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Übermut oder Fankultur? Pyro-Frage spaltet die FCL-Fans
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Ob Pryos gefährlich sind oder nicht, darüber sind sich die FCL-Fans nicht einig. (Bild: fcl.fan-fotos.ch/ Dominik Stegemann )

FCL-Fans bekommen eine Stimme Übermut oder Fankultur? Pyro-Frage spaltet die FCL-Fans

5 min Lesezeit 1 Kommentar 19.09.2017, 18:23 Uhr

Die FCL-Fans durften sich erstmals zu Themen wie Sicherheit oder Stimmung im Stadion äussern. Die Ergebnisse zeigen: Die Fans sind sich vor allem in der Pyro-Frage uneins. Derweil gibt’s vom FCL-Präsidenten das Versprechen: Bald gibt’s wieder einen Fan-Treffpunkt in Stadionnähe, um auch nach dem Spiel noch verweilen zu können.

Gemeinsam ein Team zu Höchstleistungen antreiben können und mit kreativen Choreographien die Fussballherzen höherschlagen lassen. Einzelne können aber auch für Krawall, hohe Polizeikosten und negative Schlagzeilen sorgen. Die Fans sind ein nicht zu unterschätzender Faktor in der Welt des Fussballs.

Der FCL wollte nun zusammen mit der Fanarbeit Luzern wissen, wo es in den Tiefen der Fan-Seele brodelt. Denn in der politischen und medialen Diskussion zu Themen wie Sicherheit in Fussballstadien oder der Pyrofrage werden die Fans selten miteinbezogen. Unter dem Motto «Die Fans haben das Wort» wurden Stadiongänger dazu eingeladen, an einer Online-Multiple-Choice-Umfrage teilzunehmen. Ausgewertet wurden die Daten von der Universität Bern.

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Fans fühlen sich sicher

Es ist die erste grossumfängliche, repräsentative Umfrage zum Thema Fanmeinungen, wie Thomas Buchmann, Stellenleiter Fanarbeit Luzern, erklärt. Die anonymisierte Umfrage befasst sich mit Themen wie Fankultur, Stimmung in der Swissporarena, Pyrothematik, Alkoholkonsum, Wirksamkeit von Massnahmen und Sicherheit (siehe Box).

Zur Umfrage

Die Umfrage der Fanarbeit Luzern wurde 2016 lanciert. Es beteiligten sich insgesamt 1'562 Personen, davon waren rund 1'000 Personen Besitzer einer Abo-Karte und rund 650 Gelegenheitsbesucher. Rund 83 Prozent der Befragten waren Männer. Die Erkenntnisse sollen künftig in öffentliche Diskussionen rund um Fankultur einfliessen.

Die Ergebnisse zeigen: der durchschnittliche FCL-Fan geht gerne an die Spiele. Vor allem im Bereich Sicherheit: 94.4 Prozent der Besucher fühlen sich im heimischen Stadion wohlbehütet. Zwar waren rund ein Sechstel aller Umfragenteilnehmer rund um ein FCL-Spiel bereits in körperliche Auseinandersetzungen involviert – dennoch schreibt die Studie, dass die Angst vor Gewalt vor allem für Familien unbegründet ist. Es heisst in der Studie: «Es fällt auf, dass in der Öffentlichkeit ein teilweise verzerrtes Bild verankert ist.»

Bei Pyros ist man sich uneins

Der grösste Streitpunkt unter den Fans ist die Pyro-Frage. Während die jungen FCL-Anhänger dem Abbrennen von Feuerwerken gegenüber eher positiv eingestellt sind, da es für sie zur Fankultur gehört und zur guten Stimmung beiträgt, sehen es ältere Stadionbesucher eher kritisch. Hauptgrund für die Ablehnung ist die Verletzungsgefahr, die von den Feuerwerkskörpern ausgeht.

Das Abbrennen von Pyros könnte von aussen gefährlicher aussehen als es wirklich ist. Die jüngeren Fans, die eher im Stehplatzsektor (der «Pyrozone») zu finden sind, schätzen den Umgang mit Pyros als verantwortungsvoller ein als es der Rest des Stadions tut. Die Umfrage schreibt, man könne aber auch argumentieren, dass die Risikobereitschaft von Jugendlichen höher ist und dementsprechend die kritische Wahrnehmung der älteren Zuschauern berechtigt ist.

«Die Fans wollen einen Ort, um nach dem Spiel ihre Emotionen zu diskutieren.»

Philipp Studhalter, FCL-Präsident

Rechtlich gesehen ist das Abbrennen illegal. Praktiziert wird es dennoch regelmässig, ein wirksames Mittel dagegen hat bisher kein Klub gefunden. Weder einfache, repressive noch kollektive Massnahmen halfen gegen die Pyros. Die Fanarbeit schlägt in der Umfrage «Alternative Lösungsansätze» wie beispielsweise einen «Pyrosektor» vor, also einen Bereich, in dem das Abbrennen von bengalischen Feuern erlaubt wäre.

