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Trotz Wegfall des Tanzverbotes – in Luzern herrscht Partyflaute
  • Gesellschaft
Obwohl das Tanzverbot 2009 aufgehoben wurde, bleiben viele Clublokale über Ostern geschlossen. (Bild: Vegas Dance Club)

Mehrzahl der Luzerner Lokale bleibt geschlossen Trotz Wegfall des Tanzverbotes – in Luzern herrscht Partyflaute

4 min Lesezeit 29.03.2018, 13:20 Uhr

An Ostern das Tanzbein schwingen? Das scheint in Luzern kaum möglich. Obwohl das Tanzverbot schon 2009 aufgehoben wurde, bleiben die Lokale mehrheitlich geschlossen. Die Schuld trägt die Politik, sagen Veranstalter – und beklagen die Abwanderung der Einnahmen in andere Kantone.

Während sich einige während den Ostertagen entspannen, zieht es andere in Tanzlokale. Party ist angesagt. Denkste! Die Ostertage sind für einen katholisch geprägten Kanton wie Luzern neben Weihnachten wohl die ereignislosesten Tage im Partykalender.

«Zu öffnen, um gleich wieder zu schliessen? Humbug.»

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Philipp Waldis, Geschäftsführer des Vegas Luzern

Ein besonders düsteres Bild zeigt sich für viele Partygänger an Karfreitag in der Stadt Luzern. Geöffnet haben etwa die Schüür, das Treibhaus und das Casineum. Schliessen müssen sie diese aber wieder früh: um 00.30 Uhr. Das sind die gesetzlichen Regeln. Was sich viele Veranstalter denken, spricht Philipp Waldis, Geschäftsführer des Vegas, aus: «Zu öffnen, um gleich wieder zu schliessen? Humbug. Dann bleibt das Tanzlokal lieber von Anfang an geschlossen.»

Bis 2009 waren im Luzerner Gastgewerbegesetz an hohen Feiertagen «allgemein zugängliche Tanzveranstaltungen und Tanzdarbietungen untersagt».

Dann wurde das Tanzverbot gelockert. Geblieben sind am Ende die Richtlinien für Öffnungszeiten an hohen Feiertagen – und diese sind überall im Kanton Luzern gleich. Wer nun denkt, dass man in Luzern mit dem Wegfall des Tanzverbotes bis zum Morgenrot tanzen kann, sieht sich getäuscht. Trotz Aufhebung hat die Nightlife-Gastronomie bis heute keine Bewilligungen erhalten, länger als bis um 00.30 Uhr geöffnet zu haben.

Wenig Party über die Ostertage: Viele Tanzlokale bleiben an Karfreitag geschlossen.

Wenig Party über die Ostertage: Viele Tanzlokale bleiben an Karfreitag geschlossen.

(Bild: Ruth Iselin)

Symbolisch Tanzen – aber ohne Verlängerung

Weil zudem keine Verlängerungen bewilligt werden dürfen, ist das mitunter ein Grund für viele Veranstalter, an einem hohen Feiertag wie Karfreitag nicht zu öffnen. Zu den hohen Feiertagen gehören: der Karfreitag, der Ostersonntag und der Pfingstsonntag, ebenso der Buss- und Bettag und Weihnachten.

Ein Lokal, das den Gästen trotz der frühen Schliessung ein Abendprogramm anbietet, ist die Schüür. «Wir versuchen an diesen Abenden bewusst Bands zu buchen, deren Publikum nach Konzertende so oder so eher früh nach Hause geht», sagt Marco Liembd, Schüür-Geschäftsleiter. Wichtig sei es, dass die Bühne auch an einem solchen Abend bespielt werde. Liembd: «Der Aufwand ist bei uns gleich gross wie an normalen Veranstaltungsabenden.»

«Das Gesetz ist überholt. Davon profitiert letztlich niemand.»

Marco Liembd, Schüür-Geschäftsleiter

Marco Liembd steht dem Überbleibsel des Tanzverbots kritisch gegenüber. «Das Gesetz ist überholt. Davon profitiert letztlich niemand. Im Gegenteil – es verärgert die Gäste und die Veranstalter.» Er hofft, dass auf politischer Ebene bald etwas geschieht.

Partys über Ostern

Alle Zentralschweizer Partys finden sich wie immer im Ausgehbereich von zentralplus.

