Trotz viel Kritik: Stadtrat rechtfertigt Määs-Absage
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Entweder eine «richtige Määs» oder keine: Deshalb fiel die Määs auch in 2021 aus. (Bild: Tobias Lackner)

Luzerner Politik trauert um Herbstmesse Trotz viel Kritik: Stadtrat rechtfertigt Määs-Absage

5 min Lesezeit 1 Kommentar 23.09.2021, 17:16 Uhr

Die Määs-Absage enttäuscht viele und trifft teils auf Unverständnis. Darauf forderte die SVP den Luzerner Stadtrat auf, seinen Entscheid zu erklären. Dieser wiederholt Bekanntes: zu teuer, zu unkontrollierbar, zu wenig traditionell.

Auch in diesem Jahr müssen Luzerner Määs-Fans auf Zuckerwatte, Marktstand-Bummeln und Lunapark beim Inseli verzichten. Besonders bei der Luzerner SVP stösst die Määs-Absage auf Unverständnis. Mit Blick auf andere Grossanlässe haken Interpellantinnen um SVP-Fraktionschef Thomas Gfeller beim Stadtrat nach, welche Schutzmassnahmen dieser geprüft hat, wieso er diese nicht umgesetzt hat und was das für zukünftige Anlässe bedeutet (zentralplus berichtete).

In seiner Antwort wiederholt der Stadtrat die bereits bekannten Begründungen: Zur Durchführung einer grossen, traditionellen Määs hätte das Schutzkonzeptszenario Maskenpflicht und Einzäunung des Areals vorgesehen. «Das Anmieten von Gittern, Barrieren, Zählsystemen und Sicherheitskräften für bis zu sechs Zugänge hätte – je nach Umsetzungsvariante – zusätzliche Aufwendungen von 150’000 bis 280’000 Franken erfordert», schreibt der Stadtrat in einer Mitteilung. Ohne Zertifikatseinschränkung und ohne Sitzpflicht wären maximal 500 Personen zulässig gewesen.

Verordnungen führen zu Planungsunsicherheit

Zudem ist diese abgespeckte Version schon in den Planungsgesprächen beerdigt worden. In damaligen Besprechungen mit Vertretern von der Interessengemeinschaft Luzerner Herbstmesse und Märkte (IG LHMM) und des Kantons sei schnell klar geworden: entweder eine «richtige Määs» oder gar keine.

Mit diesem Entscheid wollte man einerseits die Erwartungen der Besucherinnen an die traditionelle Määs nicht enttäuschen, andererseits auch nicht die Erwartungen der rund 160 Schaustellergeschäfte und Marktstandbetreiber. Diesen wurde im Vorjahr eine Präsenz bereits zugesagt. Hätten die Schutzmassnahmen ein «Ausdünnen» an Geschäften gefordert, hätte dies die «willkürliche Bevorzugung einzelner Unternehmen mit sich gebracht», erklärt der Stadtrat.

«Wieso kann die Määs nur in ihrer ‹normalen› Form durchgeführt werden? So laufen wir Gefahr, dass wir in den nächsten zwei oder sogar drei Jahren keine Määs mehr haben können.»

Thomas Gfeller, Interpellant und Luzerner SVP-Fraktionschef

Zudem kämen noch Planungsunsicherheiten und Vorbehalte dazu: Auch wenn der Kanton eine Bewilligung erteilt hätte, die Bestimmungen hätten sich jederzeit ändern können. Allfällige Pläne wären damit zunichte gemacht worden.

Eine ähnliche Antwort gab es auch zu der Frage bezüglich anderen Grossanlässen wie dem SwissCityMarathon oder der Winteruniversiade. Diese müssen ihre Veranstaltungen mit den Verordnungen entsprechenden Schutzkonzepten versehen. Da die Verordnungen jedoch vom «unbekannten weiteren Verlauf der Epidemie» abhängig sind, könne der Stadtrat nicht schon im Vorfeld sagen, ob und wie diese zukünftig stattfinden.

Für SVP fehlt es der Stadt an Mut

Für die Antwort des Stadtrats hagelte es an der Sitzung des Grossen Stadtrates Kritik von allen Seiten. Mal wurde das Festhalten an der traditionellen Form kritisiert, mal die Repräsentativität der Organisationspartner IG LHMM. Interpellant und SVP-Fraktionschef Thomas Gfeller gab sich mit den Antworten des Stadtrats nicht zufrieden und vermisst «den Mut, das Feuer und die Leidenschaft, etwas zustandezustellen», wie er an der Sitzung des Grossen Stadtrats am Donnerstag moniert.

