Touristen am Grendel Luzern: Diese Frau hat genug, aber kaum Hoffnung auf Veränderung
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Sehnt sich den Grendel von früher zurück: Anwohnerin Hedwig Renggli. (Bild: bic)

Kunst einer Einzelkämpferin wird zum Hilfeschrei Touristen am Grendel Luzern: Diese Frau hat genug, aber kaum Hoffnung auf Veränderung

7 min Lesezeit 24 Kommentare 03.06.2021, 17:00 Uhr

Anwohnerin Hedwig Renggli macht sich Sorgen um die Zukunft des Grendel in Luzern. Deshalb hat sie mit einer speziellen Aktion auf die Problematik des Massentourismus aufmerksam gemacht. Dass sich bald etwas ändert, glaubt sie aber nicht. Am Ende des Tages gehe es wohl um zu viel Geld.

Luzern und die Touristinnen. Dies gehört untrennbar zusammen. Dass der Tourismus für die Wirtschaft und den Wohlstand in unserer Stadt quasi sakrosankt ist, bestreitet im Grundsatz niemand. Auch würden wohl die wenigsten der Aussage widersprechen, dass selbstverständlich alle, die unsere Region besuchen wollen, willkommen sind und dass es irgendwie logisch und darum angezeigt ist, die natürlichen Gegebenheiten volkswirtschaftlich zum Wohle der Einheimischen zu nutzen.

Dennoch haben die Entwicklungen der vergangenen Jahre bei nicht wenigen zu Unmut geführt. Die kommerzielle Vermietung von Innenstadtwohnungen über Plattformen wie Airbnb ist nur eine der aktuellen politischen Diskussionen. Genauso ist die Menge an Gästen, insbesondere an den Hotspots in der Altstadt, einigen Bewohnerinnen mittlerweile ein Dorn im Auge. Hinzu kommt die Verdrängung von Traditionsgeschäften aufgrund stark gestiegener Mieten.

Nicht alle hatten Freude an der Aktion

Eine Luzernerin, die diese Prozesse nicht mehr länger hinnehmen will, ist Hedwig Renggli. Seit knapp 30 Jahren wohnt sie direkt oberhalb des Falkenplatzes. Für Aufmerksamkeit sorgte Renggli Mitte Mai, als sie am Grendel Kerzen und Trauerkärtchen für die verdrängten Läden und Cafés aufstellte (zentralplus berichtete).

Wir haben die medienscheue, eher reserviert wirkende und hagere Frau zum Gespräch getroffen. Nach langem Zögern war sie schliesslich bereit, über ihre Aktion zu reden, die laut Rolf Bossart, Präsident des Detaillistenverbands Luzern, nicht bei allen Geschäften gut ankam. Diese vermittle die falsche Botschaft, liess er sich ein paar Tage nach der Aktion im «Anzeiger Luzern» zitieren.

Fernsehbeitrag liess alles wieder hochkommen

Diese Kritik lässt Hedwig Renggli kalt: «Ich komme aus dem gestalterischen Bereich und möchte künstlerisch ein Zeichen setzen», sagt die gebürtige Ebikonerin, die seit knapp 30 Jahren an der Ecke Weggisgasse/Grendel wohnt. Diesen Wohnort schätzt sie – trotz der aus ihrer Sicht unbefriedigenden Entwicklungen – sehr, wie sie sagt. Zuvor hat Renggli auch noch in anderen Quartieren der Stadt gelebt.

«Ich musste mir meinen Weg regelmässig mit den Händen bahnen.»

«Auslöser meiner Aktion war ein Bericht von SRF über die fehlenden Touristen in Luzern. Dazu wurden Bilder von den Jahren vor Corona eingespielt und bei mir kam alles wieder hoch», erzählt die 64-Jährige. «Der Grendel mit den Massen von Leuten, die Cars, die fast überall einfach hinfahren und anhalten dürfen und mich als Velofahrerin abdrängen», schildert sie ihr persönliches Empfinden über die Lage an der Luzerner Touristenmeile.

