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TV-Verträge sind für Spitzen Leichtathletik Luzern Fluch und Segen
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Auch das Aushängeschild der Schweizer Leichtathletik, Mujinga Kambundji (mit der Nummer 5), wird dieses Jahr wieder am Start sein, wenn Spitzen Leichtathletik Luzern in neu 91 Länder ausgestrahlt wird. (Bild: Spitzen Leichtathletik Luzern)

91 Länder blicken heute nach Luzern TV-Verträge sind für Spitzen Leichtathletik Luzern Fluch und Segen

5 min Lesezeit 11.07.2017, 11:55 Uhr

«Spitzen Leichtathletik Luzern» kann heute zwar nicht mit den ganz grossen Namen locken, doch Aufmerksamkeit ist dem Meeting aus einem anderen Grund gewiss: Die Veranstalter haben langfristige TV-Verträge mit Eurosport und Teleclub ausgehandelt. Diese versprechen finanzielles Wachstum – sind aber noch aus einem anderen Grund eminent wichtig für den Luzerner Anlass.

Am Dienstag ist es wieder so weit: Auf der Luzerner Allmend läuft die Crème de la Crème der Schweizer Leichtathletikszene auf. Doch nicht nur Kariem Hussein, Mujinga Kambundji oder das Luzerner Nachwuchstalent Géraldine Ruckstuhl sind dabei, wenn Spitzen Leichtathletik Luzern ruft. Ans drittgrösste Meeting der Schweiz kommen auch internationale Stars wie der deutsche Olympiasieger im Speerwurf, Thomas Röhler, oder die zurzeit schnellste Hürdensprinterin der Welt, Kendra Harrison aus den USA.

Schaut Usain Bolt aus Jamaika zu?

Doch dieses Jahr ist den Organisatoren ein Durchbruch der anderen Art gelungen: Zum ersten Mal in der Meetinggeschichte konnten mehrjährige Verträge mit TV-Stationen ausgehandelt werden. Eurosport hat einen Fünfjahresvertrag unterschrieben und Teleclub hat sich die Übertragungsrechte für drei Jahre gesichert. Gerade Eurosport ermöglicht es dem Luzerner Meeting, sich in der ganzen Welt zu präsentieren: In 91 Ländern könne man das Luzerner Leichtathletikprodukt künftig im Fernsehen verfolgen. Darunter auch in der Leichtathletiknation Jamaika. Wer weiss, vielleicht schaut sogar Superstar Usain Bolt zu, wenn in Luzern Rekorde angegriffen werden?

Stephan Zopfi, GL-Mitglied von Spitzen Leichtathletik Luzern, seit 31 Jahren Chef Ressort Medien.

Stephan Zopfi, GL-Mitglied von Spitzen Leichtathletik Luzern, seit 31 Jahren Chef Ressort Medien.

(Bild: zVg)

Nebst Eurosport – einem Unternehmen der amerikanischen Discovery-Gruppe – habe keine andere international tätige TV-Anstalt ihr Interesse an einer langfristigen Zusammenarbeit angemeldet, sagt Stephan Zopfi, Kommunikationsverantwortlicher der Leichtathletikmeetings. «In der Schweiz waren aber mehrere kleine private Sender interessiert.» Teleclub habe am Schluss den Zuschlag erhalten, weil der Sender mit dem Free-TV-Angebot, wo das Meeting gezeigt werde, gute Perspektiven biete. «SRF hingegen hat von Teleclub die Rechte für die Highlights gekauft», so Zopfi.

Verträge kosten das Meeting Geld

Wie viel Teleclub für die Rechte am Meeting bezahlt hat, will man von Seiten der TV-Station nicht sagen. «Über die Höhe der Rechtekosten haben die Parteien Stillschweigen vereinbart», sagt Marco Lüthi, Programmpromotion und -kommunikation. Auch ob die Verträge länger als drei Jahre dauern, ist derzeit noch offen: «Wir schliessen eine Erneuerung nach drei Jahren nicht grundsätzlich aus, es ist aber zum heutigen Zeitpunkt verfrüht, darüber zu spekulieren.» Die Beantwortung dieser Frage hänge auch stark von der Resonanz ab, welche die Berichterstattung über den Anlass beim Publikum haben werde, so Lüthi.

«Viel grösser, aber nicht abschätzbar sind die positiven Folgen, welche solche Verträge für das Sponsoring haben könnten.»
Stephan Zopfi, Kommunikationsverantwortlicher Spitzen Leichtathletik Luzern

Auch Spitzen Leichtathletik Luzern will keine konkreten Zahlen nennen, wie viel für die Verträge bezahlt wurde, sagt aber: «Es ist insgesamt – mit sogenannten Naturalleistungen wie Trailer-Werbung für die Veranstaltung – ein Betrag im fünfstelligen Bereich.» Die TV-Produktion werde aber von Spitzen Leichtathletik Luzern bezahlt, sagt Zopfi. Auch diese Kosten bewegten sich in einem mittleren fünfstelligen Bereich. Das ist – gemessen am Gesamtbudget von 750’000 Franken – kein riesiger Brocken, aber doch eine Investition.

