Tomaten aus Cham: Kooperation lässt die Herzen von Köchinnen und Gärtnern höherschlagen
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Daniela Hadorn im Gewächshaus des Enikerhofs, wo unter den Erdbeeren die Tomaten für den Setzlingsmarkt untergebracht sind. (Bild: Markus Mathis)

Grosse Vielfalt am Setzlingsmarkt Tomaten aus Cham: Kooperation lässt die Herzen von Köchinnen und Gärtnern höherschlagen

4 min Lesezeit 2 Kommentare 05.05.2021, 14:38 Uhr

Daniela Hadorn, Vreny Nicolini und Silvia Schaaf haben weit über 100 Tomatensorten gesammelt. Nicht nur für den Eigenanbau – sondern auch für Leute, die Tomaten essen wollen, welche nach etwas schmecken und aus dem eigenen Garten stammen. Hier gibt’s die Einzelheiten zu den Setzlingsmärkten im Kanton Zug und was es dort zu beachten gilt.

Sie heissen Abraca Zebra, Tigerli oder Venus, sind grün, gelb, rot oder lila-violett, rund oder länglich, gross oder klein: Die gegen 150 Tomatensorten, die am Freitag und Samstag auf dem Setzlingsmarkt auf dem Enikerhof in Cham zum Verkauf kommen. Zum vierten Mal findet der Markt statt und hat in dieser kurzen Zeit sich zur Fundgrube für Liebhaber alter und neuer Sorten von Nachtschattengewächsen entwickelt: Neben den Tomaten stehen auch acht verschiedene Chili-, 14 Auberginen- und 37 Peperonisorten sowie Setzlinge von 20 weiteren Gemüsesorten zur Auswahl.

Für den Markt haben sich drei Tomatenfreundinnen zusammengetan: Daniela Hadorn vom Enikerhof entschloss sich vor einigen Jahren, die Produktion von Tomatenspezialitäten fürs Warenhaus Globus von einem Luzerner Betrieb zu übernehmen.

Zusammengelegt

Hadorn begann Saatgut zu sammeln und hatte bald 30 oder 40 Sorten beisammen. Dann tat sie sich mit Vreny Nicolini zusammen, die auf dem Iten-Hof in Steinhausen 60 verschiedene Tomatenarten hortet. Als Dritte im Bunde kam Silvia Schaaf hinzu, die im Limmattal einen Webshop für Tomaten-Setzlinge betreibt.

«Die Auberginen und Peperoni haben wir bereits im Januar gesät», erzählt Daniela Hadorn. «Die Tomaten dieses Jahr ein wenig später.» Die Aufzucht erfolgte im Wintergarten einer Kollegin, dann kamen die Pflanzen nach Cham, wurden vereinzelt und warten nun in einem Tunnel unter einer Erdbeerplantage auf den Verkauf am Markt.

Köche mögen Farbe

Die ganze Aussaat und Aufzucht erledigen die Frauen alleine – lediglich die Töpfe mit einer geeigneten Erdmischung lassen sie sich mittlerweile von einem grossen Bio-Gartenbaubetrieb liefern. «Das Ganze hat solche Dimensionen erreicht, dass wir Lösungen finden mussten», sagt Daniela Hadorn. Rund 7’500 Setzlinge wurden heuer gezogen. Nicht alle werden verkauft, denn Nicolini und Hadorn produzieren ja selber Gemüse und brauchen dazu ebenfalls Setzlinge.

Haben Tausende von Setzlingen gezogen: Silvia Schaaf (links), Daniela Hadorn und Vreny Nicolini.

Was auffällt am Sortiment des Setzlingsmarkts, ist die Vielfarbigkeit der Sorten. Sehr alte sind dabei, die von der Organisation Pro Specie Rara erhalten werden, aber auch hippe Neuzüchtungen aus den USA, die oft bunt gesprenkelt sind. «Wir liefern unter anderem in die Gastronomie», erklärt Daniela Hadorn. «Köche mögen diese Farbenspiele für die Präsentation ihrer Speisen.» Hadorns Lieblingstomate heisst «Feuerwerk». «Das ist eine Fleischtomate, die auch für Einsteiger geeignet ist.»

