Tourismus

Ferien geplant? Das muss durchdacht sein
Zuger warten monatelang auf neuen Pass oder ID

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Zugerinnen planen nach zwei Jahren Corona ihre Reisen. (Symbolbild: Surface/Unsplash)

Die Corona-Massnahmen und Reiserestriktionen sind passé, die Reiselust ist zurück. Doch wer verreisen will, muss mit einigen Widerständen rechnen. Das fängt bereits im Passbüro an.

Die Reiselust ist zurück: Nachdem zwei Jahre lang Corona den Takt vorgegeben hat und das schwierig wurde, wollen jetzt viele endlich weg.

Dafür braucht es eine gültige ID respektive Pass. Aber aufgepasst: Wer einen Termin braucht beim Ausweisbüro in Zug, sollte genügend Zeit dafür einplanen – und etwa 2 Monate vorher daran denken. Aktuell beträgt die Wartezeit für einen Termin zur Vorsprache am Schalter des Ausweisbüros Zug zirka 6 Wochen, wie Antonio Troiano, stellvertretender Leiter des Ausweisbüros auf Anfrage schreibt. Die Auslastung sei «tatsächlich ausserordentlich hoch».

Das hat einen einfachen Grund: Die Reiselust der Zuger ist zurück. Und weil während der Corona-Pandemie viele Pässe und ID abgelaufen sind, wollen jetzt vor dem Sommer alle aufs Mal ihre Ausweise erneuern. Die Lust zu verreisen zeigt sich aber nicht nur bei den Ausweisbüros. Auch die Zuger Reisebüros haben wieder alle Hände voll zu tun.

Zuger haben Nachholbedarf beim Reisen

«Die Menschen haben das Reisen wieder für sich entdeckt», sagt etwa Matthias Reimann, Mediensprecher der Knecht Reisen AG, die auch in Zug ein betreibt. Auch spüren sie einen Optimismus, weil die Reiserestriktionen grösstenteils aufgehoben sind und die Corona-Situation sich weitgehend normalisiert hat. «Das gibt eine gewisse Sicherheit, nun auch wieder zu planen und zu buchen», so Reimann.

Auch das Reisebüro Kuoni spricht von einer grossen Nachfrage nach Reisen. Es bestehe da ein bestimmter «Nachholbedarf».

Mehr Reiselust – wenig Kapazitäten

Die Corona-Pandemie hat die Reisebranche mit voller Wucht getroffen. Kuoni hat beispielsweise schweizweit in den beiden Corona-Jahren 2020 und 2021 Umsatzeinbrüche von etwa 75 beziehungsweise 60 Prozent verzeichnet.

«Die gebeutelte Branche hat sich noch nicht vollständig erholt. Wir rechnen damit, dass wir erst 2023/2024 wieder einen Umsatz wie in den Jahren vor Corona verzeichnen.»

Matthias Reimann, Knecht Reisen

Auch Knecht Reisen hat «sehr spürbare Betriebsverluste» hinnehmen müssen, kommuniziert aber keine Zahlen. Fürs Jahr 2022 schaue man «vorsichtig optimistisch» in die Zukunft. «Derzeit sind wir auf Budgetkurs», so Reimann. «Die gebeutelte Branche hat sich aber noch nicht vollständig erholt. Wir rechnen damit, dass wir erst 2023/2024 wieder einen Umsatz wie in den Jahren vor Corona verzeichnen.»

Grosse Nachfrage trifft auf kleines Angebot

Zwar zieht es die Zuger wieder in die Ferien – doch die Fluggesellschaften und die Hotels sind noch nicht in allen Ländern für den Ansturm bereit. So streicht die Swiss beispielsweise aufgrund von Personalmangel einen Teil der Flüge in den Sommerferien (zentralplus berichtete). Und auch andere Fluggesellschaften kämpfen weltweit mit demselben Problem.

«Auch hatten nicht alle Hotels den Atem gehabt, um während der Pandemiejahre durchzuhalten», führt Reimann aus. «Der Wiederaufbau findet also noch statt – während auf der anderen Seite eine relative hohe Nachfrage besteht, die mit dem bestehenden Angebot nicht immer abgedeckt werden kann.»

«Die Reisebranche ist eine ziemlich widerstandsfähige Branche.»

Matthias Reimann

Und auch Markus Flick, Mediensprecher von Kuoni empfiehlt, insbesondere Familienferien im bevorstehenden Sommer möglichst schnell zu buchen. «Die Verfügbarkeit ist mancherorts bereits knapp.»

Die Ferien genug früh zu buchen, lohnt sich auch, um Kosten zu sparen. Flüge, Automieten und auch Hotels kosten mehr als früher. «Teilweise sind die Preise für Mietwagen drei Mal so hoch wie vor Corona», sagt Matthias Reimann.

Hier hin reisen Zugerinnen am liebsten

Und wohin zieht es denn eigentlich die Zugerinnen dieses Jahr?

Bei Tui und Kuoni sieht es ähnlich aus: Die griechischen Inseln, die Türkei, die Karibik und die Malediven sind besonders beliebte Reiseziele. Aber auch Mietwagen-Rundreisen oder Reisen mit dem Camper können punkten. Weiter werden Reisen nach Nordamerika und in einige Regionen Asiens gerne gebucht.

«Das Geschäft in Russland ist zum kompletten Stillstand gekommen.»

Matthias Reimann

Bei Knecht Reisen gehören zu den meist gebuchten Reisedestinationen ebenfalls Griechenland und die Türkei, aber auch Spanien, Portugal, Zypern und Ägypten. «Zudem sind seit einiger Zeit schon skandinavische Länder sehr beliebte Reiseziele, hier verzeichnen wir eine hervorragende Buchungsquote», sagt Reimann. Ebenso ziehen Reisen nach Nordamerika oder ins Südliche Afrika.

Reisen nach Osteuropa sind hingegen weniger gefragt. Hier hinterlässt der Spuren, die ganze Situation im Osten löst Unbehagen aus. Kira Travel, der Russland-/Osteuropa-Spezialist von Knecht Reisen, ist vom Krieg in der Ukraine besonders schwer betroffen. «Das Geschäft in Russland ist zum kompletten Stillstand gekommen», sagt Reimann.

Dennoch sind die Reisebüros zuversichtlich. «Die Reisebranche hat in den letzten Jahren viel durchgemacht mit 9/11, dem Tsunami oder nun auch mit der Corona-Pandemie. Die Reisebranche ist eine ziemlich widerstandsfähige Branche. Auch wenn wir durch die Pandemie Federn lassen mussten, blicken wir definitiv optimistisch in die Zukunft.»

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Markus Flick, Mediensprecher von Kuoni und Antonio Troiano, Ausweisbüro Zug
  • Telefonat mit Matthias Reimann, Mediensprecher Knecht Reisen
Weitere Quellen
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1 Kommentare
  1. Albert von Hasle, 11.06.2022, 12:03 Uhr

    Es könnte auch schlimmer sein. Staatenlose und Flüchtlinge warten mitunter Jahrelang auf einen Pass.

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