Bald schon mehr Budget für Spitzen Leichtathletik?

«Viel grösser, aber nicht abschätzbar sind die positiven Folgen, welche solche Verträge für das Sponsoring haben könnten. Ohne TV-Präsenz wären einige Sponsoren nicht dabei», so der Luzerner. Keine TV-Ausstrahlung würde also auch bedeuten, dass weniger Sponsoren an Spitzen Leichtathletik interessiert wären und so das Geld für Sportler-Gagen fehlen würde. Gleichzeitig wollen die TV-Stationen eine positive Entwicklung der Zuschauerzahlen.

Die letzten Jahre habe sich die TV-Zuschauerzahl im zweistelligen Millionenbereich bewegt, teilt das Meeting-OK mit. Diese Zahl könnte sich jetzt steigern. Zwar müsse man die weitere Entwicklung abwarten, aber man hoffe, dass man dank steigenden Zuschauerzahlen schon bald Mehreinnahmen durch das Sponsoring generieren könne. «Mit den neuen Verträgen wird Spitzen Leichtathletik Luzern für potenzielle Sponsoren sicher noch attraktiver», sagt Stephan Zopfi. Dies bringe auch Druck mit sich: «Es braucht Konstanz in der Organisation.» Dies sei für ein kleines und ehrenamtlich arbeitendes Team eine Herausforderung.

Wachstum ist nötig

Dass das Meeting mit den neuen TV-Verträgen wachsen will und muss, ist auch in Bezug auf das Budget notwendig. Die Gagen der Topstars in der Leichtathletik seien zwar nicht vergleichbar mit solchen, wie sie Fussballer kennen. «Gerade im internationalen Rahmen passiert aber gerade sehr viel», sagt Zopfi. So hätte beispielsweise in Nigeria am selben Abend wie in Luzern auch ein Meeting stattfinden sollen. «Den Managern und Athleten wurden Traumgagen versprochen – in einem von bürgerkriegsähnlichen Zuständen geprägten Land, notabene.»

«Ein zweitklassiger Athlet hätte in Nigeria beispielsweise 25’000 Dollar Startgeld bekommen.»
Stephan Zopfi

Letzte Woche nun sei die Veranstaltung in Lagos ohne die Nennung von Gründen abgesagt worden. Als Luzern in Verhandlung mit Athleten trat, die in Nigeria hätten starten wollen, habe man sich über deren Gehaltsvorstellungen gewundert.

Topstars trainieren und logieren in Luzern

Dass Luzern auch ohne grosse Gagen immer wieder Weltmeister, Rekordhalter und Olympiasieger anlockt, habe mit organisatorischen Gründen zu tun. «Wir bieten ein ansprechendes Gesamtpaket», sagt Stephan Zopfi. Flüge, Aufenthalt und Trainingsmöglichkeiten in Luzern würden den Athleten zur Verfügung gestellt. So kommt es auch immer wieder vor, dass absolute Topstars über längere Zeit in Luzern trainieren. Letztes Jahr vor den Olympiade sei der spätere Zehnkampf-Olympiasieger von Rio, Ashton Eaton, zusammen mit seiner Frau, Brianne Theisen-Eaton (spätere Bronzemedaillengewinnerin in Rio im Siebenkampf), in Luzern im Trainingslager gewesen. Auch Asafa Powell habe schon länger in Luzern trainiert. Wer dieses Jahr in Luzern weilt, will Zopfi aber nicht sagen. «Die Athleten schätzen die Anonymität.»

«Ein zweitklassiger Athlet hätte in Nigeria beispielsweise 25’000 Dollar Startgeld bekommen. Das können wir natürlich nicht bieten.» Wird diese Entwicklung zum Standard in der Szene, wird die Luft für kleine Meetings dünn.

Kritik an Multis

Dementsprechend scharf kritisiert Zopfi das Vorgehen von multinationalen Konzernen, die in Ländern viel Geld in den Spitzensport pumpen, in denen Leute hungern würden, Korruption den Alltag bestimme und kriegsähnliche Zustände herrschten: «Nur um sich so im Fernsehen vor einem breiten Publikum sichtbar zu machen.» Die internationalen Verbände müssten griffigere Regeln schaffen, um die offiziellen Veranstalter zu schützen, und eine Bandbreite für Startgelder definieren, fordert der Luzerner daher. «Überrissene Gagen machen auch den Markt kaputt.» Aber Geld regiere bekanntlich die Welt.

Trotz sich veränderndem Markt und steigenden Forderungen gelingt es dem Meeting immer wieder, Stars nach Luzern zu holen (siehe Box). Dieses Jahr fehlen zwar trotz hochkarätiger Besetzung die ganz grossen und klingenden Namen wie Asafa Powell oder Yohan Blake, die andere Jahre lockten. Doch könnte dies nächstes Jahr mit einem anderen Budget wieder anders aussehen.

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