Ebenso stellt er die Form infrage: «Wieso kann die Määs nur in ihrer ‹normalen› Form durchgeführt werden? So laufen wir Gefahr, dass wir in den nächsten zwei oder sogar drei Jahren keine Määs mehr haben können.» Auch die Kostenrechnung des Stadtrats kritisiert Gfeller. Gemäss eigenen Abklärungen kostet eine einfache Abzäunung des Inselis lediglich rund 15’000 Franken.

«Vor einem Jahr rechnete man noch damit, dass es im nächsten Jahr bereits vorüber ist.»

Adrian Borgula, Leiter der Umwelt- und Mobilitätsdirektion Stadt Luzern

Auch Mitte-Stadtrat Michael Zeier-Rast kritisiert die fehlende Flexibilität. Das Festhalten an traditionellen Durchführungen sei aufgrund der Pandemie überholt. Und für die Prüfung alternativer Szenarien hätte die Stadt ja ein Jahr Zeit gehabt. «Spätestens bis zum Bau des Durchgangsbahnhofs müssen wir ja sowieso eine Alternative finden», fügt er an.

Mangelnde Einbindung der Betroffenen

Weiter wird die Kommunikation und Zusammenarbeit mit den Betroffenen kritisiert. Raphaela Meyenberg (SP) ist beispielsweise überzeugt, dass die Stadt mehr Interessenten hätte befragen sollen. Diese hätten innovative und neue Ideen einbringen können. Zudem hätte bei einer solchen breiteren Abstützung die Bevölkerung den Entscheid auch besser akzeptiert.

Auch die direkt betroffene Lisa Zanolla (SVP) meldete sich zu Wort. Sie betreibt mit ihrem Mann die Zanolla Vergnügungsanlagen AG und stellt nun kurzerhand eine «Schützen-Chilbi» auf der Allmend auf die Beine (zentralplus berichtete). Zanolla relativiert im Rahmen der Debatte den Einfluss der IG LHMM: Diese habe gegenüber der Stadt nur eine geringe Stimmkraft. Zudem hätte die IG in diesem Fall für alle Mitglieder gesprochen – ohne dass diese im Vorfeld die Mitglieder selbst befragt hätte.

Adrian Borgula verteidigt Vorgehen der Stadt

Adrian Borgula, Leiter der Umwelt- und Mobilitätsdirektion, findet die Kritik teilweise nicht gerechtfertigt. Die Stadt hätte viele verschiedene Alternativen überprüft. Dabei wurde klar: Entweder findet die Veranstaltung mit Zertifikat statt oder nur mit 500 Leuten. Mit Zertifikat wäre der Ansturm aber zu gross gewesen und eine Zertifikatskontrolle wäre nicht zu bewältigen gewesen. Zudem wäre die Kontrolle auch zum Gesundheitsrisiko geworden: Beim Anstehen stehen zu viele Leute über längere Zeit zu nahe beieinander. Dies hätte man bei anderen Veranstaltungen so beobachtet.

Auch die Kritik, dass der Stadtrat ja ein Jahr Zeit hatte, Alternativen zu finden, sei ungerechtfertigt. «Vor einem Jahr rechnete man noch damit, dass es im nächsten Jahr bereits vorüber ist», erinnert Borgula. So passte man die Organisation laufend an die sich ändernden Bedingungen des Bundes an. Kurz vor dem damaligen Entscheid Ende August wollte der Bundesrat aufgrund der Corona-Situation die Massnahmen zudem erneut deutlich verschärfen.

Einzig die infrage gestellte Repräsentativität der IG LHMM gegenüber den verschiedenen Määs-Unternehmen räumt Borgula zum Schluss der Debatte als gerechtfertigt ein. Jedoch begleite diese traditionell die Stadt bereits seit 80 Jahren in der Organisation der Määs.

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1 Kommentare
  1. Rolf Albisser, 24.09.2021, 12:16 Uhr

    Wrde es sich um einen Velo- Event handeln sähe man Adrian Borgula mit breitet Brust vorausfahren.

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