Trotz Pionierprojekt: Abfallsäcke gehören noch lange zum Zuger Stadtbild
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Die schönstgelegene Zuger Abfalldeponie: Unterflurcontainer beim Gärbiplatz. (Bild: Beat Holdener)

Umstellung auf Unterflurcontainer harzt Trotz Pionierprojekt: Abfallsäcke gehören noch lange zum Zuger Stadtbild

4 min Lesezeit 11.06.2021, 05:00 Uhr

Bis im nächsten Jahr wollte der Zuger Stadtrat die gewohnte Kehrichtabfuhr abschaffen. Geplant war, dass die Zuger Bevölkerung ihre Abfallsäcke künftig selber zu sogenannten Unterflurcontainern trägt. Diese Umstellung dauert wesentlich länger als ursprünglich vorgesehen. Erst in wenigen Gebieten ist die Lösung etabliert, im Herbst sollen weitere an die Reihe kommen.

Den Abfall für die wöchentliche Abfuhr einfach vor die Haustüre stellen – eine bequeme Lösung. Aber die gebührenpflichtigen Säcke verunstalten das Stadtbild, geben Gerüche ab und werden manchmal von Tieren aufgerissen. Aufgrund des grossen Bevölkerungswachsums geriet die Kehrichtabfuhr in der Stadt Zug zudem an ihre Kapazitätsgrenze. Zusätzliche Abholtouren und Kehrichtfahrzeuge wären nötig geworden.

Deshalb beschloss der Grosse Gemeinderat 2012, innert zehn Jahren die Entsorgung flächendeckend auf Unterflurcontainer (UFC) umzustellen. Der damalige Bauchef André Wicki kündigte die Pläne als pionierhaft und mit Optimismus an. Die Leute würden Abfallkübel im Untergrund lieber heute statt erst morgen wünschen, sagte der Stadtrat. Mit einem Rahmenkredit von 1,2 Millionen Franken sollten Unterflucontainer erstellt werden, für alle Haushalte nicht weiter als 175 Meter entfernt.

Umsetzung benötigt mehr Zeit

Ein Jahr vor dem gesetzten Termin ist das Projekt weit von der Umsetzung entfernt. Bis heute sind laut Baudepartement in der Stadt Zug 130 Unterflurcontainer an 66 Standorten realisiert. Somit kann erst ein Drittel der Stadtzuger Haushalte seinen Abfall in einem Unterflurcontainer entsorgen. «Die Zeit- und Kostenschätzungen beruhten auf groben Annahmen», begründet Nicole Nussberger, Sekretärin des Baudepartements, die Verzögerung. «Erfahrungswerte lagen damals noch keine vor.»

Mehr Zeit benötigt die Stadt, weil ein engmaschigeres Netz von Unterflurcontainern erforderlich ist als ursprünglich vorgesehen. Die Erfahrungen der ersten Phase hätten gezeigt, dass insbesondere in gewachsenen und kleinteiligen Quartieren die Umstellung eine Herausforderung darstellt. «Nicht nur müssen private Eigentümer bereit sein, Standorte zur Verfügung zu stellen, wenn es keinen Platz auf öffentlichem Grund hat», sagt Nussberger. «Ebenso entscheidend ist, dass ein Unterflurcontainer in seinem Einzugsgebiet eine gewisse Auslastung erreicht, die Distanz aber dennoch maximal 175 Meter beträgt.»

Weiterer Millionenkredit nötig

Mittlerweile geht das Bauamt für das gesamte Stadtgebiet von rund 270 Unterflurcontainern aus. Das heisst, in den nächsten Jahren müssen noch 140 gebaut werden. Davon befinden sich aktuell 35 Standorte mit 61 Kehrichteinwurföffnungen in der Projektierung. Der 2012 gesprochene Rahmenkredit wurde bereits ausgeschöpft. Deshalb hat der Stadtrat im letzten Jahr weitere 2,66 Millionen Franken gesprochen. Die Hälfte davon wird die Zeba allerdings zurückzahlen.