Ihr sei immer mehr aufgefallen, dass die Leute in sie hinein liefen, wenn sie nicht von sich aus ausgewichen ist. «Ich musste mir meinen Weg regelmässig mit den Händen bahnen», so Renggli. Den Prozess der Zunahme ausländischer Gäste am Grendel beschreibt sie als schleichend. Aufgefallen sei es ihr dann insbesondere in den Jahren vor der Pandemie.

«Politik agiert zu zögerlich»

«In dieser Hinsicht stört es mich, dass es so lange gedauert hat, bis die grosse Mehrheit der Politik zum Schluss gelangt ist, dass nun etwas passieren muss. Zumal das Thema schon seit einigen Jahren auf dem politischen Tapet sei», hält Renggli fest. Die Motion, die den Stadtrat aufforderte, eine Tourismusvision zu erstellen, wurde beispielsweise von den Grünen Ende 2017 ins Stadtparlament gebracht und im Januar 2019 überwiesen. Die zuständige Stadträtin Franziska Bitzi (CVP) hat erste Resultate für diesen Herbst angekündigt.

Bevor sie ihre Aktion mit den Kerzen startete, wandte sich Renggli denn auch an die Stadträtin sowie an Marcel Perren, Direktor von Luzern Tourismus und Regierungsrat Fabian Peter (FDP). Alle drei haben ihr persönlich zurückgeschrieben. Die Korrespondenzen liegen zentralplus vor.                                       

«Die Verantwortlichen haben im Coronajahr immer wieder betont, dass man die Chancen nutzen wolle, welche die Pandemie bietet. Leider konnte mir aber niemand sagen, was das nun konkret bedeutet. Auch darum setzte ich ein künstlerisches Zeichen, mit meiner persönlichen Sprache», so Renggli.

Diese Trauerkarten hat Hedwig Renggli gestaltet und am Grendel ausgelegt.

Eine Einzelkämpferin?

Dass man bisher noch keine detaillierteren Vorschläge präsentiert hat, ist auch für Hedwig Renggli verständlich. Sie sagt aber: «Ich bin der Meinung, dass man den Leuten ruhig sagen dürfte, dass man noch nicht weiss, welche konkreten Lösungen man hat. Es geht mir auch um die Art der Kommunikation.»

«Ich wünsche mir ganz klar, dass die Touristenmassen nach Corona nicht mehr im gleichen Umfang zurückkehren.»

Hedwig Renggli ist eine Einzelkämpferin. Mitstreiterinnen hat sie sich bislang nicht gesucht. Das habe auch damit zu tun, dass man die Leute in der Nachbarschaft gar nicht wirklich kenne. «Im Haus, in dem ich wohne, trifft man eigentlich nur auf Geschäftsleute. Das ist so, seit ich am Grendel wohne.»

Dort, wo früher das Café Moc Einheimische bewirtete, gebe es heute mit dem «Asia Food Town» einfach ein grosses asiatisches Restaurant. Hauptsächlich für Touristen, sagt sie. Auch eine Wohnung sei zugunsten von Geschäften vor ein paar Jahren verlorengegangen.

Sie vermisst das Café und die Bäckerei nebenan

Generell bedauert es Renggli, dass das Angebot an Geschäften nur noch auf den Tourismus ausgerichtet sei. «Früher habe ich bei der Bäckerei Zai am Grendel eingekauft und mich im Café Moc, im Café Emilio oder im Mövenpick mit Freunden verabredet. In den Modegeschäften Balletto, Next by Kofler und Ochsner Sport habe ich immer wieder schöne Kleider und Schuhe direkt vor meiner Haustür gefunden.»

Reaktionen auf ihre Aktion mit den Kerzen und Trauerkarten habe sie einige erhalten. Auch von Leuten, die früher einmal am Grendel wohnten. «Endlich mache mal jemand etwas», habe der Tenor bei vielen gelautet. «Ich wünsche mir ganz klar, dass die Touristenmassen nach Corona nicht mehr im gleichen Umfang zurückkehren», lautet Rengglis Botschaft an die Entscheidungsträger, auf der ihre Aktion fusst.

