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Tomi Jurić: Nein zu China-Millionen, Ja zur sportlichen Entwicklung
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So schön kann ein kroatischer Australier jubeln: Tomi Juric freut über seinen Treffer gegen St. Gallen vom 23. Oktober 2016. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Grosses Interview mit dem neuen FCL-Stürmer Tomi Jurić: Nein zu China-Millionen, Ja zur sportlichen Entwicklung

8 min Lesezeit 27.10.2016, 12:15 Uhr

Er ist erst seit Sommer an Bord, doch bereits jetzt hat sich der 25-jährige Stürmer Tomi Jurić beim FCL einen Stammplatz erkämpft. Im Interview erzählt der australische Nationalspieler mit kroatischen Wurzeln über seine Integration in Luzern, ein Millionenangebot aus China und wieso er ab Januar so richtig durchstarten will.

Seit diesem Sommer stürmt Tomi Jurić für den FC Luzern. Die Bilanz des 1,91 Meter grossen Australiers ist respektabel: Allein in seinen bislang zwölf Meisterschaftsspielen erzielte er drei Tore, zwei Mal gab er den entscheidenden Pass. Zeit für ein Interview!

zentralplus: Tomi Jurić, bisher trafen Sie wettbewerbsübergreifend sechsmal. Sind Sie zahlenmässig mit Ihrer bisherigen Leistung zufrieden?

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Tomi Jurić: Es könnte besser sein, aber das ist immer so. Letzte Saison hatte ich viele Probleme mit Verletzungen, darum war es wichtig für mich, die alte Fitness wieder aufzubauen. Darauf lag mein Hauptfokus. Ich glaube, da bin ich mittlerweile auf einem guten Level und kann weitere Schritte vorwärts machen und somit bessere Leistungen bringen, mehr Assists geben und Tore schiessen.

zentralplus: Bei Ihnen persönlich sieht es nun nicht so düster aus: Sie kamen gegen Basel zu guten Chancen, Sie haben gegen St. Gallen getroffen, Sie spielen und treffen auch im Nationalteam und Sie haben Tim Cahill (Ex-Everton, 36-jähriger Toptorjäger der Australier) aus der Nationalmannschaft verdrängt. Wieso ist das so?

Jurić: Schwierig zu sagen, welche der unzähligen Faktoren, die im Fussball wirken, hierbei einen Unterschied machen. Aus meiner Sicht kann ich nur sagen, dass ich Spiel für Spiel – ob nun für den FCL oder die Socceroos – stets alles gebe. Es liegt an mir, wieder gut in Form zu kommen, so wachsen auch meine und die äusseren Erwartungen. Und ja, Tim Cahill ist ein wirklich grossartiger Spieler und Charakter.

Hier tankt sich Tomi Juric gegen zwei Vaduz-Spieler durch (Bild: Meienberger-photo.ch).

Hier tankt sich Tomi Juric gegen zwei Vaduz-Spieler durch (Bild: Meienberger-photo.ch).

zentralplus: Welche Position ist Ihnen persönlich am liebsten und welche Rolle in der Offensive würden Sie als die beste für Sie bezeichnen?

Jurić: Meine ganze Karriere habe ich als 9er gespielt. Das ist auch die Position, die mir am meisten gefällt und in der ich meine Leistung am besten bringe. Ich spiele gut mit dem Rücken zum Tor, so kann ich mein Team ins Spiel bringen und im Defensivspiel meinem Team Druck nehmen. Das ist auch meine Aufgabe im Nationalteam. Ich glaube nicht, dass meine Qualitäten in anderen Positionen so zum Tragen kommen würden – diese überlasse ich lieber anderen.

zentralplus: Wie ist Ihr Verhältnis zu den anderen Stürmern? Der erfolgreiche Marco Schneuwly ist auch ein Mittelstürmer.

Jurić: Nicht nur Marco, sondern auch Cedric Itten ist ein grosser Spieler, der mit dem Rücken zum Tor gut spielen kann. Marco bewegt sich sehr gut im Strafraum, er weiss genau, wo er sich im Offensivspiel zu positionieren hat. Beide sind super Typen, wir haben untereinander wirklich ein gutes Verhältnis.

«Im Januar wird die Zeit kommen, in der ich aufblühen kann.»

zentralplus: Sie haben vorher in den Niederlanden, in Kroatien und Australien gespielt. Wie gefällt Ihnen das Umfeld in Luzern und wie unterscheidet sich dieses von denen, die Sie bereits kennen?

