Eine gesperrte Seebrücke wird es am Luzerner Fest nicht mehr geben.
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Eine gesperrte Seebrücke wird es am Luzerner Fest nicht mehr geben. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Luzerner Stadtparlament heisst Sonderkredit gut Trotz Kritik: Neues Stadtfest nimmt die erste Hürde

4 min Lesezeit 1 Kommentar 30.01.2020, 12:06 Uhr

Nach zwei Jahren Pause erhält Luzern 2021 wieder ein Stadtfest, das bedeutend kleiner daherkommt als bisher. Im Stadtparlament war von Festlaune allerdings noch nicht all zu viel zu spüren: Das neue Konzept sorgte für viel Gesprächstoff – die Grünen verlangten gar einen Marschhalt.

Adieu Luzerner Fest, hallo Stadtfest: Der beliebte Anlass wird ab 2021 unter neuem Namen und mit neuem Konzept daherkommen. Nach einer zweijährigen Pause soll das Fest der Stiftung «Luzern hilft» lokaler, intimer, weniger kommerziell werden. Die Stadt Luzern übernimmt das Patronat und beteiligt sich in einer dreijährigen Pilotphase entsprechend finanziell (zentralplus berichtete).

Die Neuausrichtung stösst in der Politik auf viel Wohlwollen. Dass die Verantwortlichen «vom reinen Festhütten-System» wegkommen wollen (Michael Zeier-Rast, CVP) und «weniger Halligalli einer Kulturstadt wie Luzern gut ansteht» (Adrian Albisser, SP), wurde mehrheitlich begrüsst.

Grüne fordern: Zurück an den Absender

Ausser von den Grünen/Jungen Grünen, die vom neuen Konzept nicht überzeugt sind. «Wir fordern eine Redimensionierung des Fests», sagte Marco Müller. «Es ist in der vorliegenden Form zu gross und vor allem zu teuer.» Er kritisierte, dass das Fest trotz des hohen städtischen Beitrags pro Jahr «nur» 50’000 Franken für karikative Zwecke abwerfen soll.

«Wir befürchten, dass dies zu Neid und Missgunst führt.»

Marco Müller, Grüne

Unverhältnismässigkeit ortete Müller auch im Vergleich mit anderen Festen. Viele Quartiervereine würden sich mit viel Engagement und freiwilligem Einsatz für ihre Anlässe einsetzen. Dass jetzt für ein einziges Fest so viel Geld gesprochen wird, stosse daher auf Unverständnis. «Wir befürchten, dass dies zu Neid und Missgunst führt», so Müller. Seine Fraktion wolle das Stadtfest nicht verunmöglichen, sie beantragte aber eine Rückweisung und Überarbeitung des Konzepts.

Die Grundsatzkritik der Grünen teilten die anderen Fraktionen nicht. Es sei falsch, das neue Stadtfest und die Quartieranlässe gegeneinander auszuspielen, sagte Adrian Albisser (SP). Der Rückweisungsantrag der Grünen wurde entsprechend klar abgelehnt.

Das liebe Geld gibt zu reden

Die geplante, finanzielle Beteiligung der Stadt versetzte allerdings auch andere Parlamentarier nicht gerade in Festlaune. Die Stadt soll in den ersten drei Jahren einen Beitrag von 980’000 Franken sprechen. Darin enthalten sind jährlich 235’000 Franken für das Fest (bisher 108’000 Franken) und die Geschäftsstelle sowie eine Defizitgarantie von insgesamt 240’000 Franken.

Letztere soll das Risiko eines finanziellen Verlustes im Falle etwa von schlechtem Wetter abfedern – und gab im Parlament viel zu reden. Die Bildungskommission forderte eine Kürzung der Defizitgarantie auf 100’000 Franken, die FDP sogar eine gänzliche Streichung.

«Wir wollen dem Stadtfest keine Steine in den Weg legen.»

Marcel Lingg, SVP

Die Diskussion drehte sich um die Fragen, ob ein solcher Anlass eine städtische Aufgabe sei und ob das Stadtfest im Vergleich zu anderen Veranstaltern zu stark bevorteilt werde. Der Grundtenor enthielt zwar kritische Untertöne, war aber mehrheitlich positiv.

Der Stadtrat selber hatte nach Rücksprache mit der Stiftung nichts gegen eine Reduktion einzuwenden – und mit grosser Mehrheit hiess auch das Stadtparlament die Kürzung der Defizitgarantie auf 100’000 Franken gut. Der Antrag der FDP hingegen unterlag.

Dem neuen Konzept eine Chance geben

Trotz vieler kritischer Voten zum Geld steht die Mehrheit des Parlaments also hinter der Neuausrichtung. «Wir wollen dem Stadtfest keine Steine in den Weg legen, sondern der Neuorganisation eine Chance geben», sagte Marcel Lingg (SVP) stellvertretend für viele.

Dieses Vertrauen in das neue Konzept setzte sich durch. Mit 33 Ja- zu 7 Nein-Stimmen und einer Enthaltung stimmte das Stadtparlament dem reduzierten Sonderkredit von 840’000 Franken deutlich zu. Das Stadtfest erhält damit grünes Licht.

Die Eckpunkte des neuen Festkonzepts:

Verantwortliche sind erleichtert – äussern aber auch Bedenken

Dass es mit dem städtischen Sonderkredit geklappt hat, nimmt man bei den Verantwortlichen des Festes entsprechend erfreut zur Kenntnis: «Das beweist, dass wir auf Kurs sind«, lässt sich Patrick Deicher, Vizepräsident der Stiftung «Luzern hilft» in einer Mitteilung zitieren. Die grosse Arbeit fange jetzt aber erst an.

Als nächstes würden jetzt eine Geschäftsstelle und das Organisationskomitee bestellt. Dann sollen zügig die Arbeiten an den Details starten und die verschiedenen lokalen Institutionen, Vereine, Künstler und so weiter in den Prozess miteinbezogen.

Trotz der Freude äussert Deicher aber auch Bedenken: «Auch mit der nun gesprochenen Unterstützung bleibt ein solches Fest eine grosse Herausforderung.» Zudem führe die Kürzung der Defizitgarantie bei der Stiftung zu einer Unsicherheit, heisst es in der Mitteilung. Und weiter: «Sollten zum Beispiel aufgrund sehr ungünstiger Wetterverhältnisse zwei Jahre nacheinander Verluste geschrieben werden, wäre eine Weiterführung des Stadtfestes unklar respektive das Konzept müsste grundsätzlich überprüft werden.»

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1 Kommentare
  1. Joseph de Mol, 30.01.2020, 12:28 Uhr

    Eine Tatsache regt mich heuer ganz gewaltig auf: Für das Stadtfest kann das ungeheuer umsichtige Parlament einfach so das grosse Geld locker machen (von der Stadtbevölkerung gar nicht mehr erwünscht, oder nur noch teilweise, da das Gros der Teilnehmer sowieso nicht aus der Stadt Luzern kommt und nur auf den Kosten, dem Dreck und dem Lärm sitzen bleibt!!), währenddessen das viel sinnvollere und nachhaltige Projekt Waldschwimmad Zimmeregg in die Röhre kuckt. Das ist doch skandalös! Beim Stadtfest gehts ja eh nur um Business! Wo ist da der Nutzen für die Öffentlichkeit? Nirgends! Privat organisieren, privat bezahlen, Ticket kaufen, fertig. Die Förderung von «Festen» ist keine primäre Staatsaufgabe! Dieses Parlament ist den Aufgaben, mit denen es betraut wurde, nicht würdig!

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