Über 500’000 Fotos und noch immer nicht genug
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Die beiden Fotografen Emanuel und Gabriel Ammon (v.l.) dokumentieren das Geschehen in und um Luzern. (Bild: azi)

Luzerner Fotografen-Dynastie öffnet ihr Archiv Über 500’000 Fotos und noch immer nicht genug

6 min Lesezeit 22.02.2016, 12:30 Uhr

Als Presse- und Dokumentarfotograf hat Emanuel Ammon das Geschehen in und um Luzern über Jahrzehnte hinweg festgehalten – über eine halbe Million Fotos befinden sich in seinem Archiv. Nun führt sein Sohn die Familientradition fort. Im Interview erklären die beiden, was gute Bilder ausmacht. Und warum ein moderner Fotograf fliegen können sollte.

Der Familie Ammon hat die Fotografie im Blut: Mit Peter und Emanuel Ammon haben sich bereits zwei Generationen dem Metier verschrieben – und das ein Leben lang. So erstaunt es nicht, dass auch der 65-jährige Emanuel Ammon seine Kamera trotz seiner Pensionierung nicht beiseitelegen kann, obwohl seine Nachfolge bereits geregelt ist. Sein Sohn Gabriel führt die von ihm gegründete Fotoagentur «Aura» – und somit eine Familientradition – weiter.

Obwohl sich die Ansprüche an ihre Arbeit im Laufe der Zeit stark verändert haben und letztlich jeder von ihnen seinen eigenen Weg gehen musste, um in diesem harten Business bestehen zu können, verbindet Vater und Sohn eine grosse Gemeinsamkeit: die Liebe zu Luzern. Diese schlägt sich auch im Bildarchiv der Fotoagentur an der Maihofstrasse nieder. Unzählige Aktenschränke beinhalten über eine halbe Million Dias. Mittendrin steht Emanuel Ammon mit einer Lupe. Nun habe er endlich Zeit, das Bildmaterial zu sichten und zu sortieren, sagt er. Rund 100’000 seiner Bilder hat er bereits verarbeitet und auf seiner Plattform «Luzern im Bild» zugänglich gemacht.

«Gerade heute, wo jeder fotografiert, muss man sich schon richtig anstrengen.»
Gabriel Ammon, Fotograf 

Verlosung und und Leseraktion

Wir verlosen 2 x 1 Buch «Luzern Panorama» von Emanuel und Gabriel Ammon. Schreiben Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff «Luzern Panorama» und Ihren Kontaktdaten bis am Donnerstag, 25. Februar 2016, 12 Uhr, an verlag@zentralplus.ch. Die Gewinner werden ausgelost und per E-Mail informiert. Teilnahmeberechtigt sind alle Community-Mitglieder von zentral+. Mit Ihrer Teilnahme erklären Sie sich einverstanden mit unseren AGB.

Wer nicht auf gut Glück hoffen will, kann eine Ausgabe zum Sonderpreis für 60 anstatt 75 Franken (inkl. Porto innerhalb der Schweiz) per Mail an info@aura.ch bestellen. Einfach Codewort «zentral+» angeben und profitieren!

Nachdem er seine besten Fotografien aus den 1970er-Jahren bereits in einem Bildband veröffentlichte, befindet er sich nun in den 80er-Jahren. «Es gibt viel zu tun», sagt er, während er uns durch das Archiv führt, «hier drinnen befindet sich nicht nur mein Lebenswerk, sondern auch ein Teil der Geschichte Luzerns.» Als Pressefotograf beim «Luzerner Tagblatt» und durch seine vielfältigen Arbeiten als freier Dokumentarfotograf hat er das Geschehen in und um Luzern über Jahrzehnte hinweg festgehalten. 

Ein neuer Blick auf das Alltägliche

Doch so schön Luzern sein mag – hat man als Fotograf nicht irgendwann genug von den altbekannten Motiven, die man auf jeder Postkarte findet? Immerhin ist Luzern nicht sonderlich gross und die Möglichkeiten nicht unerschöpflich. «Das hat seine Vor- und Nachteile», erklärt Ammon. Wenn man jeden Winkel der Stadt kenne, mache dies zunächst vieles einfacher. «Man braucht nicht mehr stundenlang nach Bildern zu suchen, sondern sie kommen quasi von selbst zu mir.»  

Auf der anderen Seite brauche man jedoch eine gesunde Distanz zu den Dingen. Sich diese zu bewahren, sei nicht immer einfach. «Man muss bereit sein, die Dinge immer wieder anders zu sehen.» Einen anderen Blickwinkel zur Betrachtung des Alltäglichen und neue Details zu finden und diese richtig in Szene zu setzen, das sei das, was er immer wieder probiere. Und es sei auch das, was er seinem Sohn Gabriel mitgeben will.

Die Kapellbrücke vom Reusssteg aus fotografiert. (Bild: Gabriel Ammon/AURA)

Die Kapellbrücke vom Reusssteg aus fotografiert. (Bild: Gabriel Ammon/AURA)

Fotografieren, filmen und fliegen

Gabriel Ammon führt nun gemeinsam mit Natalie Boo (siehe Box) die Agentur seines Vaters – und das in einer Zeit, in der es für Berufsfotografen nicht gerade einfach ist. Das Metier sei schon härter geworden, erzählt der 36-Jährige. «Gerade heute, wo jeder fotografiert, muss man sich schon richtig anstrengen.» Dazu gehöre es auch, die neusten Entwicklungen nicht zu verpassen, fachlich à jour zu sein und laufend in die Ausrüstung zu investieren. Deshalb wird bei «Aura» längst nicht mehr «nur» fotografiert, es wird auch gefilmt und gar geflogen – und zwar mit einer Drohne im Wert von über 25’000 Franken. 

