Umfrage zeigt, was die Bevölkerung nervt

Diese Touristen mögen die Luzerner am wenigsten

Sind es asiatische Touristinnen, die den Luzernern ein Dorn im Auge sind? (Bild: Aura)

Eine neue Umfrage zeigt, was die Stadtluzernerinnen am meisten am Tourismus nervt – und was auf Akzeptanz trifft. Besonders eine Touristengruppe stösst auf Kritik.

Sein Nutzen ist nicht von der Hand zu weisen. Seine negativen Auswirkungen sind es aber ebenso wenig. Der Tourismus in der Stadt Luzern – er spaltet die Geister. Das ist keine persönliche Einschätzung, sondern das Resultat einer repräsentativen Umfrage der Hochschule Luzern (HSLU). Die frisch veröffentlichte Meinungserhebung birgt einige brisante Erkenntnisse. So etwa darüber, welche Gäste die Luzernerinnen am wenigsten mögen.

Bereits zum zweiten Mal seit 2020 hat die HSLU im Auftrag des Stadtrats die Bevölkerung nach ihrer Einschätzung des Tourismus in ihrer Stadt befragt (zentralplus berichtete). Die Umfrage geschah in Zusammenhang mit der Erarbeitung des Strategieprozesses «Vision Tourismus Luzern 2030» (zentralplus berichtete).

Etwas mehr als 1700 erwachsene Personen aus allen Luzerner Stadtteilen nahmen an der Umfrage teil. 52 Prozent der Befragten waren weiblich, 48 Prozent männlich. Ihr Alter belief sich im Durchschnitt auf 51 Jahre. Die Befragung fand Anfang dieses Jahres statt.

Die Mehrheit findet den Tourismus gut

Mehr als zwei Drittel der Befragten gab an, dass sie den Tourismus grundsätzlich als etwas Positives betrachteten. 70 Prozent der Teilnehmenden glaubten, dass der Fremdenverkehr das Ansehen der Stadt steigert. Ganze drei Viertel sind der Meinung, der Tourismus schaffe viele Arbeitsplätze und gut die Hälfte glaubt, die vielen Gäste der Stadt förderten die Lebensqualität der Einheimischen.

Nebst den positiven Seiten des Tourismus halten viele Luzernerinnen aber auch fest: in diversen Punkten besteht grosser Handlungsbedarf. 58 Prozent sind sich sicher, dass der Tourismus die Wohnungspreise in der Stadt nach oben drückt. Ebenso viele sind der Ansicht, dass die reisende Menschenmasse die Verkehrsprobleme in Luzern befeuert. Viele Befragte gaben zudem an, dass der Tourismus einigen wenigen zur Bereicherung diene, während die Allgemeinheit die grossen Kosten trage.

Luzerner wollen keine Cars mehr

45 Prozent der Luzernerinnen gaben weiter an, der Cartourismus wirke sich schlecht auf die Stadt aus. Die städtische Bevölkerung stört sich insbesondere am Ausmass an Reisecars auf dem Schwanen- und Löwenplatz. Fast die Hälfte der Befragten, 42 Prozent, würde für eine Einschränkung des Cartourismus gar negative wirtschaftliche Folgen in Kauf nehmen.

Nebst den positiven und negativen Aspekten des Fremdenverkehrs erkundigte sich die Umfrage auch nach der Meinung der Bevölkerung betreffend Lenkungs- und Regulierungsmassnahmen des Tourismus. Solche Massnahmen trafen auf viel Zustimmung. Am meisten Fürsprache erhielten Schritte zur Eindämmung des Cartourismus.

Die Bevölkerung ist der Meinung, es reicht

Aus Sicht der Befragten soll die Zahl der Touristen in der Stadt und besonders in der Altstadt denn auch nicht mehr zunehmen. Nur 10 Prozent würden es begrüssen, wenn in Zukunft mehr Gäste ihren Weg nach Luzern fänden.

Bezogen auf die einzelnen Wohnquartiere gaben 73 Prozent der Luzernerinnen an, dass die akzeptable Zahl an Touristen in ihrem Quartier noch nicht überschritten sei.

Gleichzeitig gaben viele an, dass sie in ihrem Quartier keine Zunahme an Touristinnen wünschten. Und mehr als die Hälfte gab ebenso an, dass sie Massnahmen für eine bessere räumliche Verteilung der Besucherströme möchten. Dieses Ergebnis ist exemplarisch. Wie die Umfrage vermerkt, gab es bei den meisten Antworten ein sehr grosses Spektrum an Meinungen.

