Überraschung in Sempach: FDP schickt Fabian Peter ins Rennen
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Noch-Regierungsrat Robert Küng (links) gehörte zu den ersten Gratulanten von Fabian Peter. (Bild: jal)

Nur ein Kandidat für Luzerner Regierungsratswahlen Überraschung in Sempach: FDP schickt Fabian Peter ins Rennen

5 min Lesezeit 28.06.2018, 21:57 Uhr

Die Würfel sind gefallen: Die FDP hat den Inwiler Fabian Peter zu ihrem Regierungsratskandidaten erkoren. Der 41-Jährige soll den zurücktretenden Robert Küng beerben. Den Mut für ein Zweierticket brachte die FDP – entgegen dem Antrag der Geschäftsleitung – nicht auf.

Die FDP-Delegierten haben entschieden: Fabian Peter soll im März 2019 den Sitz von Regierungsrat Robert Küng verteidigen. An einer ausserordentlichen Versammlung setzte er sich bereits im zweiten Wahlgang gegen seine beiden Gegenkandidaten durch.

Der 41-jährige Inwiler macht das Rennen gegen den erfahrenen Emmer Gemeindepräsidenten Rolf Born und den Neuenkircher Kantonsrat Jim Wolanin überraschend relativ früh. Born bekam im zweiten Wahlgang 121 Stimmen, Wolanin 44 Stimmen.

Damit setzt sich bei der FDP – wie bei der Nominierung von Damian Müller als Ständeratskandidaten 2014 – erneut ein Junger gegen den Erfahrenen durch. In seinem Wahlkreis war Fabian Peter zuvor noch hinter Rolf Born als zweiter Kandidat nominiert worden.

Ein Dauerwerbespot in der Festhalle

Doch von vorne: Kurz vor 19 Uhr füllten sich die Parkplätze und der Rasen am Sempachersee schnell mit Autos. Rund 350 FDP-Delegierte aus allen Kantonsteilen waren angereist, um ihren Kandidaten zu unterstützen. Während vor der Festhalle der Duft von Würsten durch die Luft waberte und im Innern eine vierköpfige Formation rund um Ruedi Gerber Ländlermusik zum Besten gab, füllte sich der Saal nach und nach. 

Jeder der drei Kantonsräte hatte Zeit, sich vor ihnen im besten Lichte zu präsentieren – quasi in einem Live-Werbespot. Dabei kamen viele Eigenschaften zur Sprache, mit denen sich das Trio in den letzten Wochen bereits anpries: Rolf Born, der erfahrene Sachpolitiker; Fabian Peter, der bodenständige KMU-Vertreter; Jim Wolanin, der dynamische Selfmademan (zentralplus berichtete).

Die Fragen waren naturgemäss nicht all zu kritisch: Rolf Born, Moderator Florian Ulrich, Fabian Peter und Jim Wolanin (von links nach rechts).

Stellten sich vor: Rolf Born, Moderator Florian Ulrich, Fabian Peter und Jim Wolanin (von links nach rechts).

(Bild: jal)

Wie bei einem Privatsender kam nach einem kurzen Podiumsgespräch gleich wieder Reklame, als sich zahlreiche Delegierte vor dem versammelten Freisinn für ihren Favoriten aussprachen. Bereits da zeigte sich, dass keiner einsam obenaus schwingen wird, sondern alle drei Unterstützung aus unterschiedlichen Kreisen geniessen. Der erste Wahlgang bestätigte dies: Keiner erreichte das absolute Mehr. Mit 149 Stimmen am meisten auf sich vereinen konnte Fabian Peter, gefolgt von Rolf Born mit 130 und Jim Wolanin mit 73 Stimmen.

Im zweiten Wahlgang schwenkten einige von Wolanins Wählern offenbar zu Fabian Peter um, während es Rolf Born nicht gelang, zusätzliche Stimmen zu generieren. Und so stand kurz vor 22 Uhr fest: Fabian Peter wird für die FDP Ende März 2019 um einen Sitz in der Luzerner Regierung kämpfen.

«Es war für viele ein wichtiges Argument, dass gerade wir von der FDP einen KMU-Vertreter wollen.»

Fabian Peter, FDP-Regierungsratskandidat

«Es war das Ziel, im ersten Wahlgang zuvorderst zu stehen, damit ich als Favorit weiter gehen kann – und das hat sogar geklappt», sagt ein sichtlich erfreuter Fabian Peter nach der Wahl. Er sei selber sehr überrascht gewesen, dass er mehr Stimmen holte als Rolf Born. «Aber ich habe viele gute Rückmeldungen erhalten in den letzten Wochen und das hat mir Mut gemacht für heute Abend.»

Grosser Jubel in den Reihen von Fabian Peter: Der Inwiler erreichte im zweiten Wahlgang die nötigen Stimmen.

Grosser Jubel in den Reihen von Fabian Peter: Der Inwiler erreichte im zweiten Wahlgang die nötigen Stimmen.