Reaktionen direkt vor Ort habe es aber auch von zwei Mitarbeitern eines Luxusuhrengeschäfts gegeben. «Einer der Männer hat mich wiederholt gefragt, ob es mir eigentlich egal sei, dass am Grendel momentan viele Menschen keine Arbeit haben und in der Branche allgemein viele Arbeitsplätze verloren gehen», erinnert sich Renggli. «Ich habe ihm entgegnet, dass die früheren Betriebe wie die Bäckerei Zai Lehrlinge ausbildeten und Einheimische beschäftigten.»

Sind Einheimische nur Lückenbüsser?

Es sei diese Gleichgültigkeit, die manche Verantwortliche an den Tag legten, die sie störe. Auch wenn ihr bewusst sei, dass der Mitarbeiter wohl nicht aus Luzern stamme und einfach vor Ort seinen Job machen müsse. «Genervt hat mich aber vor allem, dass der Mann mir geraten hat, zum Kaffeetrinken doch einfach ins Bruchquartier oder in die Neustadt zu gehen.»

«Aussitzen und dann die ganze Walze wieder hochfahren, wird wohl die Strategie vieler Player sein.»

Zu denken gebe ihr ausserdem, dass man erst dann auf die Einheimischen und die Touristen aus der Westschweiz gesetzt habe, als der internationale Reiseverkehr zusammenbrach. Dass sich mittelfristig etwas ändert, mag Hedwig Renggli darum momentan nicht glauben. Denn viele seien so gierig auf die Grossgruppen, dass sie infrage stellt, ob diese Unternehmer wirklich bereit sein werden, hier etwas herunterzufahren.

Sie glaubt nicht an Veränderungen

«Aussitzen und dann die ganze Walze wieder hochfahren, wird wohl die Strategie vieler Player sein», befürchtet Renggli. Obwohl Corona gezeigt habe, dass plötzlich zuvor undenkbare Lösungen realistisch sind. Renggli spricht die Parkplatzbeizen an. «Hier müssen wir Betroffenen künftig den Finger drauf halten und sagen, dass es während der Pandemie ja auch geklappt hat, für drängende Herausforderungen Ideen zu finden und umzusetzen.»

Die Lösung habe natürlich auch sie nicht, sagt Renggli zum Schluss und mit Nachdruck. «Ich wünsche mir als Bewohnerin der Stadt einfach, dass es in der Altstadt sowohl für Touristen als auch für Einheimische genügend Platz gibt. Dass man bereit ist, alle Stimmen anzuhören und dass man, wenn nötig, halt eine Coronazwischenschlaufe einlege. Auch wenn es dafür vielleicht eine zusätzliche Umfrage braucht.»

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24 Kommentare
  1. Peter Gmür, 07.06.2021, 16:56 Uhr

    Diese Aktion von Hedwig Renggli ist schon sehr peinlich und für mich nicht ganz nachvollziehbar. Ein zurücksehnen nach einer vermeintlich guten, alten Zeit ist mehr als nur naiv. Die Aussage, dass sich der Luzerner Tourismus erst in der Pandemie auf die Westschweiz und die übrige Schweiz konzentriere ist nachweislich einfach nur falsch. Mehr als 80% der Tagestouristen in Luzern sind Schweizerinnen und Schweizer.
    Leider sind auch die meisten Kommentare alles andere als erfreulich. Beschämend für Luzern. Mir ist es ein Rätsel, warum man so viel Antipathie haben kann gegenüber Touristen. Nicht nur Neid scheint mir recht verbreitet zu sein, sondern auch eine Abneigung gegen Fremdes, gegen Ausländer. Das letztendlich noch Macher, wie Robert Casagrande, aufs übelste beschimpft werden, ist zumindest für mich, sehr irritierend. Die Stadt Luzern braucht solche Macher, keine Motzkis, Nörgeler und Besserwisser, die , so scheint es mir auf jeden Fall, schon sehr frustriert sein müssen.
    Ich auf jeden Fall, sehne mich nach den Touristen, die wieder die Stadt besuchen. Je mehr desto besser.
    Ich bin für eine offene, bunte, lebendige Stadt, eine farbige Stadt die für alle da ist und nicht nur für ein paar privilegierte, frustrierende, graue, langweilige Menschen. Der Grendel hat durch die tollen Uhrengeschäfte nur gewonnen. Ich sehne mich nach den Touristen, die wieder Leben in diese Stadt bringen.

