«Too big to fail»: Luzern will Messe und KKL nicht hängen lassen
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Weder Konzerte noch Essen noch Kongresse: Beim KKL ist es – wie an vielen Orten – ruhig. (Bild: Tobias Lackner)

Hilfe angekündigt – aber noch vage «Too big to fail»: Luzern will Messe und KKL nicht hängen lassen

5 min Lesezeit 1 Kommentar 02.03.2021, 05:00 Uhr

KKL und Messe Luzern bekommen die Coronakrise deutlich zu spüren. Kanton und Stadt versichern nun: Die beiden Institutionen sind für den Wirtschafts- und Kulturstandort Luzern zu wichtig, um Schaden zu nehmen. Wie tief die Behörden in die Taschen greifen, ist noch offen.

Konzerte aus dem Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) gibt es derzeit nur am Computer zu sehen. Weil die Kulturhäuser nach wie vor geschlossen bleiben müssen, bietet das Haus aktuell Mozart im Livestream an.

Auch der Messe Luzern ergeht es kaum besser. Ob Luga, Zebi oder Tagungen: Zahlreiche Veranstaltungen und damit Einnahmequellen fielen ins Wasser. Sinnbildlich für den neuen Alltag steht auf der Messe momentan das Luzerner Impfzentrum.

Politik anerkennt Handlungsbedarf

Dass die Krise akut ist, wurde auch in der Politik erkannt. «Die grossen Herausforderungen, mit welchen sich die beiden Institutionen konfrontiert sehen, übertreffen die schlimmsten Erwartungen.» Das schreiben der Luzerner Regierungsrat und der Luzerner Stadtrat unisono in ihren Antworten auf zwei Vorstösse aus den Reihen der CVP. Diese hatte sich nach der Unterstützung für die KKL und Messe erkundigt (zentralplus berichtete).

Denn: Trotz der Krise können KKL und die Messe womöglich nicht auf Härtefallgeld zählen. Der Bund schliesst Unternehmen, an denen die öffentliche Hand zu mindestens zehn Prozent beteiligt ist, vom Zugang aus. Der Bund begründet das damit, dass beteiligte Gemeinden oder Kantone ein strategisches Interesse an diesen Firmen hätten – und sie deshalb mit eigenen Mitteln unterstützen könnten. Ob KKL und Messe deswegen tatsächlich nicht als Härtefall gelten, ist indes noch offen (siehe Box).

«Wir beurteilen beide Institutionen als organisatorisch gut aufgestellt, zukunftsfähig und volkswirtschaftlich bedeutungsvoll.»

Luzerner Stadt- und Regierungsrat

Klar ist für Stadt und Kanton hingegen, dass der Handlungsbedarf gross ist. «Wir sind uns der volkswirtschaftlichen Bedeutung und der hohen Wertschöpfung des KKL Luzern und der Messe Luzern bewusst», betonen Kanton und Stadt.

Sie anerkennen, dass beide bisher ihre eigenen Möglichkeiten ausgeschöpft haben – und erst beim Staat anklopften, als keine andere Wege mehr offen standen. Und: «Wir beurteilen beide Institutionen als organisatorisch gut aufgestellt, zukunftsfähig und volkswirtschaftlich bedeutungsvoll.»

Die Konturen der Hilfe sind noch unklar

Dass die Behörden sich engagieren müssen, scheint also unbestritten. Eine Patentlösung für KKL und Messe gibt es aber nicht. Und die Vorschläge, die auf dem Tisch liegen, sind erst ansatzweise skizziert.

Zwar stehe man seit Beginn der Krise mit beiden Institutionen im engen Austausch. So hat sich in beiden Fällen eine Arbeitsgruppe bereits mehrmals getroffen.

«Es ist noch zu früh, um die effektiven finanziellen Auswirkungen zu beziffern», sagt Luzerns Finanzdirektorin Franziska Bitzi Staub (CVP). «Aber beide Institutionen sollen die Rückendeckung von Stadt und Kanton spüren.» Man wolle verhindern, dass KKL und Messe derart viel – beispielsweise Personal – einsparen, dass sie nicht mehr richtig loslegen können, wenn sie dann dürfen. 

«Beide Institutionen sollen die Rückendeckung von Stadt und Kanton spüren.»

Franziska Bitzi Staub, Stadträtin

Für das KKL Luzern wird voraussichtlich für 2021 ein Nachtragskredit geprüft – also ein A-fonds-perdu-Beitrag. Die bisherigen Abklärungen hätten gezeigt, dass die Rückzahlung eines Darlehens beim KKL unrealistisch sei – deshalb wird ein A-Fonds-Perdu-Beitrag angestrebt. Heisst: Stadt und Kanton unterstützen das KKL mit einer Geldsumme, die es nicht zurückzahlen muss.