(Bild: jal)

Seinen Erfolg führt er auf mehrere Faktoren zurück. Zum einen sei er ein Unternehmer und habe das authentisch vermittelt. «Es war für viele ein wichtiges Argument, dass gerade wir von der FDP einen KMU-Vertreter wollen.» Zum anderen habe er wohl manche mit seinem Auftritt in Sempach noch überzeugen können.

«Und vielleicht hat es halt auch eine Rolle gespielt, dass manche nicht noch einen aus der Agglomeration wollten», so Peter in Anspielung auf die Tatsache, dass drei der fünf amtierenden Regierungsräte aus der Nähe der Stadt Luzern stammen – und mit Rolf Born aus Emmen ein weiterer dazugekommen wäre. «Inwil ist zwar nahe an der Agglomeration, aber es ist eine Gemeinde an der Schnittstelle zwischen Stadt und Land.» Tatsächlich sprach sich zum Beispiel Sabine Wermelinger, Gemeindepräsidentin von Flühli, früher am Abend für Fabian Peter als Vertreter des Landes aus.

Erfreut zeigt sich Fabian Peter auch über die Tatsache, dass er als einziger FDP-Kandidat zu den Regierungsratswahlen antreten wird. Denn angesichts des Wählerpotenzials der Liberalen macht das eine Wahl von Peter sehr wahrscheinlich.

Angst davor, überheblich zu wirken

Bevor es um Namen ging, debattierten die Delegierten über Zahlen. Fährt die Partei besser mit einem oder mit zwei Kandidaten? Der Entscheid fiel am Ende überraschend deutlich: Mit 234 zu 107 Stimmen entscheiden sich die Delegierten für eine Einerkandidatur – und damit gegen den Antrag der Geschäftsleitung, die mit zwei Kandidaten an den Start gehen wollte.

«Mit Marcel Schwerzmann haben wir faktisch doch bereits einen zweiten Regierungsrat.»

Othmar Amrein, Kantonsrat

Fraktionschef Andreas Moser appellierte zuvor an den Mut der Delegierten für ein «beflügelndes» Zweierticket. «Wir wollen die zweitstärkste Partei im Kanton werden.» Das Momentum stimme und es gebe keinen Grund, als liberale Partei dem Wettstreit aus dem Weg zu gehen.

Wer tritt wieder an?

Im Kanton Luzern werden am 31. März 2019 der Kantonsrat und der Regierungsrat neu gewählt. Klar ist bereits jetzt, dass FDP-Regierungsrat Robert Küng nicht nochmals antritt. Von den vier weiteren amtierenden Regierungsräten haben Paul Winiker (SVP) und Reto Wyss (CVP) bereits ihr Interesse an einer weiteren Amtszeit angekündigt. Guido Grad (CVP) und Marcel Schwerzmann (parteilos) haben sich noch nicht entschieden.

Die SP hat im April bekanntgegeben, dass Jörg Meyer für den Regierungsrat kandidiert. Der Kantonsrat aus Adligenswil soll den 2015 verlorenen Sitz zurückerobern.

Die aktuelle Regierung im Kanton Luzern besteht aus fünf Männern – und das könnte womöglich so bleiben. Bislang hat noch keine Partei eine Frau nominiert oder ins Spiel gebracht.

Kantonsrat Othmar Amrein aus Eschenbach stellte den Antrag auf eine Einerkandidatur. «Es ist richtig, visionär zu sein. Aber es ist falsch, wenn eine Vision in eine Utopie ausartet und ins Verderben führt», begründete er. Gespräche mit Mitgliedern hätten ihm gezeigt, dass eine Zweierkandidatur als überheblich und arrogant beurteilt werde. Tatsächlich führten mehrere Delegierte ins Feld, dass der FDP rein rechnerisch kein zweiter Regierungsratssitz zustehe und sie mit einer Zweierkandidatur die Konkordanz in Frage stelle. Und: «Mit Marcel Schwerzmann haben wir faktisch doch bereits einen zweiten Regierungsrat», sagte Amrein.

Dem schlossen sich mehrere Delegierte an, die für Demut statt Übermut plädierten. Sie äusserten Zweifel, dass die Partei zu viel wolle und sich verzettle, unter ihnen der frühere Regierungsrat Max Pfister.

Ramon Bisang von den Jungfreisinnigen sprach sich vergeblich für zwei Zugpferde aus. Zwei Köpfe könnten besser mobilisieren, liessen weitere Stimmen verlauten. Die Befürworter führten zudem taktische Überlegungen ins Feld. «Was machen wir, wenn Marcel Schwerzmann nicht mehr antritt? Überlassen wir diesen Sitz kampflos den Linken?», fragte Nationalrat Peter Schilliger in die Runde. Denn bislang ist noch offen, welche der amtierenden Regierungsräte nochmals antreten (siehe Box). Doch damit vermochte er die FDP-Familie nicht zu überzeugen.

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