besser behandeln muss als ein Nutztier.»

Barbara Lang, Kantonsrätin SVP

Jetzt schreibt der Regierungsrat, dass die Forderungen der Postulantin bereits erfüllt seien. So habe der Kanton den Warndienst und die Informationspolitik überprüft. Neu würden alle Risse, Nachweise und Beobachtungen über den Wolf der letzten drei Jahre auf der Website der Dienststelle Landwirtschaft aufgeführt. Am kantonalen SMS-Dienst halte der Kanton fest. Künftig werden SMS-Nachrichten aber nur noch dann versendet, wenn dadurch eine Verbesserung der Schutzmassnahmen ermöglicht wird. Heisst: Der SMS-Dienst wird wohl kaum mehr über Wolfssichtungen berichten, die über zwei Wochen her sind.

Kanton Luzern: Tierhalter dürfen sich nicht auf SMS-Dienst verlassen

Zudem schreibt die Regierung, dass sich die Bäuerinnen nicht auf den SMS-Warndienst verlassen sollen. Wölfe können überall und jederzeit auftauchen. Dies sollten mittlerweile alle Landwirte wissen, so der Kanton. Und weiter: «Herdenschutzmassnahmen sollen permanent und nicht erst nach einer Mitteilung über örtliche Wolfspräsenz getroffen werden.»

Barbara Lang bestätigt am Telefon, dass der Kanton den SMS-Warndienst seit der Einreichung des Postulats spürbar verbessert hat. Damit sei aber nur ein Teil der Forderung der Postulantin erfüllt. Die ebenfalls geforderte bessere Zusammenarbeit mit anderen Kantonen sei noch immer ungenügend. So fordert Lang, dass Bauern im Grenzgebiet auch über Wolfssichtungen der Nachbarkantone informiert werden. «Leute im Grenzgebiet dürfen nicht benachteiligt werden», so die Bäuerin.

«Die Polemik der Wolfsgegner steht in keinem Verhältnis zu den durch Wölfe angerichteten Schäden.»

Hasan Candan, Kantonsrat SP

Laut der Regierung sei ein SMS-Versand an Halterinnen ausserhalb des Kantons aus «Kapazitätsgründen» zurzeit nicht möglich. Tierhalter anderer Kantone können sich jedoch jederzeit auf der Website informieren, erklärt der Kanton.

«In allen Bereichen, in welchen Leute Probleme haben, kommen Care-Teams und Sozialarbeiter, aber hier lässt man bewusst eine Berufsgruppe mit Ängsten und Sorgen allein», beklagt sich Lang. Der Mensch stehe dem Wolf gegenüber in der Verantwortung, da dieser keine natürlichen Feinde habe. «Ich finde nicht, dass man ein Wildtier besser behandeln muss als ein Nutztier», so Lang weiter.

SP-Kantonsrat findet Diskussion zu polemisch

Dass der SMS-Warndienst noch verbesserungswürdig sei, findet auch der SP-Kantonsrat Hasan Candan. Dort hört die Einigkeit aber bereits auf. Mit drastischen Worten, die Barbara Lang wählt – sie spricht etwa von einer «Kriegserklärung vom Wolf an die Bergbauern» – kann Candan aber wenig anfangen. «Die Polemik der Wolfsgegner steht in keinem Verhältnis zu den durch Wölfe angerichteten Schäden», so der Kantonsrat in einem eigenen Vorstoss, der sich auch mit dem Raubtier befasst.

Im Gegensatz zu Lang hat er aber keine konkreten Forderungen gestellt. Er verlangte von der Regierung Zahlen zur Koexistenz von Alpwirtschaft und dem Wolf. Damit wolle er die Debatte versachlichen. «Ich habe vor einiger Zeit gemerkt, dass der Wolf auch in Luzern zum Thema werden könnte. Ich wollte, dass man in Luzern eine sachliche Debatte führen kann. Um der Polemik zuvorzukommen, habe ich den Vorstoss eingereicht.»

Candan spricht sich für mehr Herdenschutzmassnahmen mit verstärkten Zäunen und Herdenschutzhunden aus. Der SP-Kantonsrat weist darauf hin, dass heute noch wenig Herden behirtet oder von Herdenschutzhunden geschützt sind. Lediglich zwei Alpen und vier Ganzjahresbetriebe mit einer grösseren Anzahl an Schafen werden durch Schutzhunde bewacht, wie der Kanton Luzern in der Beantwortung des Vorstosses vermerkt.

Jährlich sterben mehr Tiere durch Krankheiten, als vom Wolf gerissen werden

Vom Kanton Luzern fordert Candan aber keine höheren Subventionen. «Die Finanzierung im Kanton Luzern, etwa für Herdenschutz oder Zäune, ist richtig so, wie sie jetzt ist.» Für Candan ist klar: Die Schaf- und Ziegenhalter stehen in der Pflicht, ihre Herde richtig zu schützen. Dies auch, weil die Haltung dieser Tiere durch die öffentliche Hand unterstützt wird. Wenn der Staat die Schafhaltung subventioniert, dann mache er dies, weil es «gewisse gesellschaftliche Erwartungen gibt». Dazu zähle auch der Herdenschutz.

Candan ist überzeugt: Der Wolf verursacht weniger Schäden an den Tieren als etwa durch Stürze oder Krankheiten entstehen. Der Kanton Luzern bestätigt dies in der Beantwortung des Vorstosses. Zwar gebe es keine genauen Zahlen zu diesen Todesfällen. Doch schreibt er in der Antwort: «In der Tat sterben jedoch jeden Sommer auf Schweizer Alpen ein Vielfaches mehr Schafe an natürlichen Todesursachen wie Krankheiten, Unfällen und Blitzeinschlägen als durch den Riss von Grossraubtieren.» Den besorgten Bäuerinnen hilft diese Erkenntnis wohl kaum weiter.

Verwendete Quellen
Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.
Apple Store IconGoogle Play Store Icon