Trotz dreier Playoff-Dramen – es gibt nur #EisZiel für diesen EV Zug
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Die Hürde SC Bern ist übersprungen: Die Zuger jubeln nach dem 1:0 über den Einzug in den Halbfinal. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Rapperswil-Jona Lakers sind auf einer Mission Trotz dreier Playoff-Dramen – es gibt nur #EisZiel für diesen EV Zug

5 min Lesezeit 2 Kommentare 24.04.2021, 13:21 Uhr

Sind die Rapperswil-Jona Lakers ein Freilos für den EV Zug auf dem Weg in den Final? Die Vergangenheit lehrt uns: Mitnichten! Drei der vier Playoff-Duelle zwischen diesen beiden Teams haben Geschichte geschrieben. Der EVZ muss sich auf noch härtere Gegenwehr als gegen Titelverteidiger SC Bern gefasst machen. In der Qualität seines Spiels liegt aber der Schlüssel zum Finaleinzug.

Gelöst und erleichtert wirkte er, als er am späten Freitagabend auf dem Eis des SC Bern mit den Chronisten parlierte. Dan Tangnes und seine wackeren Mannen hatten den letzten Schweizer Meister von 2019, gegen den sie damals den Playoff-Final sang- und klanglos verloren, eben aus der aktuellen Meisterschaftsentscheidung gekippt. Mit ihrem besten Auftritt in der gesamten Viertelfinalserie (zentralplus berichtete).

«Wir haben einen harten Kampf gegen uns selber gewonnen», sagte der 42-jährige Norweger über den Verlauf der Serie, die der EVZ mit dem 1:0 in Bern mit 4:2-Siegen für sich entschied.

Um seine Haltung zu erläutern, hob Dan Tangnes die rechte Hand: «Die Erwartungen sind immens hoch. Auf der einen Seite gibt es einen Gegner, der alles gewinnen kann. Wir hingegen können nur verlieren. Im Halbfinal ist die Ausgangslage wieder die gleiche.»

Nächster Aussenseiter lauert auf die Sensation

Zumindest haben die Zuger nun Erfahrung damit gesammelt, wie sie mit dem psychischen Druck als Titelanwärter Nummer 1 erfolgreich umgehen können. «Wir haben das gut hingekriegt», befand Dan Tangnes.

«Die Rapperswiler sind auf einer Mission. Sie spielen mit Herz und Leidenschaft.»

EVZ-Trainer Dan Tangnes

Nach dem Neunten der Qualifikation lauert mit den Rapperswil-Jona Lakers ab Sonntag nun der Zehnte darauf, dem Ligadominator ein Bein zu stellen und eine sportliche Sensation zu schaffen. Aber die Zuger scheinen die nächste Herausforderung nicht zu unterschätzen. Nicht nur wegen der engen Resultate in der Qualifikation: Zwar gewann der EVZ alle vier Duelle, aber drei davon nur mit einem Tor Unterschied und das letzte am 12. Januar dieses Jahres mit zwei Toren.

Dan Tangnes weiss auch: «Die Rapperswiler sind auf einer Mission. Sie spielen mit Herz und Leidenschaft. Und vor allem für ihren scheidenden Coach Jeff Tomlinson.»

Besserer Goalie, besserer Punktesammler

Der Blick in die aktuelle Playoff-Statistik zeigt: Die Rapperswil-Jona Lakers haben mit Melvin Nyffeler den Goalie mit der besseren Abwehrquote (94,2 Prozent gegenüber den 90,78 von Leonardo Genoni). Sie haben mit Jeremy Wick den besseren Punktesammler (2 Tore und 5 Assists gegenüber 1 Tor und 5 Assists von Grégory Hofmann). Und sie verfügen über das bessere Unterzahlspiel (86,67 Prozent aller Strafen unbeschadet überstanden gegenüber den 85,19 Prozent von Zug).

Aber der EV Zug hat das deutlich bessere Überzahlspiel (Erfolgsquote von 17,39 Prozent gegenüber 4,35 Prozent des Gegners). Und er besitzt zweifellos auf jeder Position und in jeder Reihe mehr Talent, Breite und die im Playoff so wichtige Erfahrung.

«Der entscheidende Punkt ist, dass wir mit der richtigen Einstellung antreten, um unser Level abrufen zu können.»

EVZ-Trainer Dan Tangnes sagt, dass er in der Vorbereitung nicht zu tief in die Details über die Spielweise des Gegners eingehen werde. «Die Frage ist: Wie viel können die Spieler in dieser kurzen Zeit bis zum ersten Halbfinalspiel überhaupt aufnehmen?»