Jurić: Egal, wohin du kommst, es ist immer anders. Es wird überall anders gearbeitet. Du musst jede Möglichkeit nutzen, dich der Situation anzupassen. Der Staff hier ist sehr gut, die Möglichkeiten sind ideal, um sich zu verbessern. Ich fühle mich auf jeden Fall gut aufgehoben.

zentralplus: Sie sagten zur «Herald Sun», dass Sie ihre Topform im Januar erreichen werden und dass alles, was bis dann geschieht, Bonus ist. Können Sie das näher erklären?

Jurić: Wenn ich weiterhin spiele und eine gute Vorbereitung für die Rückrunde mache, wird im Januar die Zeit kommen, in der ich aufblühen kann. Zudem kam ich Anfang Saison etwas später zum Team und konnte die Vorbereitung nicht von Beginn an mitmachen.

zentralplus: Aber Sie waren fit, als Sie zum FCL kamen?

Jurić: Ja, aber letzte Saison bei Roda Kerkrade war ich von Januar bis März verletzt und kam erst Ende Saison wieder zu mehr Spielzeit. Aber selbstverständlich entsprach das meinen Ansprüchen im Bereich der Fitness nicht.

Der ex-FCL-Spieler Alain Wiss ging vergangenen Sonntag beim Spiel gegen den FC St. Gallen Tomi Juric im Zweikampf an die Wäsche (Bild: Meienberger-photo.ch).

Der ex-FCL-Spieler Alain Wiss ging vergangenen Sonntag beim Spiel gegen den FC St. Gallen Tomi Juric im Zweikampf an die Wäsche (Bild: Meienberger-photo.ch).

zentralplus: Sie – und auch ein Grossteil Ihrer Teamkollegen – müssen ziemlich regelmässig Strapazen auf sich nehmen, um zum Nationalteam zu gelangen. Wie verläuft so eine Reise zu Ihrem Team nach Australien und wieder zurück in die Schweiz?

Jurić: Das Schwerste daran ist, alleine zu reisen. Mit Kollegen vergeht die Zeit natürlich schneller, wenn man nicht gerade am Schlafen ist. Aber auch hier gilt es, professionell zu bleiben: Sobald ich das Flugzeug betrete, stelle ich meine Uhr auf die Zeit am Ankunftsort um. So fällt es mir leichter, meinen Schlafrhythmus anzupassen. Ich versuche so viel wie möglich zu schlafen, aber wenn ich wach bin, lese ich Bücher, schaue einen Film oder spiele irgendwelche Handygames – alles, was halt die Zeit schneller vergehen lässt.

zentralplus: Haben Sie auch die Möglichkeit, mit Teamkollegen aus Europa nach Australien zu fliegen?

Jurić: Ja, manchmal treffe ich welche in Doha oder Abu Dhabi, wo wir umsteigen müssen. Kommt darauf an, an welchem Tag das letzte Spiel in der Liga war.

«Vor zehn Jahren war Fussball in Australien noch nicht weit genug, um mit den anderen Sportarten zu konkurrieren.»

zentralplus: Oliver Bozanic spielte während seiner Zeit beim FCL auch in der australischen Nationalmannschaft. Hat er Ihnen den FCL empfohlen?

Jurić: Er hat mir nie direkt empfohlen, zum FCL zu gehen, aber ich habe auch schon mit ihm über den FCL gesprochen, als er hier noch spielte. Dabei sagte er mir viel Gutes, was ich nicht vergass.

Tomi Juric lässt sich nach seinem Tor gegen den FC St. Gallen von den Fans feiern – und kriegt dafür die gelbe Karte (Bild: Meienberger-photo.ch).

Tomi Juric lässt sich nach seinem Tor gegen den FC St. Gallen von den Fans feiern – und kriegt dafür die gelbe Karte (Bild: Meienberger-photo.ch).

zentralplus: Gibt es in Australien Wertschätzung für Fussball? Oder ist man dort nur auf Rugby, Australian Football (hier wird mit Füssen und Händen mit einem eiförmigen Ball gespielt) und Cricket fokussiert?

Jurić: Fussball ist in Australien ein grosser Sport geworden. Aber vor zehn Jahren war Fussball noch nicht weit genug, um mit den anderen Sportarten zu konkurrieren. Mit der Gründung der A-League 2005 ging es dann vorwärts. Ich hatte das Glück, 2015 die Fussball-Asienmeisterschaft mit der Nationalmannschaft und 2014 mit meinem Klub Western Sydney Wanderers die Asien Champions League zu gewinnen. Das waren beides grosse Momente für den australischen Fussball, die uns national auf eine höhere Stufe hoben. Der einzige Sport, der uns noch – was die Zuschauerzahlen und TV-Gelder betrifft – übertrifft, ist Australian Football. Doch der australische Fussball ist definitiv auf dem richtigen Weg.

zentralplus: Sie fingen mit Fussball zu einer Zeit an, als er noch keine grössere Rolle in Australien spielte. Kam Ihre Fussballbegeisterung von Ihren kroatischen Eltern?

