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Trotz Hype: Luzern erteilt E-Trottis eine Absage
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In Luzern rollen die Leih-Trottinette noch nicht so bald ein: Der schwedische Anbieter Voi ist am expandieren. (Bild: zvg/Voi )

Keine Konkurrenz für Nextbike Trotz Hype: Luzern erteilt E-Trottis eine Absage

4 min Lesezeit 1 Kommentar 03.05.2019, 16:03 Uhr

E-Trottinette sind in aller Munde. Nach Zürich und Basel wollen mehrere Verleiher auch auf die Strassen der Stadt Luzern. Doch die Stadt lässt sie abblitzen: Der bestehende Veloverleih genügt. Doch vielleicht bietet sich eine neue Chance.

Sie heissen Flash, Bird oder Tier und sind momentan der Hype: Ein paar Jahre nach der Schwemme mit asiatischen Leihvelos drängen ausleihbare E-Trottinette – oder E-Scooter, wie sie international genannt werden – in die Schweizer Städte.

In Zürich und Basel gehören sie bereits zum Strassenbild, nun wollen sie sich in weiteren Städten breitmachen. Das schwedische Start-up Voi will in neun Städten Fuss fassen – darunter ist auch Luzern, wie «Watson» berichtete.

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Per Stelleninserat sucht das Unternehmen Mitarbeiter, unter anderem einen «City Operations Specialist» für Luzern. Mit 86 Millionen Franken ist die Kriegskasse von Voi für den europäischen Markt gefüllt. Gegenüber zentralplus bestätigt Claus Unterkircher, Schweiz-Verantwortlicher bei Voi, die Pläne: «Es gibt kein konkretes Datum, wir sprechen hier immer zuerst mit der Stadt und einigen uns dann auf eine gemeinsame Vorgehensweise.»

Voi will offen und kooperativ auf die Städte zugehen, und sich so von den offensiven Billiganbietern aus Asien abheben. «Wir möchten nachhaltig Elektromobilität allen in der Stadt anbieten», sagt Unterkircher.

Der Platz ist knapp

Doch die Stadt Luzern will momentan keine neuen Gefährte auf ihren eng umkämpften Strassen: In nächster Zeit würden keine Bewilligungen für Leihvelos oder -trottinette erteilt, sagt Martin Urwyler von der städtischen Mobilitätsabteilung auf Anfrage. «Wir haben mit Nextbike bereits ein etabliertes Veloverleihsystem.» Der Platz auf den Strassen sei beschränkt, so Urwyler. «Wir wollen das nicht ausufern lassen.»

«Es stellt sich die Frage nach der Qualität und der Nachhaltigkeit von diesen Gefährten.»

Martin Urwyler, Velobeauftragter Stadt Luzern

Vier bis fünf Anbieter von E-Trottinetten hätten bisher in Luzern angeklopft – und erhielten alle eine Absage. Das Prozedere ist das gleiche wie vor zwei Jahren, als die Free-Floating-Velos von asiatischen Anbietern in die Schweiz drängten – O-Bike & Co. waren der Hype. Nach langen Verhandlungen und (meist negativen) Erfahrungen in anderen Städten hat der Stadtrat den Anbietern keine Bewilligung erteilt (zentralplus berichtete).

Abwarten und beobachten

Allenfalls tut sich später eine Chance auf: Da immer wieder Anfragen an die Stadt gelangen, werde bezüglich der Vergabe von Bewilligungen an Unternehmen längerfristig eine öffentliche Ausschreibung durchgeführt, so Urwyler. «Der Stadtrat wird dabei prüfen, welche Verleihsysteme in welchem Mengengerüst zugelassen werden sollen.»

Vor dem Hintergrund der engen Platzverhältnisse müsse man die Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen. «Damit kann ein offenes und faires Vergabeverfahren ermöglicht werden. Bis dahin erteilt die Stadt Luzern keine Bewilligungen für den stationslosen Veloverleih oder elektrische Tretroller», sagt Urwyler.

Mehr als ein Hype?

Abwarten und beobachten lautet also die Devise: Es werde sich zeigen, ob die Trottis mehr als nur ein kurzer Hype sind. «Sehr viele Anbieter springen momentan auf den Trend auf, wir werden sehen, wer sich durchsetzt», so Urwyler.

«Wir erwarten, dass auch in der Schweiz der Druck nach emissionsloser Mikromobilität weiter steigt.»

Claus Unterkircher, Voi

In Zürich, das im Vergleich zu Luzern eine sehr liberale Haltung zeigt, gab es bereits viel Kritik zu hören – kaputte Gefährte trübten das Strassenbild. «Wir beobachten die Situation in anderen Städten sehr genau», sagt Urwyler. «Aber es stellt sich schon die Frage nach der Qualität und der Nachhaltigkeit von diesen Gefährten.»

Hat die Stadt Luzern keine Angst, dass sie einen Trend verschläft? «Wenn sich die E-Trottinette tatsächlich durchsetzen, sind wir noch nicht zu spät», meint Urwyler.

Auch Bern wartet

Auch in der Stadt Bern werden die Trottis vorerst ausgebremst und kommen nicht vor 2020. Die Stadt erarbeitet momentan ebenfalls ein Bewilligungsverfahren, das bis Ende Jahr vorliegen soll.

Trotz Skepsis in Luzern und Bern – Voi hält an ihren Plänen fest: «Wir erwarten, dass auch in der Schweiz der Druck nach emissionsloser Mikromobilität weiter steigt und nach der Freigabe vor längerer Zeit in Österreich, sehr bald in Deutschland und in einigen anderen Städten in der Schweiz, auch in Luzern immer mehr Personen vom Auto auf das E-Trottinett umsteigen möchten», sagt Unterkircher.

Auch in Zürich geht’s übrigens nicht ohne Regulierung: Anbieter von E-Trottis und Velos bezahlen 10 Franken pro Monat und Gefährt, wie die «Neue Zürcher Zeitung» schreibt. Dazu kommt kommt eine Kaution von 50 Franken pro Velo und eine jährliche Kontrollgebühr von 1500 Franken.

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1 Kommentare
  1. Franz Peter Dinter, 04.05.2019, 12:27 Uhr

    «Wir erwarten, dass auch in der Schweiz der Druck nach emissionsloser Mikromobilität weiter steigt und [……..] in der Schweiz, auch in Luzern immer mehr Personen vom Auto auf das E-Trottinett umsteigen möchten». Emissionslos? Das gilt lediglich eingeschränkt für den Betrieb. Sowohl Herstellung als auch Entsorgung dieser Gefährte und ganz besonders der Akkus sind hingegen eine weitere Vergeudung von Resourcen und mit erheblichen Emissionen verbuinden. Und den Betrieb kann man nur als (fast) emissionsfrei bezeichnen, wenn die Akkus mit Strom aus Wasserkraft o. Sonnen- o. Windenergie geladen werden. Und den Schweizer möchte ich sehen, der sein(en) SUV gegen ein Trotti eintauscht…….Aber manche glauben ja noch so gerne an den Weihnachtsmann.