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Trotz Konsequenzen: Luzerner und Zuger Schüler treten in den Streik
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Die Klimadebatte sorgt insbesondere bei den Parteien für Rückenwind, die «grün» im Namen tragen. (Bild: Pascal Kipf)

Klimastreik kann zu Zeugniseintrag führen Trotz Konsequenzen: Luzerner und Zuger Schüler treten in den Streik

4 min Lesezeit 1 Kommentar 17.01.2019, 04:59 Uhr

Am Freitag finden in Luzern und Zug die ersten Klimastreiks der Zentralschweiz statt. Die Schüler folgen einer weltweiten Protestaktion zur Ausrufung des Klimanotstandes – trotz unentschuldigter Absenzen.

Eine 16-jährige Schwedin namens Greta Thunberg rief im Dezember an der Klimakonferenz in Katowice zum Schulstreik auf. Ihr folgten Tausende Schüler auf der ganzen Welt. Am kommenden Freitag sind weitere Demonstrationen in Belgien, Deutschland und der Schweiz geplant. Hierzulande wollen die Schüler in 16 Städten streiken – auch in Luzern und Zug.

1’000 Schüler an Klimastreik in Luzern erwartet

«Wir wollen, dass Politik und Regierung den Klimanotstand ausrufen», sagt Lena Merz (17) aus Hildisrieden. «Dies würde bedeuten, dass die Erderwärmung als Krise anerkannt und behandelt wird», fügt Jorina Rast (17) aus Rain an. Beide besuchen die Kantonsschule Beromünster und sind die Gesichter des Streiks in Luzern, an dem rund 1’000 Schüler erwartet werden.

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«Wir wollen zeigen, dass dieses Problem die Jungen beschäftigt und sie bereit sind, dafür auf die Strasse zu gehen.»

Lena Merz (17), Streikteilnehmerin aus Hildisrieden

«Wir hoffen, dass die Wichtigkeit des Anliegens, welches durch den Klimastreik transportiert wird, von den Verantwortlichen anerkannt wird», sagt Lena Merz. Ein Schulstreik sei notwendig, um dem Klimawandel die entsprechende Aufmerksamkeit zu geben. «Wir wollen zeigen, dass dieses Problem die Jungen beschäftigt und sie bereit sind, dafür auf die Strasse zu gehen», äussert sich die Kantonsschülerin auf Anfrage.

Von den Lehrpersonen erwarte sie, dass sie die Schüler in ihrem Engagement unterstützen. «Denn Ziel der Schulbildung soll unter anderem sein, den bewussten Umgang mit der Umwelt zu erlernen», meint Merz.

Der Klimastreik in Zürich am 21. Dezember 2018.

Der Klimastreik in Zürich im vergangenen Dezember.

(Bild: Facebook/Klimastreik Schweiz)

Hans Hirschi, Rektor der Kantonsschule Alpenquai, zeigt für das Anliegen Verständnis: «Es ist grundsätzlich richtig, sich für dieses Thema zu interessieren und sich politisch zu engagieren. Aber ob es sinnvoll ist, dafür die Schule zu schwänzen, ist eine andere Frage.» Im Falle streikender Schüler gibt es am Alpenquai wie üblich unentschuldigte Absenzen, Disziplinarverfahren würden keine eingeleitet werden, sagt Hirschi gegenüber zentralplus.

«Dass die Klimadiskussion von Jugendlichen neu lanciert wird, finden wir richtig und wichtig.»

Marco Stössel, Rektor der Kantonsschule Beromünster

Derweil sagt Marco Stössel, Rektor der Kantonsschule Beromünster: «Dass die Klimadiskussion von Jugendlichen neu lanciert wird, finden wir richtig und wichtig.» Er bedauere jedoch den Verzicht auf den Unterricht, der seiner Meinung nach den Schülern das Verständnis für die Zusammenhänge des Klimawandels vermittle. «Die Teilnahme am Streik hat für die Schüler der vierten bis sechsten Klassen aufgrund der Regelung der Urlaubstage an der Kantonsschule Beromünster keine Konsequenzen – ausser dass sie die verpassten Inhalte selbst nachholen müssen», fügt Stössel an.

An der Kantonsschule Zug droht der Eintrag ins Zeugnis

In Zug findet am Freitag auf dem oberen Postplatz ebenfalls ein Klimastreik statt. Julia Küng (18), die aktuell die sechste Klasse in der Kantonsschule Zug besucht, möchte beim Klimawandel nicht tatenlos zusehen: «Wir gehen in die Schule, um uns auf unsere Zukunft vorzubereiten. Eine Zukunft, die vom Klimawandel akut bedroht wird.» Sie meint, dass Streiken durchaus effektiv sei und viele andere Bemühungen wie Petitionen oder Warnrufe aus der Wissenschaft bis jetzt erfolglos geblieben seien.

«Wir sind mit den Schülerinnen und Schülern auf verschiedenen Ebenen in Kontakt», sagt Peter Hörler, Rektor der Kantonsschule Zug. Zwischen der Schulleitung und dem mitorganisierenden Komitee der Kanti Zug wurde auch eine Sitzung abgehalten. Wie einer Mitteilung der Schule an ihre Schüler zu entnehmen ist, werde das Fehlen vom Unterricht als unentschuldigte Absenz behandelt.

«Selbstverständlich werde ich trotzdem am Streik teilnehmen.»

Julia Küng (18), Streikteilnehmerin aus Zug

Falls ein Antrag auf eine nachträgliche Entschuldigung von der Klassenlehrperson abgelehnt wird, würde dies sogar zu einem Eintrag im kommenden Zeugnis führen, wie das Schulreglement festhält. «Selbstverständlich werde ich trotzdem am Streik teilnehmen», sagt Julia Küng.

Sie freue sich aber, dass die Kantonsschule Zug in ihrer Mitteilung an die Schüler das Anliegen des Klimastreiks inhaltlich begrüsse und bereit sei, bei schulischen Anlässen wie Arbeitswochen und Studienreisen mehr für klimafreundliches Handeln zu tun. «Ich hoffe, dass wir hier in Zukunft anknüpfen können.»

Der Klimastreik in Basel am 21. Dezember 2018.

Der Klimastreik in Basel am 21. Dezember 2018.

(Bild: Facebook/Klimastreik Schweiz)

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1 Kommentare
  1. Toni Fähndrich, 22.01.2019, 06:00 Uhr

    Dafür müssten die Schüler mindestens 2 Tage schulfrei bekommen, quasi als Wertschätzung sowie als Aufmunterung sich weiter auf diese Art für unsere natürliche Mitwelt einzusetzen.