Donnerstag, 29.03.2018

  • «Bravo Hits Party – Das Original»: Schüür, Luzern
  • «Comedy Night»: Madeleine Bar/Club
  • «Vamos»: El Cartel
  • «Keep it Reel»: Bar 59
  • «Reunion»: The Rok
  • «Easter Party»: Das Schwarze Schaf

Karfreitag, 30.03.2018

  • «Abinchova»: Schüür, Luzern
  • «Gran Caribe»: Casino, Casineum Luzern
  • «Tompaul & Nährwerk»: Treibhaus

«Symbolisch dürfen wir zwar tanzen, aber ohne Verlängerung macht das wenig Sinn.» Liembd ist der Auffassung, dass man das Tanzverbot im Jahr 2009 nicht nur hätte lockern, sondern komplett abschaffen sollen.

Ausgehwillige, die am Karfreitag trotzdem länger als bis um 00.30 Uhr tanzen und vom Veranstalter nicht aus dem Club geworfen werden möchten, haben Alternativen in Grossstädten wie Zürich, Bern oder Basel. Das führt wieder zu einem wirtschaftlichen Problem. «Das Geld wandert mit den Gästen in die anderen Kantone ab», sagt Philipp Waldis.

Liembd sieht sich als Veranstalter mit einer weiteren Problematik konfrontiert: «Die Schüür hat viele interkantonale Gäste. Dann schliessen wir um 00.30 Uhr. Wie sollen wir das erklären?»

Staat versus Kirche

Urs Renggli, Chef Gastgewerbe und Gewerbepolizei, versucht das Gesetz gegenüber den Veranstaltern zu begründen: «Die Einschränkungen an Feiertagen sind legitim. Sie kommen nur an fünf Feiertagen im Jahr zum Tragen.» Und auf die Frage, weshalb das Gesetz 2009 nicht angepasst wurde, sagt er: «Es ging 2009 nur um die Aufhebung des Tanzverbotes und dieses wurde durchgebracht. Die Öffnungszeiten standen gar nie zur Diskussion.»

«Tendenziell halten sich die Veranstalter an die Öffnungszeiten.»

Urs Renggli, Chef Gastgewerbe und Gewerbepolizei

Clublokal- oder Barbesitzer, die sich nicht an die Öffnungszeiten halten, müssen tief in die Tasche greifen. Es werden Bussen bis zu 50’000 Franken verhängt. Allerdings relativiert Renggli: «Tendenziell halten sich die Veranstalter an die Öffnungszeiten.» Auch die Anzahl Kontrollgänge der Polizei bleibt an diesen Tagen gleich hoch.

Der Trendgastronomie bleibt nur eins: Abwarten, bis das Gesetz auf politischer Ebene angepasst wird. Und bis dahin wirft die symbolische Aufhebung des Tanzverbotes die Frage auf, welche Bedeutung die Feiertage auch heute noch für die Gesellschaft haben. Und: ob sich dieses Gesetz mit den heutigen Bedürfnissen der Gesellschaft vereinigen lässt.

Seit 1428 wird über das Tanzverbot diskutiert

«Die Geschichte des Tanzverbotes ist in Luzern ein alter Zopf und gehört zu den politischen Dauerbrennern. Seit 1428 wird über das Tanzverbot im Kanton Luzern debattiert», sagt Marco Liembd, Geschäftsleiter der Schüür. Damals, so die Geschichte, habe man an der Fasnacht in Luzern zu stark über die Stränge geschlagen.

Also musste der konservative Kanton handeln und berief sich auf ein Tanzverbot. Die Voraussetzung für das Tanzverbot hing damals stark von Staat und Kirche ab. Und heute? Verlieren Ruhe- und Feiertage für die Mehrheit in der Bevölkerung allmählich ihre religiöse Bedeutung.

2009 kam es zum Wendepunkt: Trotz drei nötigen Anläufen wurde das Verbot mit 51 zu 50 Stimmen aus dem Gesetz geworfen. Eine der Hauptdrahtzieherinnen war die grüne Politikerin Katharina Meile. Sie begründete, dass das Tanzverbot ein «rechtliches Relikt» sei und nicht mehr dem Zeitgeist entspreche (zentralplus berichtete).

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