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«Toni’s Zoo»: Was ist bloss mit Leopard «Pädi» los?
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Ein Leopard in freier Wildbahn. (Bild: Emanuel Ammon/AURA )

Video aus Rothenburger Zoo gibt zu reden «Toni’s Zoo»: Was ist bloss mit Leopard «Pädi» los?

5 Min 28.02.2017, 16:35 Uhr

In «Toni’s Zoo» läuft ein Leopard im Kreis – immer und immer wieder. Tierschützer sprechen von einer Verhaltensstörung, die durch die Gefangenschaft entsteht. Doch das Verhalten könnte auch eine ganz andere Ursache haben.

Vanessa Gerardi wollte am vergangenen Wochenende mit ihrem Sohn einen gemütlichen Tag in «Toni’s Zoo» in Rothenburg verbringen. Dabei fiel ihr etwas Merkwürdiges auf: Der Leopard läuft stets im Kreis, immer und immer wieder. «Zuerst dachte ich, er hätte einfach Hunger», so die junge Mutter, «aber als er nach zwei Stunden noch immer seine Runden drehte, dachte ich, da stimmt etwas nicht.»

Sie hielt das Verhalten des Tiers auf Video fest und stellte es auf Facebook. Das Video löste bei den Usern eine Welle der Entrüstung aus. «Manche schrieben, dies sei seit Jahren so», so Gerardi. Inzwischen wurde das Video von Facebook gelöscht – den Administratoren der Gruppe, in die sie das Video gepostet hatte, war das Thema zu heikel. Dafür hat Gerardi das Video für zentralplus zugänglich gemacht.

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Das Video des Leoparden aus «Toni’s Zoo»:

Tierschutz spricht von Verhaltensstörung

Was also ist mit dem Tier los? Mit dem Video konfrontiert, sagt Helen Sandmeier von der Medienstelle Schweizer Tierschutz: «Das Tier zeigt Anzeichen einer stereotypen Verhaltensstörung.» Das heisst: Ein Tier wiederholt eine Bewegung, die für seine Art eigentlich unüblich ist – wie eben beispielsweise ununterbrochen im Kreis laufen. «Solche Verhaltensmuster werden hervorgerufen durch nicht tierkonforme Haltung», so Sandmeier. Das komme immer wieder vor bei Tieren, welche in Gefangenschaft leben.

«Während der Paarungszeit steigert sich beim Männchen das Suchverhalten.»

Bernd Schildger, Präsident Kompetenzzentrum Wildtierhaltung

«Die Tiere sind unterbeschäftigt, zu wenig gefordert, mental aber auch körperlich. Mit dem stereotypen Verhalten versucht sich das Tier abzureagieren.» Dieses Verhalten sei typisch bei Raubkatzen in Gefangenschaft.

Zoobesitzer winkt ab

Toni Rösli, Gründer und Besitzer von «Toni’s Zoo», sagt, ihm sei kein Fall von einer sogenannten «Stereotypie» in seinem Zoo bekannt. Auf das Video angesprochen, meint Rösli, das Verhalten des Leoparden habe andere Gründe: «Die Tiere sind unruhig, weil sie ‹rollig›, also paarungsbereit sind», so Rösli. Er habe bereits Paarungsakte zwischen den Tieren beobachten können.

Neugier ist ein gutes Zeichen

Bernd Schildger, Präsident Kompetenzzentrum Wildtierhaltung, bestätigt: «Während der Paarungszeit steigert sich beim Männchen das Suchverhalten. Ist ein Weibchen in Geruchsentfernung, so ist es durchaus möglich, dass das Verhalten an Stereotypie erinnert, aber ein natürliches Suchverhalten darstellt.» Zu dieser Einschätzung passt, dass es sich bei dem Tier auf dem Video um das alleine gehaltene Männchen «Pädi» handle, so Zoobesucherin Vanessa Gerardi.

Zum Video sagt Schildger: «Einzig beurteilbar an dem Video ist, dass das Tier auf einen Reiz von aussen deutlich mit Neugier reagiert. Dies spricht eher gegen eine tief verankerte Stereotypie.»

Tierschutz-Bericht lobt Erneuerungsarbeiten

«Toni’s Zoo» stand vor Jahren noch in der Kritik. 2012 hiess es, die Gehege seien zu klein und nicht artgerecht konzipiert. Seither hat sich aber einiges getan. Der Schweizer Tierschutz gibt jährlich einen Zoobericht heraus, in dem er Schweizer Zoos kritisch beäugt. In der Ausgabe, welche im März erscheint und die zentralplus exklusiv vorliegt, wird auch «Toni’s Zoo» behandelt.

