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Trotz sportlicher Erfolge fehlt es an Mitgliedern
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Volltreffer: Ein Spieler der «Unicorns» schlägt den Ball im Spiel gegen die «Challengers». (Bild: zvg)

Amerikanische Sportarten in Luzern und Zug Trotz sportlicher Erfolge fehlt es an Mitgliedern

4 min Lesezeit 19.10.2014, 13:29 Uhr

«Inning», «Batter», «Yard» und «Field Goal». Diese Begriffe, die in Europa für lange Gesichter sorgen, haben etwas gemeinsam: Sie gehören zu den amerikanischen Sportarten American Football und Baseball. Auch in Zug und Luzern kann man aktiv «tackeln» und «Homeruns» schlagen. Doch es mangelt bei fast allen Vereinen an Interessenten.

Sportlich grosse Nummern sind für Zuger der EVZ, für Luzerner der FCL. Doch nebst Fussball- und Eishockeyteams gibt es in den beiden Kantonen auch aktive American Football- und Baseballmannschaften. Und die mischen national ganz vorne mit, holen Meistertitel und steigen auf.

Gerade erst hat die Baseballmannschaft «Luzern Eagles» in der vergangenen Saison den Schweizermeister-Titel geholt. Doch obwohl sich die sportlichen Leistungen sehen lassen können, fehlt es vielen Vereinen an Neumitgliedern. Was tun gegen das mangelnde Interesse? zentral+ hat bei den besten Baseball- und American Football-Teams in Zug und Luzern nachgefragt.

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«Momentan haben wir rund 60 aktive und 30 passive Mitglieder in unserem Verein», erklärt Flavia Crameri, die in der Clubleitung des Baseballclubs «Luzern Eagles» sitzt. Vertreten sind je eine Herrenmannschaft in der höchsten und dritthöchsten Liga, sowie eine Softball-Damenmannschaft, die in der höchsten Liga spielt. Gerade erst hat zum ersten Mal eine Herrenmannschaft der Adler den Schweizermeister-Titel geholt.

Kindermannschaft muss aufgelöst werden

«Wir haben sogar zwei Kindermannschaften, wo 12- bis 15-Jährige, beziehungsweise 4- bis 11-Jährige sich an diese Sportarten herantasten können», erklärt Crameri. Eine davon müsse jedoch nächstes Jahr aufgelöst werden, da es an Mitgliedern fehle. «Durch die Schweizermeister-Titel in den letzten Jahren ist das Interesse an Baseball und die Bekanntheit unseres Clubs zwar etwas gestiegen». Leider sei das Interesse jedoch allgemein noch immer sehr gering, bedauert die Clubleiterin.

Es sei schwierig, als Randsportart gegen Fussball oder Volleyball zu bestehen. Dies habe zur Folge, dass «es schwierig ist, genügend Mitglieder zu gewinnen», so Crameri. Um dem entgegen zu wirken, sei die Zusammenarbeit mit Schulen und Gemeinden wichtig. «Wir konnten beispielsweise an der Schule Würzenbach an einem Projekt teilnehmen, das uns ermöglichte, Kindern während zwei Wochen Baseball näher zu bringen», betont Crameri.

1980 in der Schweiz angekommen

Gespielt wird Baseball in der Schweiz seit 1980. Das erste Spiel hierzulande fand in Reussbühl am 11. November 1980 statt. Und zwar zwischen den «Lucerne White Sox» (heute «Eagles») und den «Zürich Challengers». Im Jahr darauf wurde ein nationaler Verband gegründet, der heute unter dem Namen Swiss Baseball & Softball Federation (SBSF) den Spielbetrieb der Base- und Softballligen regelt. Drei Profiligen mit insgesamt 34 Mannschaften gibt es in der Schweiz.

Auch American Football hat in der Schweiz im Jahre 1980 Einzug gehalten. Der Schweizerische American Football Verband (SAFV) ist Organisator der nationalen Meisterschaft sowie der Nationalmannschaften. 18 Teams – je sechs pro Profiliga – spielen jedes Jahr um Ruhm und Ehre.

Dabei sei Baseball eine sehr vielseitige Sportart. Crameri erklärt: «Neben dem Werfen, Schlagen und Rennen müssen auch taktische Entscheide getroffen werden.» Insgesamt würden das spielerische Können, die Ausdauer und eben auch die Taktik eine wichtige Rolle spiele.

Auch beim Luzerner American Football Verein «AFC Lions» gestaltet sich das Anwerben neuer Spieler schwierig. Der Präsident Michel Beljean erklärt: «Es ist nicht einfach, neue Spieler für diese Sportart zu begeistern. Meist werben aktuelle Teammitglieder neue Interessenten an.»

Nächste Saison in der NLA

Immerhin seien in allen Teams des Vereins momentan genügend Mitglieder vorhanden. Die «Lions», im September 2007 gegründet, starten nun ins achte Vereinsjahr. Und feiern beachtliche Erfolge. «Die Lions haben nach dem Meistertitel in der Nationalliga B und dem damit besiegelten Aufstieg ab März 2015 die erste Saison in der höchsten Schweizer Spielklasse vor sich.»

«Schwierige Situation bei den Junioren»

Auch im Kanton Zug kommt Baseball nur mässig an. Zwar kämen wiederholt junge Erwachsene, um Baseball zu spielen, erklärt Carlo Brot vom Base- und Softballteam «Unicorns» in Hünenberg. «Bei den Junioren ist die Situation schwieriger, da Baseball relativ unbekannt ist.» Der Verein, dessen erste Mannschaft in der zweithöchsten Liga spielt, profitiere immerhin von der Nähe zur International School of Zug und Luzern. «Wir können von dort immer wieder Junioren rekrutieren», so Brot.

Rund 100 Mitglieder zählt der Verein. «Zur Zeit erleben wir einen Aufschwung bezüglich Interesse. Klar ist, dass Baseball noch immer eine Randsportart ist.» Dies wirke sich stark auf die Zuschauerzahlen aus. Carlo Brot bedauert, dass es pro Spiel der «Unicorns» nur rund 20 bis 30 Zuschauer habe.

Keine Sorgen weit und breit haben die «Midland Bouncers» aus Zug, die eine äusserst erfolgreiche Saison in der dritthöchsten Liga hinter sich haben. Zehn Siege in zehn Spielen sicherten dem American Football-Verein den Aufstieg in die NLB.

An besetzten Zuschauertribühnen dürfte die erfolgreiche Saison, aber auch die Begeisterung der Zuger für American Football erheblich beitragen. Mit durchschnittlich 350 Zuschauern pro Spiel dürfen die «Midland Bouncers» jedenfalls auf kräftige Unterstützung zählen. «Beim Barrage-Match gegen Basel kamen gar etwa 500 Zuschauer», erklärt der PR-Verantwortliche Jens Müller.

«Es ist eine Lebenseinstellung»

«Derzeit zählen wir rund 140 Mitglieder in unserem Verein. Tendenz steigend», so Müller. Neue Interessenten für diesen Sport zu begeistern, sei sicher keine einfache Sache. «Aber wer einmal mit dem Virus infiziert ist, der weiss den Zusammenhalt und den Teamgeist zu schätzen.» Müller ist überzeugt, dass American Football viel mehr als eine Mannschaftssportart sei. «Es ist eine Lebenseinstellung.»

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