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Über Liebe, «Good Lord» und die Welt
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Philipp Fankhauser überzeugte, trotz leichter Erkältung im Rachen. (Bild: Marc Wermelinger)

Philipp Fankhauser in der Chollerhalle Über Liebe, «Good Lord» und die Welt

3 min Lesezeit 01.10.2016, 14:45 Uhr

Den Blues verbindet man normalerweise mit Schmerz, Kummer und Melancholie. Philipp Fankhauser, Margie Evans und ihre sechs Instrumentalisten schafften es allerdings trotzdem, dem Chollerhallen-Saal zwischendurch ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Ein atmosphärischer Abend mit einem leicht angeschlagenen Philipp Fankhauser.

Die Stühle im Saal der Chollerhalle waren alle besetzt und auch auf dem Balkon war kein Platz mehr frei, als Philipp Fankhauser und Band auf der Bühne Platz nahmen. Zwei akustische Gitarren, ein Bass, ein Schlagzeug und zwei Pianos, bedient von einem Pianisten. Die Bläser mussten sich noch ein bisschen gedulden, bis sie auf die Bühne durften. Nach dem ersten Song begrüsste Philipp Fankhauser das Publikum und erklärte auch sogleich, dass er vor ein paar Tagen noch so erkältet gewesen sei, dass er so gut wie keine Stimme mehr gehabt hätte. Glücklicherweise hätte sich das ein bisschen gelegt und ein leichter Schnupfen sei alles, was davon geblieben ist.

Eine Stimme, die auch ohne Erkältung kratzig sein muss

Tatsächlich. Hätte er nichts davon erwähnt, wären wohl die kleinen Huster hin und wieder das einzige Indiz für eine Erkältung geblieben. Denn am Gesang gab es nichts zu meckern. Tief, kratzig und gefühlvoll. So wie es sich für einen Bluesmusiker gehört. Als dann noch Trompete und Saxophon dazukamen, fühlte man sich wie in einem verrauchten, kleinen Club und vergass hin und wieder die restlichen paar Hundert Leute im Saal.

«Der Gospel machte sich auch immer wieder mit einem ‹Good Lord› bemerkbar, das passender nicht hätte sein können.»

Kurz vor einer halbstündigen Pause kam Margie Evans auf die Bühne. Die 76-Jährige war vielleicht ein bisschen wacklig auf den Beinen, die Stimmbänder jedoch waren noch immer in Bestform. Sie verkörperte die Auflockerung, die das Konzert langsam mal brauchte. Immerzu lachend – ein unglaublich ansteckendes Lachen – war sie ein kleines Bündel von Lebensfreude.

Zwischen den Lachern, die sie auch während der Lieder nicht zurückhalten konnte, zeigte sich ihre langjährige Gesangserfahrung, die ihren Anfang im Gospel genommen hatte. Der Gospel machte sich auch immer wieder mit einem «Good Lord» bemerkbar, das passender nicht hätte sein können. Nachdem Margie Evans und Philipp Fankhauser sich gegenseitig mit Komplimenten überschüttet hatten, half er ihr von der Bühne und das Publikum verbrachte eine halbe Stunde mit dem Verdauen der ersten Hälfte des Konzerts und dem Bestellen von Getränken.

Margie Evans Gospel machte sich immer wieder mit einem «Good Lord» bemerkbar, das passender nicht hätte sein können.

Margie Evans Gospel machte sich immer wieder mit einem «Good Lord» bemerkbar, das passender nicht hätte sein können.

(Bild: Marc Wermelinger)

Evans Stimme fehlt

Die Musiker setzten sich danach wieder hin, die Mikrophone wurden gerichtet und die Instrumente wurden in die Hand genommen. Das Einzige, was sich geändert hatte, war das Kleid von Margie Evans, das nun ein bisschen an einen Ministranten erinnerte. Musikalisch blieb es selbstverständlich auch weiterhin bluesig und auch weiterhin von hoher Qualität. Nach drei Liedern ging dann Margie Evans von der Bühne, um die, wie sie von ihr genannt wurden, «jungen Männer» ohne sie weiter spielen zu lassen. Gesagt, getan, allerdings liess ihre Abwesenheit das Ganze ein weniger flacher klingen. Es fehlte das Stimmvolumen dieser aussergewöhnlichen Sängerin.

Als dann das letzte offizielle Lied gespielt war, begaben sich die Musiker von der Bühne, um auf den Zugabe-Applaus zu warten. Der kam natürlich prompt und vor der eigentlichen Zugabe durfte Margie Evans noch einen ihr am Herzen liegenden Gospelsong singen. Nur begleitet vom Piano sang sie voller Gefühl dem Chollerhallen-Publikum ihr Lied und erntete den grössten Beifall des ganzen Abends.

Es war bluesig, es war gefühlvoll, es hatte Liebe, Gott und die Welt (mehrheitlich Amerika) dabei. Ein gelungener Abend in intimer Atmosphäre und mit Songs, die das Publikum mit einem warmen Gefühl nach Hause gehen liessen.

 

Margie Evans: Oder wenn man den Gospel in den Blues mitnimmt

Margie Evans: Oder wenn man den Gospel in den Blues mitnimmt

(Bild: Marc Wermelinger)

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