    1. Petra Wirz, 07.06.2021, 17:49 Uhr

      Der Grendel hat durch die tollen Uhrengeschäfte nur gewonnen? Das denken auch nur die Menschen in Ihrem bunten Turbokapitalismus-Umfeld, das unsere Leuchtenstadt an die Meistbietenden verscherbeln möchte. Verkaufen Sie Uhren oder Schokolade😉?

    2. Scheidegger, 16.06.2021, 10:36 Uhr

      Sie realisieren nicht, dass es für viele Stadtluzerner unerträglich geworden sind. Die Asiaten sind unflätige Menschen, welche sich nicht über die kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten der Schweiz informieren, geschweige sich dafür interessieren. «You are rude!» ist meine Antwort auf das Gedränge und Geschubse. Das Verhalten ist inakzeptabel und weder Luzern Tourismus, noch die Politik interessiert sich für die Anliegen der Stadtbevölkerung. Andauernd will man uns erklären, dass der Tourismus für Luzern wichtig ist. Das ist sicher richtig, doch alles andere als nachhaltig. Es ist ökologischer und ökonomischer Unfug, Souvenirartikel in China zu produzieren um diesen in Luzern den Chinesen zu verkaufen.
      Tatsächlich hat Luzern nichts gewonnen! Die Altstadt hat an Charme verloren, verkommt zu einer «Duty-Free-Zone» und könnte genau so gut auf der Allmend oder in Kloten stehen. Etwas mehr Nachhaltigkeit wäre Luzern dringenst zu wünschen.

  2. Pia Wirz, 06.06.2021, 23:56 Uhr

    Lieber Herr Casagrande, ein bisschen Selbstkritik würde Ihnen sicherlich nicht schaden. Wenn ich den Artikel und die Kommentarspalte hier durchlese, nehme ich keinen Hass wahr, sondern Ärger. Offenbar hat der Massen- bzw. Overtourismus, auf dem Ihr Geschäftsmodell gründet, in den letzten Jahren für immer mehr Empörung gesorgt. Ich finde es gut, dass es Medien wie Zentralplus gibt, die nicht wie die NLZ vor dem Luzerner Tourismus-Teig kuschen und Menschen wie Hewig Renggli sowie kritischen Stadtbewohner/-innen eine Stimmme geben.

  3. Robert Casagrande, 06.06.2021, 13:29 Uhr

    wow der ganze Hass kommt aus Ihnen raus. Sie verbergen sich hinter Kaufmann, Schwanenplatz und Steuerstelle. Zeigen Sie ihre Identität. Ich verzichte darauf meinen Lebenslauf zu produzieren. Es ist unglaublich und absolut unwahr was Sie in den Raum stellen. Unsere Mitarbeiter haben faire Löhne. Die Firma Casagrande zahlt wie die 100 Mitarbeiter ehrlich Steuern. Die Casagrande Familie engagiert sich seit Jahren für Kultur, Soziales, Sport und Erziehung. Alles andere ist gelogen. Wie betont arbeiten wir an Lösungen mit um Luzern weiterhin für Besucher attraktiv zu machen. Wir glauben, im Gegensatz zu Ihnen, dass Tourismus ein wichtiger Faktor für den Wohlstand von Luzern ist. Das Shoppingerlebnis ist ein Teil davon. Die überwiegende Mehrheit der bei uns verkauften Artikel sind Swiss Made.

    1. Schwanenplatz, 07.06.2021, 13:11 Uhr

      Da bin ich anderer Meinung als Sie Herr Casagrande.
      Weiter ist mein Kommentar als meine Meinung gedacht. Auch mit der Frage habe ich „nur gefragt“.

      Ihr Schreiben hingegen, wirkt auf mich eher wertend.

      Wie schon unten erwähnt, meine Meinung: Cartouristen braucht es nicht. Hingegen die individuell Reisenden finde ich persönlich okay.
      Aber das ist meine persönliche Meinung.