Nicht zuletzt weiss er: «Der entscheidende Punkt ist, dass wir mit der richtigen Einstellung antreten, um unser Level abrufen zu können. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.»

EVZ: Fragebogenskandal zerstört Vertrauen

In einer Playoff-Serie gegen die Rapperswil-Jona Lakers den Schlüssel zum Erfolg zu finden, gestaltete sich für die Zuger nicht immer leicht. Mit Ausnahme der Saison 1996/97. Da gab es für die Zuger in den Viertelfinals ein glattes 3:0 nach Siegen.

Aber dann folgten drei geschichtsträchtige Duelle: 1997/98 auf dem Weg zum bisher ersten und einzigen Meistertitel stellten sich die Ostschweizer den Zugern als erste Hürde in den Weg. Die zähe Viertelfinal-Serie gipfelte darin, dass Misko Antisin den EV Zug erst in der Verlängerung des siebten Spiels mit einem Schlagschuss von der blauen Linie zum entscheidenden 3:2 eine Runde weiterbrachte.

2005/06 stiessen die Rapperswil-Jona Lakers zum ersten Mal in ihrer Geschichte in die Halbfinals vor. Auf Kosten des EV Zug, der in der Folge durch einen internen Skandal erschüttert wurde. Als die Mannschaft nach einer 3:5-Niederlage im siebten Viertelfinalspiel ins eigene Stadion zurückkehrte, lag auf jedem Garderobenplatz ein Fragebogen. Damit wollte der damalige EVZ-Sportchef und heutige CEO Patrick Lengwiler hinter dem Rücken von Cheftrainer Sean Simpson eruieren, welche Gründe die Spieler für das Aus anführten. Weil Simpson davon Wind bekam, war das gegenseitige Vertrauen in der sportlichen Leitung fortan zerstört.

Zug kehrt Serie gegen Rapperswil nach drei Pleiten

Ein Jahr später revanchierte sich der EVZ in einem weiteren Playoff-Drama. In der Viertelfinalserie lag der EVZ schon 0:3 nach Siegen zurück, als das vierte Spiel in Rapperswil in ein Penaltyschiessen mündete. Der damalige Zug-Stürmer und heutige Ambri-Sportchef Paolo Duca sorgte mit seinem Versuch für die Entscheidung. Die Zuger kehrten in der Folge die Serie und zogen mit drei weiteren Siegen in den Halbfinal ein.

Seit der Einführung der Playoffs 1985/86 passierte es erst drei Mal, dass eine Mannschaft, die scheinbar hoffnungslos 0:3 nach Siegen im Hintertreffen lag, die Serie noch kehrte. Dem EVZ gelang dies als erst zweites Team nach Lugano (2006 gegen Ambri). Übrigens: 2008 mussten die Zuger diese bittere Pille zum Abschied von Trainer Sean Simpson im Viertelfinal gegen Davos selber schlucken.

Dan Tangnes wird in seinem Kopf schöne Bilder abrufen können, wenn er an die Rapperswil-Jona Lakers denkt. 2019, in seiner ersten Saison als Trainer des EV Zug, hat er den Cupfinal im Stadion des direkten Widersachers für sich entschieden.

Erster Schritt im Reifeprozess gemacht

Auch wenn sich die Rapperswil-Jona Lakers als hartnäckiger Gegner erweisen könnten: Unter dem Hashtag #EisZiel hat die EVZ-Klubleitung auf Plakatwänden in Zug und in den sozialen Medien die eigene Erwartungshaltung unmissverständlich formuliert.

Sie kann damit unmöglich ein ehrenvolles Scheitern im Halbfinal gegen einen Aussenseiter wie die Rapperswil-Jona Lakers gemeint haben. Schliesslich sind die Zuger die Mannschaft, die als letzte der Top 4 der abgelaufenen Qualifikation in den Playoffs verblieben ist. Nach den kräftigen Investitionen vor Beginn der letzten und vor Playoff-Start abgebrochenen Saison ist die Zeit reif für den nächsten Zuger Titelgewinn (zentralplus berichtete).

Das ist das Ziel. Und daran werden Dan Tangnes und seine Mannen gemessen. Mit dem Eliminieren des Angstgegners SCB haben sie schon einen wichtigen Schritt in diesem Reifeprozess gemacht.

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2 Kommentare
  1. Keiser, 25.04.2021, 13:29 Uhr

    Ja, es ist tatsächlich so. Der EVZ muss dieses Jahr Meister werden. Die Zuger sind so hoch oben, dass ein herunterfallen sehr schmerzvoll wäre. Andererseits sollte diese Arroganz auch bestraft werden.

  2. Sandra Klein, 25.04.2021, 08:39 Uhr

    Nur schade, kann man nicht im Stadion mit dabei sein!

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