Philipp Studhalter will Fan-Treffpunkt vor 2021

Was viele FCL-Fans seit den alten Allmend-Zeiten vermissen, ist eine Fan-Beiz. Ein Treffpunkt für die Diskussionen vor und nach dem Spiel. FCL-Präsident Philipp Studhalter will auf diese Wünsche eintreten – nicht zuletzt, um noch mehr Leute für den Gang ins Stadion zu gewinnen. Er sagt: «Der zwölfte Mann ist für uns ein zentraler Faktor und eine grosse Unterstützung.»

Verwaltungsratspraesident Philipp Studhalter gab vor den Medien Auskunft.

Verwaltungsratspraesident Philipp Studhalter gab vor den Medien Auskunft.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Beim Bau des neuen Stadions habe man den Bau eines Klub-Lokals «nicht aktiv ignoriert», wie Studhalter sagt, es sei ein Kompromiss gewesen, den man aus Platzmangel eingehen musste. Doch Studhalter macht klar, der Stadionbesuch muss einen Mehrwert bieten, sonst können sich die Leute das Spiel auch am TV anschauen. «Die Fans wollen einen Ort, um sich vor dem Spiel einzustimmen – aber noch viel wichtiger nach dem Spiel ihre Emotionen zu diskutieren, miteinander zu philosophieren.»

Einen Zeithorizont für einen neuen Fan-Treffpunkt gibt es auch. «Sicher bis 2021 müssen wir das umgesetzt haben», verspricht Studhalter. Dies geschieht im Rahmen der Vision 2021. «Was wir auch machen können, sind provisorische Lösungen anbieten», sagt der Präsident, noch gibt es aber kein konkretes Projekt.

Zone 5 sorgt für mehr Sicherheit

Heute ist der Fan-Treffpunkt die Zone 5 – dort sind aber vorrangig die Stehrampen-Fans, sprich die eher jungen, aktiven Stammfans des FCL. Um das Lokal sind alle froh, sowohl Fanarbeit und Klub sowie die Sicherheitsverantwortlichen.

«Ein verhältnismässiger Einsatz von repressiven Massnahmen wird von Stadionbesuchern unterstützt.»

Thomas Buchmann, Stellenleiter Fanarbeit

Bernhard Aregger, Kommandant vom Ordnungsdienst der Luzerner Polizei, sagt: «Wir haben grosses Interesse, wie diese Entwicklung eines neuen Fan-Treffpunktes weitergeht.» Die Zone 5 sei für die Sicherheitskräfte wichtig, da man dadurch Kenntnis vom Aufenthaltsort der Fans habe. Wären sie dezentral verteilt, so wäre eine Kontrolle viel schwieriger. Dennoch: «Der Standort im Ballungszentrum Bundesplatz, wo die Fanrouten vorbeiführen, ist nicht optimal.» Ein neues Zentrum näher am Stadion wäre auch aus Sicherheitsgründen zu begrüssen, so Aregger.

Die Gratwanderung aus Repression und Prävention

Zur Verbesserung der Sicherheit wurde in den letzten Jahren auch sonst viel unternommen. Doch der Ruf nach repressiven Massnahmen wird rund um Fussballspiele immer wieder laut. Auch dazu wurden die Anhänger befragt. Über die Hälfte der Fans empfinden Massnahmen wie höhere Polizeipräsenz im und ums Stadion oder Spielabbruch wegen Pyros im Stadion als kontraproduktiv.

Die Fanarbeit zieht für sich daraus die Schlüsse, dass die Prävention das richtige Mittel ist und fühlt sich in ihrem eingeschlagenen Weg bestätigt. Der Dialog mit den Fans ist demnach ein wichtiges und effektives Mittel zur Vorbeugung von Gewalt.

Fanarbeiter Thomas Buchmann spricht zu den Medien.

Fanarbeiter Thomas Buchmann spricht zu den Medien.

(Bild: pze)

Dennoch kommt die Umfrage zum Ergebnis: Ganz ohne Repression geht es nicht. Vor allem Sicherheitskameras sind ein wirksames Mittel gegen Fangewalt. «Ein verhältnismässiger Einsatz von repressiven Massnahmen wird von Stadionbesuchern unterstützt», sagt Thomas Buchmann.

Der Fanarbeiter ist froh um die Daten, da sie ihm hilfreiche Erkenntnisse liefern. «Vorerst beziehen wir uns auf diese Ergebnisse. Es ist ein grosser Aufwand, den wir sicher nicht in den nächsten zwei oder drei Jahren erneut wiederholen werden.» Künftig sei aber eine Neuauflage der Studie möglich.

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1 Kommentare
  1. Paul Huber, 26.09.2017, 21:11 Uhr

    94.4 Prozent der Besucher fühlen sicher, also wieso das ganze Tam-Tam? Pyros richten fast nie einen Schaden an – sorgen aber für tolle Stimmung.