Tränen, Blut und Spass: Kids lernen in Zug das Kochen
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Spitzenkoch René Weder bringt den Kids die Gastronomie näher. (Bild: cbu)

Profiköche zeigen Jugendlichen die Gastronomie Tränen, Blut und Spass: Kids lernen in Zug das Kochen

6 min Lesezeit 23.09.2021, 11:58 Uhr

Derzeit läuft in Zug das «Genuss Film Festival». Dabei sollen nicht nur Filmfans und Gourmets auf ihre Kosten kommen, sondern auch Kinder. Im Rahmen des «Genuss Film 4 Kids» lernen Kinder und Jugendliche den Umgang mit Lebensmitteln und Knigge-Regeln. Da fliessen schon auch mal Tränen – und ein paar Tropfen Blut.

Wer derzeit an der Zuger Seepromenade entlangschlendert, kommt unweigerlich am grossen Pavillon des «Genuss Film Festivals» vorbei. Am Dienstagmorgen gehörte er für einmal aber nicht dem Who is who der Zuger Gastro- und Film-Szene, sondern den Kindern.

Als Rahmenprogramm bietet der Anlass seit fünf Jahren das «Genuss Film 4 Kids» an. Ein Angebot, das sich an Zuger Schulen richtet. Während drei Vormittagen schauen Schulklassen erst im Kino Seehof einen Film zum Thema Essen – heuer ist mit «Taste the Waste» ein Dokumentarfilm vertreten, der sich mit Food-Waste auseinandersetzt –, führen anschliessend mit Festivalleiter Matthias Luchsinger eine Gesprächsrunde und wechseln dann rüber zum Pavillon. Und genau da trifft zentralplus ein, kurz bevor die Türen geöffnet werden.

An die Messer, fertig, los!

Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Jenseits der Glastüre hört man gedämpft schon das Geschrei und Gequassel von rund 50 Schüler. Im Pavillon selbst wird noch letzte Hand angelegt. Jonas Boog vom Buuregarte Boog aus Hünenberg drapiert noch das verbleibende frische Gemüse aus Eigenanbau auf dem Tisch. Er wird den Kids allerlei Wissenswertes rund um verschiedene regionale Gemüsesorten beibringen.

Ein Quintett von Spitzenköchen wird den Schülerinnen an diversen Stationen zeigen, wie man Zutaten richtig rüstet und zubereitet, und die Serivcefachfrau Christine Weder wird den Schülern erklären, wie man Tische nach Knigge-Regeln richtig deckt und sich während des Essens korrekt verhält.

«Beim Zwiebeln-Schneiden durch den Mund statt die Nase atmen.»

Jacky Donatz, Zürcher Spitzenkoch

Dann gehen die Türen auf und die Schulklassen strömen in den Pavillon. Die Stimmung ist heiter, die Kids sind neugierig und werden gleich in Gruppen eingeteilt und den einzelnen Stationen zugewiesen. Wir stellen uns zuerst zu Stefan Meier, der seit 1983 den Zuger Rathauskeller führt. Er zeigt den Schülern erst, wie man Gemüse wie Bohnen rüstet, wie man das Messer dabei korrekt hält und welche Teile der Artischocken roh und welche gekocht gegessen werden können.

Ohne Blut ging es nicht

Am Tisch daneben vermittelt Otto Zenger, der während fast vierzig Jahren die Zuger Gastroszene mit seinen Restaurants geprägt hat, die gleiche Aufgabe mit einer anderen Gruppe. An beiden Tischen greifen die Schülerinnen nach ersten Instruktionen der Köche beherzt zu den Rüstmessern und legen los.

Rund zehn Minuten nach Türöffnung kommt es zum ersten Notfall. «Das darf doch nicht wahr sein», stöhnt ein Junge genervt auf und läuft mit blutendem Finger zum «Lazarett», wo ihm eine Mitarbeiterin ein Pflaster auf die Wunde klebt. Der kleine Schnitt hält den Jungen jedoch nicht davon ab, sich gleich darauf wieder gut gelaunt an seinen Posten zu wagen.

«Ich werde ab jetzt auch ein bisschen mithelfen. Schliesslich weiss ich ja, wie’s geht.»