Mache einen Plan

Doch was sollen Einsteiger, die sich im Tomatenanbau versuchen wollen, beim Besuch eines Setzlingsmarktes beachten? Wir fragen Anna-Maria Helfenstein, Gärtnerin in Zug. Zuallererst solle man sich überlegen, was man in diesem Jahr wann ernten wolle, sagt sie. Wenn in einem grossen Garten alles gleichzeitig reife, sei dies unpraktisch.

«Pflanzen brauchen Aufmerksamkeit.»

Anna-Maria Helfenstein, Gärtnerin aus Zug

Dann solle man sich vergewissern, wo man die Tomaten ziehen wolle, welche Umgebung man ihnen zur Verfügung stellen könne. Für eine Topfkultur auf dem Balkon empfiehlt Helfenstein Cherrytomaten – «so kann man am ehesten immer mal wieder etwas ernten.»

Wärme und Liebe

Im Freiland brauchen die Tomaten einen warmen Standort, etwa in der Nähe einer Hauswand, und haben gern auch ein Dach über dem Kopf. Nicht alle Sorten gedeihen im regnerischen Klima, einige brauchen einen Plastiktunnel oder ein Tomatenhaus, um gesund zu bleiben. Wetter und Höhenlage des Anbaugebiets sind daher bei der Sortenwahl zu berücksichtigen.

Ausserdem, sagt Anna-Maria Helfenstein, solle man sich überlegen, wie viel Zeit man fürs Gärtnern aufbringen könne. «Pflanzen brauchen Aufmerksamkeit.» Mindestens jeden Morgen in Form eines Besuchs – dazu kämen die notwendigen Arbeiten.

Geheimtipp für Chilifreunde

Helfenstein baut selber acht verschiedene Tomatensorten an, die sie auf dem Wochenmarkt verkauft. Ihre Lieblingssorte heisst «Ungarische Süsse». «Das ist eine feine Fleischtomate, die nicht so hoch wird, sondern eher buschig wächst.» Ihre Setzlinge, soweit sie nicht aus eigenem Saatgut stammen, bezieht Helfenstein von der Stiftung Werk- und Wohnhaus zur Weid in Rossau, gleich jenseits der Kantonsgrenze gelegen.

Die «Weid» verkauft im eigenen Laden auch Setzlinge ans Publikum und ist vor allem für Freunde von Chilis ein echter Geheimtipp – dank grosser Expertise und beachtlicher Sortenvielfalt.

Zuwebe verkauft Setzlinge am Samstag

Der traditionsreichste Setzlingsmarkt im Kanton Zug ist jener der Zuwebe. Mittlerweile findet er jedes Jahr neben dem Lassalle-Haus in Edlibach statt. Zur Auswahl stehen über 50 Tomatensorten. Daneben gibt’s aber auch Setzlinge von 20 Gemüsesorten, einige Kräuter und Blumen.

Auch der Zuwebe-Setzlingsmarkt findet bereits am kommenden Samstag statt. Denn nächste Woche beginnen die Eisheiligen. Sobald die «Kalte Sophie» (15. Mai) vorbei ist, gilt die Frostgefahr für die empfindlichen Pflanzen aber als gebannt – sie kommen ins Freie und die Hobbygärtner können endlich richtig loslegen.

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2 Kommentare
  1. Theresa Hofmann, 11.05.2021, 10:21 Uhr

    Frauen-Power!!!!

  2. Ueli, 11.05.2021, 10:20 Uhr

    Regional und Saisonal ist die Zukunft, ganz klar. Ich hoffe, dass das umdenken bald stattfindet.

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