    2. Scheidegger, 16.06.2021, 10:37 Uhr

      Die Kritik hat nichts mit Hass zu tun. Erschreckender ist wohl eher die Tatsache, dass Sie sich in einer SRF-Dokumentation als Stadtplräsidenten aufspielen und die Entlassung eines langjährigen Mitarbeiters filmisch dokumentieren lassen. Das ist reinster Zynismus!

  4. Kaufmann, 05.06.2021, 16:04 Uhr

    Welche Bedeutung hat der Schwanenplatz-Tourismus wirklich?
    Trotz Pandemie schliesst die Stadt Luzern das Rechnungsjahr 2020 mit einem Ertragsüberschuss von 10,1 Mio. Franken ab.
    Beim Steuerertrag wird der Corona-bedingte Minderertrag auf 1,7 Mio. Franken GESCHÄTZT, das sind gut 0,2 Prozent aller Einnahmen.
    Das mit der ehrenamtlichen Arbeit bei Herrn Casagrande finde ich ehrenwert.
    Beim genauen Hinsehen ist diese von rein geschäftlichem Interesse. Das Ideelle, die Mitarbeit an der wirklichen Basis im Kultur- oder Sport-Bereich fehlt vollständig.

  5. Steurstelle, 05.06.2021, 09:43 Uhr

    Die knapp chf 20.- Stundenlohn, Herr Casagrande, welche Ihre Angestellten versteuern, bringen nicht wirklich die grosse Steuereinnahme. Also dieses Argument wird eher gegen Sie verwendet, als dass sie sich damit „brüsten“ können.
    Viele Aushilfskräfte kommen wahrscheinlich nicht mal in die AHV, geschweige denn in BVG Pflicht.

    Kurz um, Steuerlich lohnen sich die Tagestouristen Geschäfte nicht wirklich für Luzern.

    Lieber Übernachtungstouristen und Individualreisende.

  6. Robert Casagrande, 04.06.2021, 17:17 Uhr

    Ich habe die Bashings gegen Fremdes und mich gelesen. Ich verstehe auch, dass wenn ich die Branche und mich verteidige dies ein zeichen von Schwäche ist. Einige werden mich weiterhin hassen, beneiden und verdammen. Ich wohne jetzt seit 4 Jahren in Nidwalden, vorher habe ich mein ganzes Leben in Luzern verbracht. Die Firma bezahlt wie erwähnt die Steuern in Luzern. Mein Bruder und meine Neffen wohnen in Luzern. Mein Lebensmittelpunkt ist Luzern. Ich habe versucht zu geben und mich für Luzern immer in Fronarbeit engagiert. Ich bin seit über 40 Jahren im Quartierverein und jahrzehnte im Vorstand. Ich war 7 Jahre Präsident und danach zum Ehrenpräsidenten gewählt. Ich glaube, weil ich mich nie egoistisch für unsere Firma eingesetzt habe, sondern immer die Interessen der Bewohner, Geschäftsleute und Liegenschaftsbesitzer gleichwertig in den Mittelpunkt gesetzt habe. Ich arbeite mit an der Vision Cartourismus und auch an der Vision 2030. Wir suchen Lösungen die ein gutes Nebeneinander ermöglichen. Es gibt für mich keine Menschen 1. oder 2. Klasse. Respekt und Toleranz sind ein wichtiges gut. Darum freue ich mich an jeder Begegnung mit Luzernern und bin bereit mich auszutauschen. Wir erleben im Moment die grösste Krise in unserer Firmengeschichte. Bis nächstes Jahr werden nur wenige Touristen kommen. Trotzdem ist es uns möglich (auch Dank KAE) 100 von 110 Mitarbeitern welche hier Steuern bezahlen weiter Sicherheit zu bieten, dass Sie einen Job haben, obwohl Sie teilweise über ein Jahr nicht mehr arbeiten durften. Einige dieser Leute haben vielleicht nicht die gleiche Farbe und Augen wie wir, aber Sie identifizieren sich mit Luzern der Schweiz und einem fairen Arbeitgeber. Es sind wunderbare Menschen, geben sie sich Mühe und lernen Sie Sie kennen bevor Sie abschätzig beurteilen.