«Um einen UFC zu erstellen, muss vieles zusammenpassen», sagt Nicole Nussberger, «vom Standort, von der Umgebung mit allenfalls hinderlichen Infrastrukturen wie Werkleitungen oder Bäumen, vom Gefälle bis hin zur Zufahrt für den Entsorgungslastwagen.» Bei Neubauten müssen die Anlagen von Anfang an eingeplant werden, schwieriger und zeitintensiver wird die Suche nach geeigneten Standorten in bestehenden Quartieren, wenn keine öffentliche Grundstücke zur Verfügung stehen.

Wenig Abfallsünder registriert

Nicht bewahrheitet haben sich Befürchtungen, dass massenhaft Abfall illegal in den metallenen Einwurfsäulen landen könnte. «Die Stadtzuger Bevölkerung ist vorbildlich und entsorgt ihren Kehricht fast durchs Band mit den blauen Zeba-Abfallsäcken», stellt Nicole Nussberger fest. «Finden sich dennoch andere Gebinde in den UFC, wird den Abfallsündern nachgegangen.»

Hoch ist dagegen der Anteil von Fremdstoffen in Unterflurcontainern für Grünabfälle, die Private in ihren Überbauungen einrichten können. Die Stadt selber stellt einzig im Altstadtbereich drei solche Standorte bereit, im Münzgässli soll ein weiterer hinzukommen. UFC für Alu und Glas gibt es UFC nur bei sogenannten Quartiersammelstellen. Diese sind bereits bestehend und werden gegebenenfalls umgerüstet, wie demnächst beim Dreiangelplatz (zentralplus berichtete).

Bald weitere Zuger ohne Kehrichtabfuhr

Bis zur Realisierung sämtlicher notwendiger Unterflurcontainer in der Stadt Zug werden also beide Abfallsysteme parallel weitergeführt. Liegenschaften, die einem UFC zugeteilt sind, sollen jedoch sukzessive nicht mehr vom normalen Kehrichtwagen bedient werden.

Das gilt beispielsweise für die innere und teilweise auch für die äussere Altstadt. Bald soll die Abfuhr in weiteren Gebieten abgeschafft werden. So werden im hinteren Bereich der Hofstrasse derzeit zwei Unterflurcontainer erstellt. «Nach deren Inbetriebnahme wird die Müllabfuhr dort nicht mehr verkehren», so Nicole Nussberger, «das wird vermutlich ab August/September 2021 der Fall sein.»

Hohe Akzeptanz in der Bevölkerung

Diese Umstellung klappt in der Regel sehr gut, gemäss Baudepartement sind die Unterflurcontainer in der Bevölkerung akzeptiert. «Auch dort, wo zu Beginn noch Vorbehalte gegenüber der neuen Abfallentsorgung bestanden, stellen die Leute schnell fest, dass ein UFC-Standort praktisch ist und neue Vorteile bringt.» Auch für die Stadt machen sich die Vorteile bemerkbar: Dank weniger Fahrten ist die Entsorgung nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch ökologisch verträglicher.

Bis sich die Vorteile vollumfänglich auswirken, dauert es aber noch einige Zeit. Ursprünglich wollte die Stadt Zug innerhalb des Abfallverbands der Zuger Gemeinden (Zeba) eine Vorreiterrolle einnehmen. Inzwischen gibt sie sich mit dessen Zielen aus dem Jahr 2019 zufrieden. Die Zeba hatte beschlossen, die Kehrichtentsorgung im gesamten Verbandsgebiet bis 2030 auf Unterflurcontainer umzustellen. Mit anderen Worten: Die Stadt Zug hat gegenüber ihrem Fahrplan acht Jahre Verspätung und braucht insgesamt doppelt so lange Zeit wie die anderen Gemeinden.

Bestehende Abfallsammelstellen in der Zuger Innenstadt (Blau: Unterflurcontainer für Hauskehricht) (Bild: Zugmap)

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