Tourismus
Private Angebote gehen durch die Decke

Warum Glamping besonders in Zug grosses Potenzial hat

Im Kanton Zug gibt es viele offene Fragen zum Wildcampen. (Bild: flickr.com/Terry Bone (Symbolbild))

Viele Leute haben sich seit der Pandemie einen Camper zugelegt, mit dem sie unabhängig Ferien machen. Den Bus einfach so hinzustellen, ist aber nicht immer so beliebt respektive erlaubt. Kommt es bald zum «Büssli-Shaming»? zentralplus hat in Zug nachgefragt.

Stornierte Flüge, unterschiedliche Einreisebedingungen, Corona-Tests – das wird immer mehr Leuten zu viel. Die Pandemie hat weltweit einen Campingboom ausgelöst. Und dieser hält auch in der Zeit an, in denen fast keine Reisebeschränkungen mehr gelten.

Dabei suchen immer mehr Leute das perfekte Plätzchen abseits der vollen und lauten Campingplätze. Doch wie nachhaltig ist das Wildcampen eigentlich, wo ist es möglich und droht bald ein «Büssli-Shaming»? zentralplus hat sich in Zug umgehört.

Private Angebote gehen durch die Decke

Bei Zug Tourismus hat man den Boom beim Camping deutlich gespürt. Man habe wesentlich mehr Anfragen zu Campingthemen und Aufrufe auf der Webseite, sagt Geschäftsführerin Renya Heinrich. Aber auch verschiedene Anbieter und Private hätten sich gemeldet, die ihr Angebot breiter bekannt machen wollen. «Besonders Plattformen wie Nomady.ch, welche private Stellplätze zum Beispiel auf Bauernhöfen vermitteln, boomen», erklärt Heinrich.

«Wir müssen auch realistisch sein. Wir haben kein grosses Angebot an Campingplätzen. Man hat bisher nichts unternommen, um mehr Plätze zu schaffen.»

Renya Heinrich, Geschäftsführerin Zug Tourismus

Schon allein an der Nutzung der offiziellen Campingplätze am Zuger- und am Ägerisee sehe man, dass die Beliebtheit des Campings deutlich zugenommen habe. Diese Campingplätze haben rund ein Drittel mehr Buchungen als in der Zeit vor der Pandemie. Diese seien aber nicht alle von Leuten mit Camper oder Büssli. «Auch Velotouren mit dem Zelt sind sehr beliebt», sagt Renya Heinrich.

Alle haben ein Büssli

Und doch könne man den Boom bei den Büssli nicht übersehen. «Von den Campingplätzen hören wir, dass die ganze Büssli-Kultur enorm zugenommen hat. Viele nutzen das Büssli als Zweitwagen», sagt die Geschäftsführerin. Für Renya Heinrich hat das Camping ein enormes Potenzial, doch das Angebot im Kanton Zug könne man nicht mit anderen Regionen vergleichen.

So sagt Heinrich: «Wir müssen auch realistisch sein. Wir haben kein grosses Angebot an Campingplätzen. Es gibt die drei Plätze beim Ägerisee, der im Brüggli wird bald aufgehoben. Man hat bisher nichts unternommen, um mehr Plätze zu schaffen.»

«Glampingunterkünfte sind überaus beliebt – so sehr, dass sie bereits zum Saisonstart hin jeweils über Monate hinweg praktisch ausgebucht sind.»

Daniel Graf, Mediensprecher Touring Club Schweiz TCS

Aber so etwas lasse sich nicht von heute auf morgen verändern. Zug Tourismus unterstütze aber alle Bestrebungen in diese Richtung und fördert, wo es möglich ist, das Angebot. «Es wäre natürlich sehr in unserem Sinn, wenn man bestehende Stellplätze ausbauen könnte oder Private noch mehr anbieten könnten.»

Vor allem mehr Glamping wäre erwünscht

Gerade in Zug könne man von der Demografie profitieren, erklärt Heinrich. Denn in Zug gebe es nicht viele Hotels, aber die Leute sind bereit, etwas auszugeben. An vielen Orten hat sich bereits eine Form des Campings etabliert, welches eine Brücke schlägt zwischen profanem, geselligem Camping und der Sehnsucht nach Komfort. Und das heisst Glamping – ein Kofferwort aus «Glamourous» und «Camping».

«Wir haben letztes Jahr mit Schweiz Tourismus eine Umfrage bei Zuger Bäuerinnen zum Glamping gemacht. Leider haben wir keine Rückmeldungen bekommen.»

