Touristiker fordern Sonntagsverkäufe – Luzerner Detaillisten sind skeptisch
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Stadträtin Franziska Bitzi will keine städtischen Tourismusrayons einrichten. (Bild: jal)

Ladenöffnungsgesetz wurde gerade erst geändert Touristiker fordern Sonntagsverkäufe – Luzerner Detaillisten sind skeptisch

3 min Lesezeit 1 Kommentar 04.09.2020, 17:00 Uhr

Schweiz Tourismus prescht vor: In der ganzen Schweiz sollen die Innenstädte durch Sonntagsverkäufe belebt werden. Das ist aber nicht im Sinne der Tourismusdirektorin. Das heisse Eisen lassen auch die Luzerner Detaillisten vorerst liegen.

Gemeinsam mit ihren Städtepartnern verlangt Schweiz Tourismus die Belebung der Innenstädte als Tourismuszonen – «endlich auch am Sonntag», wie es in einer Mitteilung vom Freitag heisst. Der Verband verspricht sich, dass die durch die Coronakrise geplagten städtischen Detailhändler durch Sonntagsverkäufe für die einheimische Touristen zusätzlichen Umsatz generieren können.

Nicht nur die Gastronomie, sondern auch der Detailhandel «müsse» in den innerstädtischen Tourismuszonen sonntags offenhaben, heisst es weiter. «Unsere Gäste wollen lebendige Innenstädte erleben. Im Winter verlagert sich das touristische Erlebnis vermehrt nach innen. Damit gewinnt das gemütliche Stadterlebnis ‹Lädele› an grosser Bedeutung.» Und weiter: «Das muss auch am Sonntag möglich sein. Sonst sehe ich schwarz für die Stadthotels», stellt Schweiz-Tourismus-Direktor Martin Nydegger klar. 

Das Gesetz erlaubt Ausnahmen für den Tourismus

Handhabe dafür böte in Luzern das Ruhetags- und Ladenschlussgesetz. Im Rahmen eines Tourismusrayons wäre es möglich, für die dem Tourismus zugewandten Branchen «in Zeiten erheblichen Fremdenverkehrs» Öffnungszeiten bis 22.30 Uhr zu gestatten.

Laut Auskunft von Tourismusdirektorin Franziska Bitzi Staub (CVP) profitieren derzeit in der Stadt Luzern rund 40 Geschäfte von diesem Passus. Allerdings: «Aufgrund der Coronapandemie haben diverse Läden ihre Öffnungszeiten eingeschränkt und verzichten etwa auf die Möglichkeit eines Abendverkaufs.»

Tourismusdirektorin will keinen städtischen Alleingang

Zudem habe sich der Stadtrat schon früher gegen eine städtische, stattdessen aber für eine kantonale Lösung bei den Ladenöffnungszeiten ausgesprochen. Und der wohl wichtigste Grund: Gerade erst im Mai wurden die Ladenöffnungszeiten erweitert. Eine Gesetzesänderung, der ein jahrelanges, zähes Ringen vorausgegangen war. «Vor der Diskussion einer weitergehenden Liberalisierung in der Stadt sind nun zuerst Erfahrungen mit der neuen kantonalen Regelung zu sammeln», sagt Bitzi Staub.

Haben wenigstens die Detailhändler am Vorschlag Freude? Josef Williner, Präsident der Cityvereinigung, würdigt zunächst das Engagement der Touristiker: «Es freut uns, dass Schweiz Tourismus die Wichtigkeit des Zusammenspiels von Tourismus, Hotellerie, Gastronomie und Detailhandel erkennt.» Das Beispiel der City-Card (zentralplus berichtete) illustriere, wie gute Zusammenarbeit funktioniere.

Läden reizen heutige Öffnungszeiten nicht aus

Trotzdem gibt er dem Ansinnen von Schweiz Tourismus kaum eine Chance. Williner bezweifelt auch dessen Wirksamkeit: «Einfach die Geschäfte am Sonntag zu öffnen, wird nicht reichen», so Williner. Eine Belebung der Innenstadt hänge auch von Faktoren ab wie Konzerten, Ausstellungen und Festivals. Auf das wichtige Weihnachtsgeschäft hin spielten zudem die Märkte eine wichtige Rolle – und diese stehen gerade auf der Kippe. «Eine isolierte Massnahme macht da keinen Sinn», resümiert Williner.

Derzeit würden viele Geschäfte die bereits möglichen Öffnungszeiten nicht ausreizen. Williner verweist dabei auch auf das neue Ladenöffnungsgesetz. «Wir befinden uns in einem schwierigen Prozess. Auch an den sechs Tagen, an denen die Läden jetzt geöffnet haben dürfen, muss sich vieles noch einpendeln.»

Ein zusätzlicher Sonntag – höchstens

Es zeichne sich zwar ab, dass die einheimischen Gäste bereit sind, etwas mehr auszugeben als der durchschnittliche internationale Gast, so Williner. Die in einer Studie von 2016 geschätzten rund 120 Millionen Franken, die der internationale Tourismus in Luzern in den Detailhandel einspeist – Uhrenbranche ausgenommen –, könnten die einheimischen Gäste aber unmöglich kompensieren. Auch nicht durch zusätzliche Sonntagsverkäufe.

Williner lässt schliesslich durchblicken, dass er allenfalls einer «Mini-Variante» der von Schweiz Tourismus vorgeschlagenen Sonntagsverkäufe zustimmen könnte: Wenn die Detailhändler im Dezember einen vierten Sonntagsverkauf erhielten.

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1 Kommentare
  1. Jörg, 05.09.2020, 12:15 Uhr

    Sicher nicht jetzt langts was soll das Den Bucherer und Co, Idee

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