«Der gesetzliche Rahmen einzuhalten, bedeutet aber nicht immer, dass die Tiere auch artgerecht behandelt werden.»

Helen Sandmeier, Medienstelle Schweizer Tierschutz

Darin wird dem Zoo zugute gehalten, dass er vieles, was noch vor drei Jahren bemängelt wurde, verbessert hatte. So schreibt der Bericht: «Es wurden umfassende Bau- und Erneuerungsarbeiten vorgenommen, die allesamt grössere, besser gestaltete Tiergehege zum Ziel hatten.» Und der Bericht schreibt weiter: «Die Tierhaltung präsentiert sich jetzt mit einem durchgehend guten Standard.»

Gesetzeskonform heisst nicht artgerecht

Der Luzerner Kantonstierarzt Otto Ineichen kann aus Datenschutzgründen keine genauen Angaben zum Zustand im «Toni’s Zoo» geben. Aber er sagt: «Der Zoo hat eine Bewilligung für die Tiere. Das heisst auch, er wird regelmässig kontrolliert und wenn Mängel festgestellt werden, denn verfügen wir über entsprechende Massnahmen.»

Auch Tierschutz-Sprecherin Sandmeier ist überzeugt, dass «Toni’s Zoo» keine Gesetze verletze. «Der gesetzliche Rahmen einzuhalten bedeutet aber nicht immer, dass die Tiere auch artgerecht behandelt werden.» Eine wichtige Frage, die man sich stellen müsse, sei: «Soll ein Kleinzoo nicht auf Tiere wie Grosskatzen verzichten, deren Haltung die räumlichen und vielleicht sogar die finanziellen Möglichkeiten des Zoos übersteigt?»

Ein Leopard braucht Herausforderungen: Dazu gehören Klettermöglichkeiten.

Ein Leopard braucht Herausforderungen: Dazu gehören Klettermöglichkeiten.

(Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Bernd Schildger vom Kompetenzzentrum für Wildtierhaltung relativiert: «Es ist völlig unerheblich, welches Namensschild eine Institution trägt: Ob Grosszoo, Kleinzoo, Zirkus, entscheidend ist die Qualität der Tierhaltung.» Wichtig sei nebst der Grösse des Geheges, wie viel Beschäftigungsmöglichkeiten ein Tier bekomme – gerade bei mittelgrossen Katzen wie einem Leoparden. «Das Gehege muss Infrastruktur bieten, Möglichkeiten zum Klettern, Verstecken oder interessante Bodenstrukturen.» Auch könne man das Suchverhalten fördern, indem man das Futter verstecke. Oder auch einmal Geruchsreize setzen, bei dem die Katze nichts findet: Suchen um der Suche willen.

Gehegeteil bietet Abwechslung

Im Zoobericht des Schweizer Tierschutzes wird der Leopardenkäfig explizit erwähnt. Die Autorin schreibt darüber: «Das Raubkatzen-Haus mit angrenzenden Aussengehegen für Leoparden bietet den Tieren sowohl innen als auch aussen recht gute Haltungsbedingungen.» Der Gehegeteil, in dem der junge Kater lebe, enthalte Bäume und Büsche sowie Ausguck- und Rückzugsmöglichkeiten. «Auch ein kleines Wasserbecken und erhöhte Liegeplätze stehen zur Verfügung.»

Verhaltensanalyse dauert mehrere Tage

Die Bedingungen für die Katzen in «Toni’s Zoo» haben sich in den letzten Jahren also gebessert. Das Verhalten des Tiers erscheint zwar unnatürlich, könnte aber erklärbar sein durch die Paarungszeit. Ob das Tier eine Verhaltensstörung hat aufgrund eines zu kleinen Geheges, kann anhand des Videos nicht abschliessend geklärt werden. Dafür bräuchte es, so Bernd Schildger, tagelange Beobachtungen.

Sandmeier bestätigt, falls es sich um eine Stereotypie handle, sei dies nicht zwangsweise der Fehler von «Toni’s Zoo»: «Ein solches Verhalten kommt in den ‹besten Familien› vor. Die Ursachen dafür können Jahre zurückliegen, in einer früheren, schlechten Haltung. Das heisst nicht, dass ‹Toni’s Zoo› seine Tiere schlecht behandelt.»

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