Bei der Messe hingegen ist das nicht vorgesehen. Dort sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um das Unternehmen bei Bedarf mit einem Darlehen zu unterstützen. Franziska Bitzi erklärt das mit der individuellen Prüfung der Betroffenheit der beiden Akteure, die in unterschiedlichen Branchen tätig sind. «Wichtig ist einfach, dass beide überleben.»

Messe und KKL hoffen auf Perspektive

In welcher Höhe Unterstützung nötig wird, kann man bei der Messe selber auch noch nicht beurteilen. «Im Moment ist es noch Kaffeesatzlesen», sagt Markus Lauber, Geschäftsführer der Messe Luzern. «Derzeit ist es schlicht noch zu früh, unseren Einzelfall abschliessend zu beurteilen.» Auch die Frage, ob ein Darlehen dann reicht – oder ob es nicht-rückzahlbares Geld braucht –, müsse er zurzeit offen lassen.

«Die nächsten Wochen werden für uns entscheidend sein.»

Markus Lauber, Messe AG

Bislang sei die Messe mit «Hängen und Würgen» irgendwie durchgekommen. Bereits früh machten die Verantwortlichen klar, dass sie bis im Sommer den Betrieb aufrechterhalten können, ohne weitere Entlassungen aussprechen zu müssen. «Die nächsten Wochen werden für uns entscheidend sein, ob wir eine Perspektive erhalten und sich eine Normalisierung des Alltags abzeichnet», sagt Lauber.

Er lobt die konstruktiven Gespräche mit der Stadt und dem Kanton. Man sei nun vorbereitet, um je nach Entwicklung der Corona-Massnahmen die konkrete Unterstützung aufzugleisen. Lösungen sollen im Frühling 2021 unterbreitet werden.

Auch beim KKL ist man zuversichtlich, dass man die grossen Herausforderungen gemeinsam meistern wird. «Abschliessende Kommentare sind im Moment nicht möglich, da sich die Situation weiterhin verändert und nicht klar ist, wie lange zum Beispiel die Gastronomie noch geschlossen bleibt», schreibt die Medienstelle auf Anfrage. Näher auf die Details eingehen mag das KKL zum aktuellen Zeitpunkt nicht.

Komplizierte Struktur

Ist die öffentliche Hand an KKL und Messe beteiligt? Ja, in beiden Fällen trifft das zu. Das würde sie – pro forma – von der Härtefallregel ausschliessen.

Doch die Sache ist komplizierter. In beiden Fällen gibt es sowohl eine Gesellschaft für den Betrieb sowie eine für die Immobilien (Messe) beziehungsweise eine Trägerstiftung (KKL). Bei der Messe beispielsweise ist es so, dass die Lumag AG, die Besitzerin der Messehallen, zu 34 Prozent der Stadt und zu 15 Prozent dem Kanton Luzern gehören. Die Messe Luzern als Betreiberin wiederum mietet die Hallen von der Lumag. Ähnlich ist die Lage beim KKL.

Sprich: Es ist gar nicht so klar, ob die öffentliche Hand tatsächlich an dem Teil der Unternehmen beteiligt ist, die besonders vom Corona-Einbruch betroffen ist.

Die Frage, ob KKL und Messe von der Härtefallregelung ausgeschlossen werden, sei noch nicht definitiv beantwortet, sagt Luzerns Finanzdirektorin Franziska Bitzi auf Anfrage. Das müssten die Behörden entscheiden, welche die Härtefallgesuche von KKL und Messe beurteilen werden.

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1 Kommentare
  1. Achi Luzern, 02.03.2021, 10:28 Uhr

    Ich finde es befremdlich wenn ein KKL a fonds perdu Beiträge beantragt. Das Management dieses Hauses hat das Wirtschaften schon vor der Krise nicht beherscht. Zb. War unter dem Dach während des Blueballfestival die Bar mit der schönsten Aussicht der ganzen Stadt in Betrieb. Von sich aus sind die KKL Verantwortlichen aber nicht in der Lage eine solche Goldgrube zu betreiben. Ja es kommen Jährlich 5 Millionen vom Steuerzahler für die man nicht arbeiten muss. Des weiteren kann sich Otto Normalverbraucher die Abgehobenen Preise dieses Hauses gar nicht leisten. Er muss aber immer schön brav mit seinen Steuergeldern mitbezahlen. Es gibt 2 Arten Geld zu erwirtschaften. 1. Stur seine Stellung verteidigen, hohe Preise verlangen und wenig arbeiten (System KKL) oder 2. Innovativ sein und auf die Bedürfnisse der Besucher, Kundschaft eingehen. Die Preise senken, den Finger aus dem A…. nehmen und den Umsatz und den Gewinn mit Arbeit und Herzblut steigern.

    Ich weis ich habe mich jetzt gerade etwas echauffiert und entschuldige mich bei den Oberen 10000 die dann nicht weiter untersich sein könnten, sondern auch den Pöbel der ja an das Haus mitbezahlt an seiner Seite dulden müsste.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.