Jurić: Selbstverständlich waren meine Eltern grosse Fussballfans. Wir schauten jedes Wochenende die englische Premier League. Sowieso lief immer Fussball im Fernseher. Mein Vater spielte mit mir auch immer Fussball hinter dem Haus.

«Ich wollte wegen viel Geld die Gelegenheit nicht auslassen, mich als Spieler weiter zu verbessern.»

zentralplus: In einem Interview mit ESPN sagten Sie mal, dass es für Sie nur «eat, sleep, train, repeat» gäbe. Aber haben Sie neben Ihrer professionellen Arbeit auch noch andere Interessen?

Jurić: Für mich gibt es nur diese vier (lacht). Nein, aber diese vier sind tatsächlich mein Job und es reicht nicht aus, nur auf dem Feld die Leistung zu bringen. Dennoch ist es nicht möglich, kein Leben neben dem Fussball zu führen. Ich habe eine wundervolle Freundin, mit der ich das Glück habe, viel Zeit zu verbringen. Wir haben auch einen kleinen Hund. Wir gehen sehr gerne in die Stadt. Luzern ist sehr schön.

zentralplus: Haben Sie schon ein Lieblingsrestaurant? Waren Sie etwa schon im neuen Restaurant von Tomi Puljić in Emmen?

Jurić: Nach den Spielen war ich schon einige Male im Pacifico. Bei Tomi waren wir am Montag. Er hat das ganze Team nach dem Sieg gegen St. Gallen zum Mittagessen eingeladen. Ich kann das Mlinar, Tomis Restaurant, nur empfehlen.

Die Mannschaft des FCL besucht die neue Beiz von Tomislav Puljic in Emmenbrücke (Bild: FCL).

Die Mannschaft des FCL besucht die neue Beiz von Tomislav Puljic in Emmenbrücke (Bild: FCL).

zentralplus: Gerüchten zufolge hatten Sie die Möglichkeit, innerhalb von drei Jahren 18 Millionen Australische Dollars (entspricht knapp 14 Millionen Schweizer Franken) in China zu verdienen. Wieso nahmen Sie diese Chance nicht wahr?

Jurić: Letzten Endes wären es natürlich durch den Abzug bei den Steuern weniger gewesen. Zudem sieht man viele Spieler, die sehr viel verdienen und trotzdem einen harten Weg hatten. Ich hatte an dieser Stelle nicht das Gefühl, dass dies der richtige Entscheid gewesen wäre. Ich bin sehr zufrieden, hier in Europa zu sein, und habe die Möglichkeit, mich täglich zu verbessern. Ich wollte wegen viel Geld die Gelegenheit nicht auslassen, mich als Spieler weiter zu verbessern.

zentralplus: Sie kommen aus einer Handwerkerfamilie. Ist es möglich, dass diese Erfahrung Sie bescheiden gemacht hat?

Jurić: Ich weiss nicht, ob es das ist, aber es kann sein. Mein Vater arbeitete in seinem Leben hart. Aber er sagte auch zum Angebot aus China: «Hey Sohn, das ist schon viel Geld.» (lacht)

Tomi Juric präsentiert sich nach dem Interview mit zentralplus im FCL-Stadion (Bild: Dino Tsakmaklis).

Tomi Juric präsentiert sich nach dem Interview mit zentralplus im FCL-Stadion (Bild: Dino Tsakmaklis).

zentralplus: Wie läuft Ihre Verständigung mit den Teamkollegen?

Jurić: Mit Tomi Puljić spreche ich Kroatisch, auch Jérôme Thiesson spricht diese Sprache ein wenig. Mit dem Rest des Teams rede ich Englisch. Aber ich bin natürlich auch am Deutschlernen.

zentralplus: Wo sehen Sie sich in Zukunft?

Jurić: Ich nehme es Schritt für Schritt. Langfristig habe ich aber das Ziel, in einer grossen Liga zu spielen.

Dank seinem Tor vergangenen Sonntag gegen St. Gallen schaffte es Tomi Juric auch aufs Podest der drei besten, vom Publikum erkürten FCL-Spieler.

Dank seinem Tor vergangenen Sonntag gegen St. Gallen schaffte es Tomi Juric auch aufs Podest der drei besten, vom Publikum erkürten FCL-Spieler.

(Bild: meienberger-photo.ch)

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