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Tödlicher Unfall: Was das für den Chauffeur heisst
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An der Baselstrasse ist es am Freitag zu einem tödlichen Unfall gekommen. (Bild: zvg/Leserbild)

VBL haben Konzept mit Psychologen und Anwalt Tödlicher Unfall: Was das für den Chauffeur heisst

3 min Lesezeit 26.08.2019, 17:21 Uhr

Am Freitagnachmittag kam es an der Baselstrasse zu einem tödlichen Verkehrsunfall. Das kommt in Luzern sehr selten vor. Nebst dem oft traumatischen Aspekt kommen auf Chauffeure in solchen Fällen auch rechtliche Fragen zu.

Ein 68-jähriger Mann ist am Freitag an der Baselstrasse von einem Linienbus überfahren worden. Er starb noch auf der Unfallstelle (zentralplus berichtete).

Ein tragisches Ereignis, in erster Linie natürlich für die Angehörigen des Verstorbenen. Aber auch für die Zeugen, Fahrgäste und vor allem für den Busfahrer. Sie alle wurden am Freitag in Luzern durch ein Care-Team betreut.

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Psychologische Hilfe

Anders als Lokführer – auf dem SBB-Schienennetz ereignen sich jährlich über 100 Suizide – haben Busfahrer viel seltener mit tödlichen Unfällen zu tun. Wie geht ein Chauffeur damit um?

«Das ist sehr individuell, aber in jedem Fall stark belastend», sagt Sämi Deubelbeiss, Mediensprecher der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL). Zum Schutz der betroffenen Fahrer gibt er keine Auskunft zum konkreten Fall. Es gebe für solche Ereignisse aber ein klares Konzept.  

Grundsätzlich bietet das Unternehmen allen Mitarbeitern externe psychologische Hilfe an, um das Erlebte besser verarbeiten zu können.

Ob das jemand in Anspruch nimmt, ist ganz unterschiedlich. Genauso wie die Frage, wann sich Betroffene wieder hinters Steuer setzen. «Alle Menschen reagieren anders auf solche Ereignisse», sagt Deubelbeiss. «Gewisse Personen wollen sofort wieder ans Steuer, andere Leute brauchen mehr Zeit.» Klar ist: «Wenn sich eine Person nicht fahrfähig fühlt, muss diese nicht fahren.»

Schuldfrage kann belasten

Zum Psychologischen kommt oft auch die Schuldfrage. Ein Busfahrer, der einen Unfall verursacht, muss sich strafrechtlich für die Folgen verantworten. In Erinnerung bleibt ein Fall von 2010, als ein Chauffeur nach einem tödlichen Unfall wegen fahrlässiger Tötung verurteilt wurde.

«Zum Glück kommen schwere Unfälle mit VBL-Bussen selten vor.»

Sämi Deubelbeiss, VBL-Mediensprecher

Rechtlicher Beistand ist deshalb zentral. Beim Unfall von letzten Freitag haben die VBL neben einem Teamleiter auch einen Anwalt aufgeboten. Die beiden betreuen den Chauffeur in einem solchen Fall vor Ort und begleiten diesen auch in den Tagen danach.

Der Unfallhergang wird derzeit von der Luzerner Staatsanwaltschaft untersucht. Sie wird anschliessend entscheiden, ob ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt. Falls ja, wird eine Untersuchung eröffnet.

Unglücklich unter Bus geraten

«Offenbar ist der Fussgänger auf dem Trottoir gestürzt und so unglücklich unter den Bus geraten, dass er vom rechten Rad der dritten Achse des Busses überrollt wurde», sagt Christian Bertschi, Mediensprecher der Luzerner Polizei.

Gerüchte, wonach ein Velofahrer am Geschehen beteiligt gewesen sein soll, weist er hingegen klar zurück. «Beim Unfall vom Freitagabend war kein Fahrrad involviert», sagt Bertschi. Der beim Unfall getötete Mann war zu Fuss unterwegs gewesen. Die Verkehrsbetriebe wollen aufgrund des laufenden Verfahrens zum Unfallhergang keine Stellung nehmen.

Jährlich zwölf Tote in der Schweiz

Bei der Schulung der VBL-Mitarbeiter wird ein Augenmerk auf das Thema Unfälle gelegt. Jeder wisse, dass sich Unfälle ereignen können. «Das ist nicht anders als bei Lokomotivführern oder Piloten, man kann und muss sich mental auf kritische Situationen einstellen und vorbereiten», sagt Deubelbeiss.

Im letzten Jahr wurden bei schweizweit 12 Menschen bei Unfällen mit Trams, Auto- oder Trolleybussen getötet. 91 weitere wurden laut Bundesamt für Statistik schwer verletzt.

«Zum Glück kommen schwere Unfälle mit VBL-Bussen selten vor», hält Sämi Deubelbeiss fest. Letztmals ist vor rund 4,5 Jahren eine Person bei einem Busunfall in Luzern gestorben. Seither haben die Luzerner Verkehrsbetriebe über 200 Millionen Fahrgäste befördert, im Verhältnis dazu passiere nicht viel. Obwohl der Job laut Deubelbeiss sehr anspruchsvoll geworden ist – wegen Verkehrsüberlastungen, vielen Fussgängern oder Velofahrern. «Unser Personal muss stets wachsam sein und darf sich keine Fehler erlauben.»

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