    1. Schwanenplatz, 04.06.2021, 23:21 Uhr

      Es tut mir Leid, dass sie mit ihrer Firma einen dermaßen Einbruch erleben.
      Ich denke, es geht in diesen Artikel vielmehr darum, dass es vielen Luzernern und Luzernerinnen stinkt, diesen Massentourismus zu ertragen. Bern macht das viel angenehmer! So wie ich es wahrnehme , möchten viele Luzerner/innen gar nicht mehr zurück zu dem verstopften Schwanenplatz. Vielleicht wäre es gut innovativ zu denken und etwas anderes/neues an zu bieten.

    2. Stefanie Inderbitzin, 04.06.2021, 23:40 Uhr

      Danke für Ihre Sicht, Herr Casagrande. Ich finde es toll, dass Sie selbst hinstehen und ihre Sicht erklären. Ich wünsche Ihnen und Ihren Angestellten viel Erfolg.

    3. Peter Bitterli, 05.06.2021, 07:39 Uhr

      Sie verkaufen chinesischen Müll an Chinesen. Der gleiche chinesische Müll wird in Venedig, Prag und Paris an die gleichen Chinesen verkauft. Im Quartierverein und an allerlei Projekten, die in Ihren Kreisen „Vision“ heissen, arbeiten Sie mit, weil Sie noch mehr Müll an noch mehr Chinesen verkaufen wollen. Das ist Ihr gutes Recht. Nicht Ihr gutes Recht ist es, sich deswegen als grosser Altstadtretter und Menschenfreund aufzuspielen. Das Arbeitsplatzargument sticht hier zu allerletzt, da ein besserer Branchenmix mindestens genauso viele Arbeitsplätze zur Folge hätte, und zwar innovative, befriedigende, müllfreie. Die Schiene mit der unterstellten Fremdenfeindlichkeit gegenüber den Gegnern Ihrer „Visionen“ ist nachgerade zynisch. Mir persönlich wäre es lieber, wenn ich mir Ihre Läden nicht an jeder Ecke der Stadt ansehen müsste, genauso wenig übrigens wie etwa diejenigen des quartierbäckereitötenden Bäckers und einiger Anderer, die sicher alle das gute Recht haben, zu geschäften wie sie es nun mal machen. Dass sie es nicht für die Menschen tun, die sich länger als zwei Stunden in Luzern aufhalten, geht ja schon aus der schlichten Tatsache hervor, dass sie diejenige Infrastruktur vernichten, die sich an den Einheimischen ausrichtet.

    4. Schwanenplatz, 05.06.2021, 09:54 Uhr

      Weshalb betonen Sie, das einige Mitarbeiter nicht dieselbe Farbe haben?
      Sie probieren hier doch nicht etwa den Massentourismus Kritikern etwas zu unterstellen?
      Wie gesagt, individuell Reisende erträgt Luzern meiner Meinung nach gut.

      Was, ausser ihr persönliches Kapital gefällt Ihnen an den Cartouristen?

  7. Heinz Gadient, 04.06.2021, 12:22 Uhr

    Eine grossartige Aktion von Hedwig Renggli. Vergleicht man die Altstadt von Luzern mit Chur, Solothurn, St.Gallen, Fribourg oder fast jeder andern Schweizer Stadt, so macht Luzern einen ganz lausigen Eindruck.

  8. Roli Greter, 04.06.2021, 10:42 Uhr

    Bravo Frau Renggli! Sie vertreten eine breit abgestützte Meinung, von Herzen DANKE!

  9. Daniel Steiner, 04.06.2021, 06:29 Uhr

    Es wird hier immer wieder davon gesprochen, dass nur wenige davon profitieren. Falsch! Diese wenigen, deren Namen niemand aus Angst erwähnt, beschäftigen einige hundert Arbeitnehmer und je mehr sie «profitieren» umso mehr bezahlen sie Steuern, was es der Stadt erlaubt einen moderaten Steuerfuss zu haben! Wir profitieren alle!

