«Promotionseffekt»

Wie der Bürgenstock-Gipfel der Stadt Luzern nutzt

Der Tourismus Award 2021 im KKL: Hier applaudiert die Branche, die nun von der Friedenskonferenz profitiert. (Bild: Jan Rucki)

Mit dem Staatsgipfel auf dem Bürgenstock erhält auch die Stadt Luzern weltweit Aufmerksamkeit. Davon kann sie profitieren – und ein altes Ziel verfolgen.

«Al Mayadeen», «Voice of America», «Hindustan Times»: Zeitungen weltweit schreiben über Luzern. Denn keine zehn Kilometer Luftlinie entfernt findet dieses Wochenende eine Friedenskonferenz statt, der Bürgenstock-Gipfel. Weil der Nidwaldner Berg weltweit wenig bekannt ist, schreiben die Zeitungen aber meist: «near the Swiss city of Lucerne».

Das ist eine weltweite Promotionskampagne für Luzern, die weder Stadt noch Kanton bezahlen musste. Deren Früchte sie aber ernten können: So viel ist sicher.

Stadt will den Kongresstourismus stärken

Denn: Tourismus ist eine der grossen Einkunftsquellen der Region. Im Jahr 2019, vor Corona, erwirtschaftete die Branche eine Bruttowertschöpfung von 1,3 Milliarden Franken und war für 12’500 Arbeitsplätze im Kanton Luzern verantwortlich.

Doch Luzern will von seinem Bild als Stadt der Reisegruppen weg. Musikfestivals, Theater und Kongresse: In der städtischen Vision «Tourismus 2030» ist dieses Segment einer von drei Pfeilern für die künftige Entwicklung der Tourismusbranche. Weniger Cars, mehr Anzugträgerinnen und Festivalgänger – so die Idee.

Stadt Luzern will weniger Cartourismus. (Bild: Emanuel Ammon)

Auf Anfrage bestätigt die Stadt: «Ziel der Kongressförderung ist es, Luzern als eine der bedeutendsten Kongressstädte der Schweiz zu etablieren.» Die Stadt würde daher gemeinsam mit der Wirtschaft und den Hotels die Entwicklung und Durchführung von Kongressen finanziell fördern. Denn Kongressbesucher haben gegenüber Individualtouristinnen viele Vorteile.

Warum Kongresse Luzern Nutzen bringen

Erstens bleiben Kongressteilnehmerinnen häufig länger in der Stadt, während Freizeittouristen oft nur einen Tagesausflug nach Luzern machen oder einmal übernachten. Längere Aufenthaltszeiten haben Vorteile: weniger Reiseverkehr und gleiche Wertschöpfung bei weniger Besuchern zum Beispiel.

Ein zweiter Vorteil von Kongresstourismus: die saisonale Auslastung verbessere sich, wie die Stadt schreibt. Konferenzen finden auch im Frühling und Herbst statt – also in den Nebensaisons, wenn Hotels mit leeren Zimmern kämpfen.

Ein dritter Grund, warum Kongresse Sinn ergeben: Geschäftstouristen geben einen Drittel mehr Geld aus als Freizeittouristinnen. So schrieb es der Kanton Luzern in seinem Tourismusleitbild aus dem Jahr 2009. Zurzeit überarbeitet der Kanton die Strategie, im letzten Herbst endete die Vernehmlassung.

Bürgenstock-Gipfel macht die Region bekannt

Somit ist klar: Kongresse sollen in der Region Luzern wichtiger werden. Ob der Bürgenstock-Gipfel helfen kann, dieses Ziel zu erreichen? Auf Anfrage schreibt ein Sprecher des Kantons: Sicher werde es einen «gewissen Promotionseffekt» geben. Das stehe aber derzeit nicht im Vordergrund.

Deutlich grösser ist die Freude bei der Stadt Luzern. Durch die weltweite Berichterstattung werde Luzern viel «mediale Präsenz» erhalten. Und ausserdem viele internationale Gäste, «Multiplikatoren», VIPs und Medienschaffende empfangen.

Die Folge: «Durch die Konferenz kann sich die Region insbesondere im Bereich des Kongresstourismus noch stärker positionieren.» So sieht es auch der Tourismusverband Luzern Tourismus. Luzern als «Austragungsort für Kongresse und Konferenzen» werde an Bekanntheit gewinnen, ist sich Sprecherin Sibylle Gerardi sicher.

Die Stadt war bereits Ort von grossen Konferenzen

Luzern als Austragungsort grosser Gipfel ist nicht neu. Im Jahr 1906 fand in der Stadt der 14. Friedenskongress statt, an dem Politiker, Intellektuelle, Friedensaktivistinnen und Vertreter teilnahmen. Genau 14 Jahre später verabredeten sich der italienische und britische Staatschef in Luzern, um über Frieden zu verhandeln.

Ein Beispiel für eine internationale Konferenz aus der jüngsten Vergangenheit ist das Schlumberger Digital Forum. Im Herbst 2022 trafen sich Giganten der internationalen Tech- und Erdölbranche im KKL. Dies blieb nicht ohne Gegenwehr: Drei Klimaaktivistinnen erklommen die Fassade aus Protest (zentralplus berichtete).

Auch der Bürgenstock war bereits Austragungsort internationaler Konferenzen. 2004 wurde dort über die Wiedervereinigung des griechischen und türkischen Teils von Zypern verhandelt. Das World Economic Forum (WEF) 2021 sollte auf dem Berg stattfinden, wurde aber kurzfristig abgesagt – wegen der Corona-Pandemie (zentralplus berichtete).

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Kanton Luzern
  • Tourismusleitbild aus dem Jahr 2009
  • Vernehmlassungsentwurf des Kantons Luzern für Tourismusleitbild 2023
  • «Vision Tourismus 2030» der Stadt Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit Sibylle Gerardi, Sprecherin Luzern Tourismus AG
  • Schriftlicher Austausch mit der Stadt Luzern
  • zentralplus Medienarchiv zu Kongressen Luzern
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