Die Asiaten sind am unbeliebtesten

Was die Herkunft von Reisenden betrifft, zeigen die Befragten eine klare Präferenz. Reisende aus der Schweiz, Europa und Amerika erfreuen sich grosser Akzeptanz. Gut ein Viertel der Teilnehmenden der Umfrage gaben an, dass sie asiatische Touristen hingegen wenig bis sehr wenig schätzten. Im Übrigen sind Individualreisende beliebter als Gruppenreisende.

Die Verfasser der Umfrage halten in ihrem Schlussbericht fest, dass die tiefe Akzeptanz von Asiatinnen vermutlich stark durch ihr Reiseverhalten und durch das damit verbundene Auftreten in Grossgruppen geprägt sei – und nicht durch ihre Herkunft.

Keine Unterschiede zwischen den einzelnen Quartieren

Die Umfrage hat nebst den angeführten Punkten auch versucht herauszufinden, ob Anwohner verschiedener Quartiere den Tourismus unterschiedlich beurteilten. Vermutet wurde, dass Anwohnerinnen von Quartieren, in denen touristische Hotspots sind, den Fremdenverkehr negativer beurteilten. Jedoch konnte die Umfrage keine signifikanten Unterschiede in den Antworten feststellen.

«Es liessen sich wahrscheinlich schon Unterschiede finden, dafür bräuchte es aber tiefergehende Studien.»

Jürg Stettler, Co-Autor der Umfrage

Jürg Stettler, Co-Autor der Umfrage und Professor an der Hochschule Luzern, erklärt auf Nachfrage von zentralplus, dass dies vor allem damit zu tun habe, dass die Antworten auf die Fragen in allen Quartieren sehr unterschiedlich ausfielen. «Es liessen sich wahrscheinlich schon Unterschiede finden, dafür bräuchte es aber tiefergehende Studien», sagt Stettler.

Image des Tourismus besser als vor vier Jahren

Laut Franziska Bitzi, Finanzdirektorin der Stadt Luzern, sind zurzeit keine vertiefenden, qualitativen Umfragen geplant. Nach der ersten Fragerunde im Jahr 2020 habe man verschiedene Einzelrückmeldungen eingeholt. Dafür bestünde jetzt kein Bedarf mehr. «Wir wollten nun vor allem wissen, wie sich die Meinung der Bevölkerung über die Zeit entwickelt», sagt Bitzi. Daher soll die Bevölkerungsbefragung periodisch wiederholt werden. Die nächste Fragerunde, so Bitzi, käme wahrscheinlich 2028.

«Der Stadt ist wichtig, dass sich der Tourismus in Einklang mit dem einheimischen Leben entwickelt.»

Franziska Bitzi, Finanzdirektorin Stadt Luzern

Der Vergleich zur letzten Umfrage vor vier Jahren zeigt: Die Bevölkerung nimmt den Tourismus positiver wahr. Auch die Meinungen über asiatische Gäste, Gruppenreisen und Cartourismus haben sich verbessert. Die Autoren der Umfrage führen diese Verbesserung darauf zurück, dass die Anzahl der Touristen in Luzern seit der letzten Befragung aufgrund der Pandemie abgenommen hat.

Die Stadt möchte die Einheimischen nicht vergraulen

«Es sind keine direkten Massnahmen aufgrund der zweiten Umfragerunde geplant», führt Bitzi weiter aus. Im Rahmen der Strategie «Vision Tourismus Luzern 2030» habe die Stadt bereits mehrere Massnahmenpakete beschlossen und deren Umsetzung gestartet.

Letztlich betont Bitzi das grosse Ziel, welches der Stadtrat mit der Umfrage verfolgt. Sie sagt: «Der Stadt ist es wichtig, dass sich der Tourismus in Einklang mit dem einheimischen Leben entwickelt.» Denn: Sei dies nicht der Fall, ginge die Gastfreundschaft der Bevölkerung zurück. Das könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass weniger Gäste nach Luzern kommen, sagt Bitzi.

Verwendete Quellen
  • Schlussbericht der Umfrage der Hochschule Luzern
  • Begleitende Medienmitteilung zum Schlussbericht des Luzerner Stadtrats und der Hochschule Luzern
  • Telefonat mit Jürg Stettler, Co-Autor der Umfrage
  • Telefonat mit Franziska Bitzi, Finanzdirektorin Stadt Luzern
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