Eine Sek-Schülerin

Am Tisch des seit Jahren in Zürich tätigen Engadiner Spitzenkochs Jacky Donatz fliessen derweil die ersten Tränen. Das hat nichts mit Donatz› humorvoller Strenge zu tun, sondern liegt eher daran, dass die Kids nebst Pouletbrust auch Schalotten kleinschneiden. Hier lernen auch wir noch Trick 77 vom Meister: «Beim Zwiebeln-Schneiden durch den Mund statt die Nase atmen.» Wer hat denn gesagt, dass hier nur die Kinder was lernen? Ein Mädchen kommt um die Heulerei herum – auch sie huscht kichernd und leicht beschämt zum Pflästerli-Tisch.

Der Tisch will richtig gedeckt sein

Wo kommt die Serviette hin, wenn man vom Tisch aufsteht? Wie hält man ein Glas richtig? Mit diesen und anderen Fragen werden die Schüler bei Christine Weder konfrontiert. Sie vermittelt den Jugendlichen den Knigge-konformen Umgang mit Besteck, Tischtuch und Serviette. Für einige Kids Neuland, andere zeigen sich regelrecht erprobt.

Weder zeigt sich zufrieden mit ihrer ersten Gruppe. Der Tisch ist hübsch gedeckt, lediglich an zwei Plätzen schauen die Messer noch nach aussen. Dem Profi ist das natürlich nicht entgangen.

Curry? Lieber zu viel als zu wenig

Schliesslich lockt uns ein exotischer Duft nach hinten in die Küche. Hier lässt Koch Peter Bechter gerade Schülerinnen Teile des Hauptgangs zubereiten: Poulet an Gemüse-Curry mit Reis steht auf der heutigen Menükarte. Bechter kippt Currypulver in eine grosse Bratpfanne. Und das nicht zu knapp. «Ist das nicht zu viel?», fragt eine Schülerin skeptisch. Bechter zuckt mit den Schultern. «Das werden wir erfahren, wenn wir’s probieren», sagt er lachend und erklärt im Anschluss, wie Gemüsebouillon hergestellt wird, die er gerade flaschenweise in die Pfanne kippt.

Ob das Endergebnis schmecken wird? Davon ist auszugehen, Bechter ist in der Gastroszene nämlich kein Unbekannter und führt in Zürich die Kochschule «La Cuisine». Fragt man die Kinder, hört man verschiedene Meinungen. «Ein Kollege, der gestern hier war, fand’s nicht so gut», sagt ein Schüler. «Ich glaube, es wird lecker», sagt hingegen ein anderer. Freuen tun sich die Kids vor allem auf eines: den Nachtisch.

Der Tag macht Eindruck … bei einigen

Für die fünf Köche ist der Einsatz am «Genuss Film 4 Kids» eine «schöne Sache», wie uns Sternekoch René Weder erklärt. Weder hat im Sternen in Walchwil und zuletzt im Löwen in Menzingen gekocht. Für ihn sei es spannend zu sehen, wie viel einige Kinder schon wissen, wenn es um die Küche und das Drumherum geht. Und für alle anderen «… hat etwas Grundwissen über Tischmanieren noch nie geschadet», so Weder.

Bevor sich die Jungs und Mädels an die selbst gedeckten Tische setzen, um sich am 3-Gang-Menü gütlich zu tun, fragen wir nach, was denn vom heutigen Morgen hängen geblieben ist. «Ich habe schon viel gelernt», sagt ein Junge, der die heimische Küche sonst nur vom Abwasch her kennt.

«Ich helfe jetzt schon manchmal beim Kochen», sagt ein anderer Schüler. Sein Kollege lächelt ertappt. «Ich nicht», gibt er zu. Ob er denn nach dem heutigen Tag hin und wieder ein Rüsterli zur Hand nehmen wird? «Nö», kommt’s wie aus der Pistole geschossen. Etwas anders sieht es ein Mädchen aus der ersten Sek. «Ich werde ab jetzt auch ein bisschen mithelfen. Schliesslich weiss ich ja, wie’s geht», sagt sie und reibt sich dabei am frischen Pflaster.

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