    1. Alice Camenzind, 04.06.2021, 10:01 Uhr

      Falsch. Robert Casagrande hat seinen Steuersitz beispielsweise im Kanton Nidwalden. Einige hundert Mitarbeiter beschäftigt die ganze Tourismusbranche, nicht die wenigen Geschäfte, die nur auf den Cartourismus ausgerichtet sind. Wir brauchen nachhaltigen Tourismus in unserem schönen Lozärn.

    2. Stadt Luzerner, 04.06.2021, 10:26 Uhr

      @Daniel Steiner – Hätten sie die DOK-Sendung auf SRF mitverfolgt, so hätten Sie selber gesehen, dass insbesondere in den Souvenirläden nicht wirklich viele Einheimische ihr Geld verdienen. Im Umkehrschluss heisst das, gäbe es diese Läden nicht, wären auch diese Arbeiter/innen nicht hier. Zudem würden heute mindestens genauso viele Menschen am Grendel arbeiten (wenn nicht noch mehr), würde es diese Touristen- und Uhrenläden nicht geben. Halt einfach in einer anderen Branche….. Nehmen Sie das ehem. Coop-City / Vögele Gebäude in der Hertensteinstrasse als Beispiel……. Dieses wurde schon x-mal Totalgeschlossen, Umgebaut, Läden sind ausgezogen, neue Läden sind gekommen etc. und trotzdem Arbeiten da heute mind. genauso viele Menschen wie vor 35 Jahren. Es entsteht immer neues, wenn etwas geht…….. Wäre schön, wenn das am Grendel auch bald wieder passieren würde!

    3. Daniel Steiner, 04.06.2021, 13:13 Uhr

      @Alice Camenzind
      Herr Casagrande mag seinen Steuersitz in Nidwalden haben,nicht so seine AG die in der Stadt Luzern steuerpflichtig ist. @Stadt Luzerner. Beispielsweise die Firmen Bucherer und Günstig, die ja auch beim bashing enthalten sind, bieten über 500 Leuten einen Job! Und was meinen Sie mit «Einheimischen»? Ist eine Frau asiatischen Ursprungs, die in Luzern wohnt keine Einheimische? Dünnes Eis würde ich sagen.

  10. Schwanenplatz, 03.06.2021, 23:37 Uhr

    Ich bin der Meinung, dass wir Stadt Luzerner/innen nichts von den Cartouristen haben. Die Essen ja sogar nicht mal etwas in Restaurants. Nur 2-3 Läden profitieren wohl…
    …aber klar abzugrenzen von den Individualtouristen, welche wirklich Luzern erleben möchten, essen und schlafen in der Stadt und somit auch wir etwas in Form von Taxen und Steuern zurück bekommen.

  11. Fritschi, 03.06.2021, 23:32 Uhr

    Hut ab vor dieser Frau. Sie spricht das an, was viele Luzerner denken. Viel zu lange habe wir den unsinnigen Cartourismus, von dem nur einige wenige Geschäfte profitieren, zähneknirschend toleriert.

  12. 6003-Luzernerin, 03.06.2021, 23:19 Uhr

    Auch mir spricht Frau Renggli aus der Seele. Jahrzehntelang haben sich einige wenige Juweliere und Souvenirverkäufer (Steuersitz im Nidwaldnischen inklusive) eine goldene Nase verdient, ohne an die Bedürfnisse der Stadtbevölkerung zu denken. Es ist gut, dass Corona zwangsläufig zu einem Nachdenken über einen nachhaltigeren Tourismus geführt hat. Diese Stadt gehört uns allen.

  13. Luzern Lover, 03.06.2021, 21:18 Uhr

    Frau Renggli, sie sind für mich eine Heldin! Kämpfen Sie bitte weiter, kein echter Luzerner/in vermisst den früheren Gruppentourismus! All die Uhren- und Souvenirläden sollen dort hin verschwinden, wo der Pfeffer wächst. Luzern war in den letzten 30 Jahren nie schöner und lebenswerter als es aktuell grad ist. Hunderte von glücklichen Einheimischen aus der Schweiz vermischt mit interessierten, nachhaltigen Individualtouristen, welche die Stadt und die vielen Gartencafes und Gartenbeizen beleben. Es ist wie im Traum! Vielleicht bekommen wir eines Tages auch den Grendel zurück.

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