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Tourismuszahlen: Der 6. Rekord in Folge
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Wieder alles übertroffen: Philipp Gmür (Verwaltungsratspräsident der Luzern Tourismus AG, links) und Direktor Marcel Perren informieren über die Strategie und die neusten Zahlen. (Bild: bra)

Noch nie so viele Touristen in Luzern Tourismuszahlen: Der 6. Rekord in Folge

6 min Lesezeit 10.05.2016, 17:20 Uhr

Alles top: Der Luzerner Tourismus hat wieder mal ein erfolgreiches Jahr hinter sich. Bei den Übernachtungszahlen der Stadt Luzern ist es der 6. Rekord in Folge. Doch am Mediengespräch mit dem Tourismusdirektor und dem Verwaltungsratspräsidenten von Luzern Tourismus AG werden auch kritische Töne angeschlagen.

Die Luzern Tourismus AG (LTAG) durfte am Dienstag im Grand Casino Luzern an einem Mediengespräch über einen sehr erfreulichen Abschluss bezüglich Übernachtungszahlen berichten. Im Geschäftsjahr 2015 wurden in der Stadt Luzern rund 1’280’000 Übernachtungen gezählt, was eine Zunahme von 5,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. «Das ist der 6. Rekord in Folge», freut sich Direktor Marcel Perren.

Die Tourismusregion Luzern-Vierwaldstättersee verzeichnete rund 3’606’650 Logiernächte (+4,4 Prozent), auch für die Region waren es so viele wie noch nie, so Perren. Und dies, obwohl das Geschäftsjahr herausfordernd begann, nachdem die Logiernächte zu Beginn im Januar und Februar in der Stadt Luzern noch leicht rückläufig waren. Die Region Luzern-Vierwaldstättersee ist mit einem Plus von 0,8 Prozent per Ende März stabil in das Jahr 2016 gestartet. «Wir müssen allerdings festhalten, dass Ostern in diesem Jahr im Monat März und 2015 im Monat April war.»

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Anteile der Märkte 2015.

Anteile der Märkte 2015.

(Bild: zVg)

Auslandmärkte: Mehr Asiaten und Amerikaner, weniger Europäer

Für das auch im schweizweiten Vergleich überdurchschnittlich positive Abschneiden im Jahr 2015 sind insbesondere die Gäste aus den asiatischen Märkten (Stadt Luzern +19,3 Prozent, Region +28,9 Prozent) sowie die Besucher aus den amerikanischen Märkten (+10,5 Prozent, +5,9 Prozent) verantwortlich.

«Die LTAG will mit ihren Partnern im jeweiligen Segment Spitze sein.»

Die Europamärkte hingegen waren insbesondere aufgrund des starken Schweizer Frankens massiv rückgängig (−12,7 Prozent, −11,7 Prozent). Vor allem die traditionell wichtigen Märkte wie Deutschland, Niederlande und Grossbritannien verzeichneten starke Rückgänge. Der Heimmarkt Schweiz hat erfreulich positiv abgeschlossen (+3 Prozent, +2,6 Prozent).

Die Schweizer sind nach wie vor mit grosser Mehrheit die wichtigste Gästegruppe (Anteil Stadt Luzern 26 Prozent, Anteil Region 42 Prozent). Die Stadt Luzern ist bei den US-Amerikanern, welche die grösste Gästegruppe stellen, sehr beliebt. Luzern hat sich zudem 2015 von Rang 3 auf Rang 2 der beliebtesten Schweizer Destinationen in den USA gesteigert. In der Region stellte im Jahr 2015 China den wichtigsten Auslandmarkt – vor Deutschland und den USA.

Strategische Ausrichtung und Businessplan 2017−2020

Die strategische Ausrichtung der LTAG wird sich insbesondere auf die bereits lancierte «Premium»-Qualitätsstrategie fokussieren, so Perren. Was das heisst? «Die LTAG will mit ihren Partnern im jeweiligen Segment Spitze sein. Das kann auch ein Zwei-Sterne-Hotel mit Superservice bedeuten.» Generell wolle man sich qualitativ noch weiter entwickeln und «die erstklassige Erlebnisregion der Schweiz» werden (dazu später mehr in der Zusammenfassung des Gesprächs). Dabei soll für alle am Tourismus Beteiligten eine höhere Wertschöpfung erreicht werden.

Die weiteren Ziele der kommenden Businessplan-Periode laut Perren sind: Die Vernetzung mit Partnern und Anspruchsgruppen noch breiter und nachhaltiger gestalten, die Dachmarke Luzern stärken, die Organisationsentwicklung weiterverfolgen, segmentspezifische Gästeansprache optimieren, den ländlichen Tourismus weiter entwickeln sowie eine nachhaltige Tourismusentwicklung fördern. «Die LTAG zählt weiterhin auf den Erfolg eines breiten Markt-Portfolios und wird ab 2017 weltweit rund 20 Märkte bearbeiten.»

Betreffend Märkteentwicklung könne davon ausgegangen werden, dass der Heimmarkt weiter an Bedeutung gewinne, in Europa erst ab 2018 ein moderates Wachstum zu erwarten sei und sich die USA weiterhin positiv entwickeln werde. «Unter den asiatischen Märkten wird sich China auf etwas tieferem Niveau steigern, aus Südostasien, Indien und den Golfstaaten sind hingegen hohe Wachstumsraten zu erwarten», sagt Perren. 