Renya Heinrich, Geschäftsführerin Zug Tourismus

Beim Glamping schläft man in einem Baumhaus im Wald, in einem freischwebenden Zelt oder in einem futuristischen Tiny House mit Bergblick. Alles natürlich gut gewärmt, mit Dusche und kulinarischem Angebot. Der Touring Club Schweiz TCS bietet seit mehr als sieben Jahren auf den eigenen Campingplätzen solche – etwas weniger spektakuläre – Glampingunterkünfte an. Und sie sind ein grosser Erfolg, sagt Mediensprecher Daniel Graf. «Glampingunterkünfte sind überaus beliebt, so sehr, dass sie bereits zum Saisonstart hin jeweils über Monate hinweg praktisch ausgebucht sind.»

Das könnte gerade für finanzkräftige Leute eine attraktive Alternative sein. «In Zug haben wir wenig Unterkunftsmöglichkeiten. Wenn wir ein paar gute Angebote im Glamping-Bereich hätten, würden sich die Leute das sicher auch etwas kosten lassen», sagt Renya Heinrich.

Die Bauernhöfe sind bisher nicht interessiert

Doch im Kanton Zug sei man mit diesem Wunsch bei den Bauernhöfen – wo künftig solche Unterkünfte stehen könnten – auf wenig Anklang gestossen. «Wir haben letztes Jahr mit Schweiz Tourismus eine Umfrage bei Zuger Bäuerinnen zum Glamping gemacht. Leider haben wir keine Rückmeldungen bekommen», erklärt Renya Heinrich.

«Das Wildcampen ist uns natürlich ein grosser Dorn im Auge, da es eine sensible Angelegenheit ist.»

Renya Heinrich, Geschäftsführerin Zug Tourismus

Zug Tourismus würde gerne ein entsprechendes Angebot aufbauen. Allerdings sei das nur in breiter Allianz mit den Behörden und Privaten sinnvoll, das ist für Heinrich klar.

Wildcampen ist so halb erlaubt

Und was ist mit denjenigen, die einfach spontan ihr Büssli an den Waldrand oder an einen Aussichtspunkt stellen wollen? Oder für die leute, denen das schicke Glamping für mehr als eine Nacht zu teuer ist?

«Das Wildcampen ist uns natürlich ein grosser Dorn im Auge, da es eine sensible Angelegenheit ist», sagt Heinrich. In der Schweiz gebe es klare Regeln bezüglich Wildcampen. Grundsätzlich sind das Grundstückeigentum sowie die Schutzzonen zu respektieren. Die Hoheit liegt aber letztlich – ganz schweizerisch – bei den Gemeinden. Weil im Ausland aber andere Regeln gelten, führe das besonders bei ausländischen Touristen teils zu Verwirrung.

Bei der Plattform Nomady.ch kennt man diese Sorgen. Bei der Gründung war der Respekt vor der Natur das zentrale Anliegen. «Als wir im Aufbau waren, wurden wir von einigen Regionen angesprochen, um sie bei der Lenkung von Wildcamperinnen zu unterstützen. Mit unserer Plattform bieten wir eine Kanalisierung des Wildcampens, die mit einer Wertschöpfung verbunden ist. Das vereinfacht vieles», sagt der Gründer und CEO Oliver Huber. Heute hat die Plattform Kooperationen mit allen grossen Tourismusregionen.

«Verantwortung, Rücksicht und Respekt sind uns sehr wichtig. Aber bei uns campt niemand anonym. Zudem sorgt die gegenseitige Bewertung auch für etwas Kontrolle. Damit baut man sich einen gewissen Ruf auf», erklärt Oliver Huber.

Wildcamping ist in der Schweiz gesetzlich nicht verboten. Es ist aber auch nicht per se erlaubt. Die Kantone regeln, ob das Wildcampen und freie Übernachten im Camper ausserhalb von Campingplätzen gestattet ist. Grundsätzlich sind das Grundstückeigentum sowie Schutzzonen zu respektieren. Die Hoheit liegt letztlich aber bei den Gemeinden, die nochmals eigene Regelungen festlegen können.

In Zug steht man noch am Anfang

In Zug sei man auch sehr erpicht darauf, nachhaltigen Tourismus zu betreiben, betont Renya Heinrich. Deshalb brauche es im Bereich des Wildcampens eine klare Kommunikation und Signale, die sensible Zonen markieren. «Aber von Zuständen wie in den Bergregionen, wo sich Leute reihenweise an Aussichtspunkten niederlassen, sind wir noch weit entfernt», ergänzt Renya Heinrich.

Ein «Büssli-Shaming» muss man in Zug also noch nicht befürchten. Aber einen spektakulären Stellplatz, an dem das Campen auch erlaubt ist, muss man in Zug erstmal finden.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Renya Heinrich, Geschäftsführerin von Zug Tourismus
  • E-Mail-Austausch mit Daniel Graf, Mediensprecher von Touring Club Schweiz TCS
  • Gespräch mit Oliver Huber, Gründer und CEO von Nomady.ch
  • TCS Leitfaden zum Wildcampen in der Schweiz
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