Infoabend vor der grossen Abstimmung

«Diese Seilbahn ist für Weggis mega-wichtig»

Gemeinderat Baptist Lottenbach appelliert für ein Ja zur Seilbahn-Abstimmung in Weggis. (Bild: ewi)

Der Gemeinderat von Weggis informierte an einer Veranstaltung über die bevorstehende Seilbahnabstimmung. Ein umstrittenes, emotionales Thema? Von wegen.

«Haben Sie auch kalte Füsse?», fragte Baptist Lottenbach die rund 150 Gäste im Mehrzwecksaal Siegristhofstatt. Der Weggiser Gemeinderat, zuständig für das Departement Bau und Infrastruktur, informierte die Bevölkerung an einer Veranstaltung am Montagabend unter anderem über die bevorstehende Abstimmung zur Seilbahn zwischen Weggis und Rigi Kaltbad.

Umstrittene Abstimmung über Seilbahnkorridor

Und Lottenbach hat offenbar kalte Füsse. Denn tatsächlich ist die bevorstehende Abstimmung brisant. Es geht um die Einzonung eines Seilbahnkorridors. In diesem soll künftig eine neue Gondelbahn zwischen Weggis und Kaltbahn verlaufen. Die bestehende Pendelbahn ist am Ende ihres Lebenszyklus angekommen. Die Rigi-Bahnen wollen sie darum aus wirtschaftlichen Gründen durch eine neue Gondelbahn ersetzen (zentralplus berichtete).

Doch das Vorhaben ist umstritten. 14 Einsprachen sind gegen die geplante Änderung des Zonenplans eingegangen (zentralplus berichtete). In den Einspracheverhandlungen konnte der Gemeinderat nur eine einzige davon klären.

Und just vergangene Woche veröffentlichte René Stettler, der seit Jahren unermüdlich gegen den Massentourismus an der Rigi ankämpft, eine Studie mit einer provokanten Forderung: Gäste aus Übersee, die mit dem Flugzeug in die Schweiz reisen, sollen künftig nicht mehr auf die Rigi dürfen (zentralplus berichtete). Dies wegen der schlechten Klimabilanz dieser Form von Tourismus. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Studie dürfte angesichts der bevorstehenden Abstimmung zur Seilbahn am 27. November kein Zufall sein.

Abstimmung über Korridor, nicht über Projekt

Ebenso war es darum kein Zufall, dass die Weggiser Bevölkerung an diesem Montagabend so zahlreich im Mehrzwecksaal erschien. Das Thema bewegt. Doch der Abend nahm einen unerwarteten Verlauf.

Rund 150 Weggisserinnen nahmen an der Veranstaltung teil. (Bild: ewi)

Gemeinderat Lottenbach, Dauerredner an diesem Abend, legte sorgfältig dar, worüber die Weggiserinnen in rund einem Monat abstimmen werden: nämlich nicht über ein konkretes Seilbahnprojekt, sondern lediglich über die Ausscheidung eines entsprechenden Korridors. Ein solcher ist gemäss Seilbahngesetz nötig – unabhängig davon, ob eine neue Bahn gebaut oder die besehende renoviert werden soll.

Eine Tatsache, die Lottenbach in seiner Präsentation wiederholt betonte. «Ich wollte aufzeigen, worum es bei der Abstimmung geht. Nämlich um die Grundsatzfrage, ob die Weggisser eine Seilbahn haben wollen oder nicht», sagte der Gemeinderat im Anschluss an die Veranstaltung im Gespräch mit zentralplus.

«Ich bin positiv überrascht, dass es keinen Widerstand gab.»

Baptist Lottenbach, Gemeinderat Weggis

Ebenso oft verteidigte Lottenbach das Vorgehen der Gemeinde. Dieses haben Umweltverbände in ihrer Einsprache gegen die Zonenplanänderung kritisiert. Der Gemeinderat hingegen betont wiederholt, dass die Gemeinde stets in Absprache mit dem Bund vorgehe. «Wir haben keinen Grund, das anders als der Bund zu sehen», findet er.

Die Meinungen in Weggis sind gemacht

Nach seinen Ausführungen eröffnet Baptist Lottenbach die Fragerunde – während Gemeindepräsident Roger Dähler ihm einen Ovomaltine-Riegel zur zwischenzeitlichen Stärkung zusteckt. Gestärkt stellt er sich also den Fragen. Doch niemand im Saal ergreift das Wort.

Etwas verdutzt ergänzt Gemeindepräsident Dähler einige Sätze zu den Ausführungen Lottenbachs, um dann möglichen Fragen eine zweite Chance zu geben. Doch erneut bleibt es still. In Weggis sind die Meinungen zum Thema offenbar gemacht.

«Ich bin positiv überrascht, dass es keinen Widerstand gab», sagte ein sichtlich erfreuter Lottenbach nach der Veranstaltung. Er deutet dies als Zeichen, dass die Einwohnerinnen den Inhalt der Abstimmung verstanden haben – und auch deren Bedeutung für die Gemeinde. «Diese Seilbahn ist für Weggis mega-wichtig», findet der Gemeinderat und fährt fort: «Dieser Berg ist für uns wie ein Aussenquartier.»

Die Einwände gegen das Vorhaben seien von aussen an die Gemeinde herangetragen worden, meint Lottenbach weiter. Im Saal hingegen seien nur Wegisser gesessen. Und diese stehen hinter der Seilbahn, genauso wie der Gemeinderat. Lottenbach blickt der kommenden Abstimmung darum zuversichtlich entgegen und hofft auf ein deutliches Resultat. Die grösste Knacknuss steht den Rigi Bahnen in Form des Plangenehmigungsverfahrens dann erst noch bevor. Dann geht es nämlich um das konkrete Seilbahnprojekt. Dabei ist erneut mit zahlreichen Einsprachen zu rechnen.

Warum kalte Füsse?

Doch zurück zu den kalten Füssen von Baptist Lottenbach. Warum hat er die, wenn die Gemeinde einem ungefährdeten Abstimmungssieg entgegensteuert? Der Grund hat zwar auch mit der Aktualität, nicht aber mit der Seilbahn zu tun: um Energie zu sparen, hat die Gemeinde die Heizung im Saal heruntergedreht. Da helfen weder ein deutliches Abstimmungsergebnis noch neue Gondeln – sondern nur noch dicke Socken.

Verwendete Quellen
  • Besuch der Informationsveranstaltung
  • Gespräch mit Baptist Lottenbach
  • Informationen zur Abstimmung
  • Informationen zum Projekt der Rigi Bahnen
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