«Man muss bereit sein, die Dinge immer wieder anders zu sehen.»
Emanuel Ammon, Fotograf 

Um die neuen technischen Möglichkeiten auszuloten und neue Perspektiven auf das mehr oder weniger altbekannte Luzern einzunehmen, haben Emanuel und Gabriel Ammon gemeinsam ein Buch herausgegeben. «Luzern Panorama» ist bereits das zehnte Werk von Emanuel Ammon – jedoch das erste, das er gemeinsam mit seinem Sohn ausgearbeitet hat (siehe Bildergalerie und Verlosung). Was macht das Buch zu etwas Besonderem? «Es sind einfach grossartige Bilder», lacht Gabriel Ammon. Und man habe viel aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, ergänzt Emanuel Ammon.

Es muss fesseln und stoppen

Und was macht gute Fotografien aus? «Dass sie fesseln und stoppen, dass man für einen Moment innehält, weil man etwas sieht, das man so nicht erwartet hat», da sind sich Vater und Sohn einig. Nach Beispielen zur Veranschaulichung gefragt, beginnen die beiden im Buch zu blättern, beginnen mit Fachsimpelei und diskutieren, welche nun ihrer Meinung nach die besten Bilder darin sind. Gar nicht so einfach, sich festzulegen, auch darin sind sich die beiden Ammons einig.

Welches ist ihr Lieblingsbild? Sich zu entscheiden fällt den beiden gar nicht so einfach.

Welches ist ihr Lieblingsbild? Sich zu entscheiden fällt den beiden gar nicht so einfach.

(Bild: azi)

Nach langem Hin und Her ist die Entscheidung jedoch gefallen – jeder der beiden hat sein Lieblingsbild gefunden. Emanuel Ammon hat sich für den Bundesplatz aus der Vogelperspektive entschieden. «Es ist die Kunst der Strassenmaler, die mich daran fasziniert», erklärt er. Und es habe Stunden gedauert, bis er ein so harmonisches Bild hinbekommen habe.

Der Bundesplatz scheint aus der Vogelperspektive oval. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Der Bundesplatz scheint aus der Vogelperspektive oval. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Gabriel Ammon hingegen fällt es etwas schwerer, sich festzulegen – er entscheidet sich letztlich für einen Chor im KKL mit seinem Dirigenten. «Wie sie sich gegenseitig voreinander verneigen, strahlt für mich eine grosse Kraft aus», meint er. Das Foto sei quasi ein Glückstreffer gewesen, denn was für einen Moment er da eingefangen habe, das sei ihm erst zu Hause am Bildschirm aufgefallen. «Trotz aller Fachkenntnisse – etwas Glück gehört immer dazu», schmunzelt er.

Ein Chor verneigt sich im Kunst- und Kongresshaus Luzern. (Bild: Gabriel Ammon/AURA)

Ein Chor verneigt sich im Kunst- und Kongresshaus Luzern. (Bild: Gabriel Ammon/AURA)

Gabriel Ammon blickt positiv in die Zukunft. «Ich glaube, dass es für mich einfacher sein wird als für meinen Vater», meint er. Die Nachfrage nach professioneller Fotografie sei da und mit seiner Spezialisierung auf Architekturaufnahmen eröffne dies zusätzliche Möglichkeiten. Nicht zuletzt kann er nach wie vor auf die Unterstützung seines Vaters zählen.

«Dass die Bilder wahrscheinlich in New York zu sehen sein werden, bevor sie in Luzern ausgestellt wurden, das wurmt uns.»
Emanuel und Gabriel Ammon 

Wäre es nach dem Willen von Peter Ammon gegangen, dann wäre Emanuel Ammon nämlich gar nicht Fotograf geworden. «Er wollte nicht, dass ich mich genauso durchkämpfen muss wie er damals», erzählt der 65-Jährige. Der Erfolg von Peter Ammon hat sich erst spät eingestellt – mit seiner Fotodokumentation «Schweizer Bergleben um 1950» hat er sich einen Namen gemacht.

Seit 2006 ist die Dokumentation in verschiedensten Ausstellungen in der ganzen Schweiz zu sehen. Noch bis 2017 seien die Bilder unterwegs, danach gehe es ins Ausland. «Dass die Bilder wahrscheinlich in New York zu sehen sein werden, bevor sie in Luzern ausgestellt wurden, das wurmt uns», meinen die beiden.

Gabriel Ammon und Natalie Boo an der Fotowerkschau 2016

«Planeten» heisst das Projekt, das Gabriel Ammon diesen Sommer gestartet hat. Durch die spezielle Aufnahmetechnik mit einer Drohne und die digitale Verarbeitung erschaffe er neue Planeten. Diese können je nach Standort eine heile Welt, einen Planeten aus Wasser, endlose Häuserschluchten oder vieles mehr darstellen. «Die Bilder sollen zum Nachdenken anregen und eine andere Sicht auf unseren eigenen Planeten zeigen», so Ammon.

Die Fotowerkschau wird von der Stiftung Fotodokumentation Kanton Luzern organisiert und findet vom 19. Februar bis 5. März 2016 in der Kornschütte Luzern statt. Neben Gabriel Ammon stellt auch Natalie Boo ihre Bilder aus. Öffnungszeiten und nähere Informationen zu den verschiedenen Ausstellern der Fotowerkschau 2016 finden Sie hier.

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Mehr Eindrücke von Luzern aus «Luzern Panorama» finden Sie hier in unserer Bildergalerie:

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