Das Marktumfeld werde in den kommenden Jahren von folgenden Faktoren geprägt sein: Herausfordernde Rahmenbedingungen wie starker Schweizer Franken und Terrorgefahr, Änderungen in der Nachfrage (zunehmende Digitalisierung), Anpassungen im Buchungsverhalten und gesellschaftliche Veränderungen.

Die wichtigsten Punkte aus der Gesprächsrunde

Marcel Perren und Philipp Gmür auf dem Balkon des Grand Casinos Luzern.

Marcel Perren und Philipp Gmür auf dem Balkon des Grand Casinos Luzern.

(Bild: bra)


Was konkret beinhaltet die Strategie von Luzern Tourismus?

Marcel Perren: Es geht um die folgenden Ziele: Die Anzahl der Wiederholungsgäste zu steigern, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste zu erhöhen, einen idealen und beständigen Gästemix zu erreichen, bessere Auslastung in der Nebensaison und unter der Woche, besserer Mix der Quellmärkte sowie ein moderates Wachstum der Logiernächte bei höherer Wertschöpfung pro Gast.

Thema Gastfreundschaft: Wie wollen Sie erreichen, dass im Luzerner Café der Service besser ist als beispielsweise in Deutschland, wo er viel weniger kostet?

Philipp Gmür: Wir als Vermarktungsorganisation können zusammen mit den Aktionären Pläne entwickeln und Inputs geben, wo wir konkret Defizite und Potenzial erkennen. Nur Durchschnitt reicht eben nicht. Das bestätigen Umfragen immer wieder. Nicht zuletzt muss man auch darauf hinweisen, dass Arbeitsplätze im Tourismus attraktiv sind. Der Job soll mit Freude gemacht werden und das soll gute und spannende Leute anziehen.

Inwiefern sind interkulturelle Differenzen hier ein Thema?

Gmür: Wir müssen solche Diskussionen mit Bedacht führen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht das Image eines Landes bekommen, in dem man nicht willkommen ist. Hier werden zum Teil Geschichten über Einzelfälle aufgeblasen, über spuckende Chinesen oder unartige Inder. Aber grundsätzlich haben wir überhaupt kein Problem, das müssen wir immer wieder sagen. Wir pflegen eine Willkommenskultur. Was uns hin und wieder schwerfällt: Schenke dem Gast ein Lächeln. Es ist nicht gottgegeben, dass Gäste hierherkommen.

Perren: Man muss sich vor Augen führen: Tourismus schafft Arbeitsplätze. 6 Prozent der Beschäftigten im Kanton Luzern arbeiten im Tourismus und 5 Prozent der Wertschöpfung kommt vom Tourismus. Wenn nun ein Gast 5 Sekunden zu früh über den Fussgängerstreifen marschiert, dann sollte man auch mal an das denken, was sie uns bringen, finde ich.

Der Tagestourismus – oder bös gesagt der Massentourismus – gibt immer wieder zu reden. Er wirft weniger Wertschöpfung ab, weil keine Übernachtungen stattfinden. Warum werden hier nicht verschiedene Massnahmen definiert, um den nachhaltigen zu fördern und den weniger nachhaltigen einzudämmen?

Perren: Das brauchen wir nicht separat zu definieren. Unsere Anstrengungen sind ganz grundsätzlich in Richtung Übernachtungstourismus ausgerichtet. Das ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Durchschnittlich werden bei uns 1,72 Übernachtungen generiert. Das ist relativ wenig, aber der Schweizer Schnitt liegt zum Vergleich bei 2,1. Unser Ziel ist es, die Gäste länger hier zu halten. Gleichzeitig gibt es allerdings viele Betriebe, von der Schifffahrt über Uhrenläden und Souvenirshops, welche hochattraktive Umsätze generieren.

Gmür: Ein Gruppentourist fällt an sich mehr auf als ein Individualtourist. Aber das ist beim Schweizer nicht anders: Sobald ein Schweizer eine Rundreise in China macht, wird er sich zuerst auch an dem Westlichen und Heimischen orientieren. Erst wenn er dann Reiseerfahrung hat, kommt er wieder. Das funktioniert meistens so.

 

Jessica Ternes neu im Verwaltungsrat der LTAG

Als neues Verwaltungsratsmitglied wurde heute Frau Jessica Ternes, General Manager AMERON Hotel Flora, Luzern, gewählt. Sie ersetzt Fritz Erni, Direktor Art Deco Hotel Montana, der aufgrund der Amtszeitbeschränkung aus dem Verwaltungsrat austritt und sich in diesem Gremium von 2006 bis 2016 engagiert hat.

Jessica Ternes war in Zürich, St. Tropez, London und Tegernsee in der Hotellerie tätig und führt seit 2010 das AMERON Hotel Flora. Sie gehört dem Vorstand von Luzern Hotels an und leitet den Beirat des Marketingfonds. Philipp Gmür als Präsident sowie die übrigen Mitglieder des Verwaltungsrates wurden für eine weitere 3-jährige Amtsperiode bestätigt.

 


 

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