Todes-Crash an Baustelle in Dierikon wirft Fragen auf
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In Dierikon ist am Wochenende ein Autofahrer tödlich verunglückt. (Bild: Luzerner Polizei)

Haben die Behörden versagt? Todes-Crash an Baustelle in Dierikon wirft Fragen auf

1 min Lesezeit 12 Kommentare 10.08.2021, 14:13 Uhr

In der Samstagnacht verstarb ein 35-jähriger Autofahrer, nachdem er auf der Kantonsstrasse zwischen Dierikon und Root in eine Baustelle geprallt war. Wie Recherchen von zentralplus nun zeigen, hatten Anwohner die Gefahr der Unfall-Baustelle schon seit Längerem beklagt. Doch der Kanton reagierte erst spät.

Der tragische Selbstunfall, der sich in der Samstagnacht auf der Kantonsstrasse zwischen Dierikon und Root ereignete, ging schweizweit durch die Medien. Ein 35-jähriger Autofahrer fuhr in der Nacht auf Sonntag ungebremst in eine Maschine auf der Baustelle und erlag wenig später seinen Verletzungen (zentralplus berichtete). Die Bilder des heftigen Crashs sind verstörend.

Daraufhin kontaktierte eine Leserin die zentralplus-Redaktion mit dem Hinweis, dass ihr selbst auch schon aufgefallen war, dass die Baustelle für Autofahrer gefährlich sei. Die Spurführung der Strasse sei schlecht signalisiert und in der Nacht kaum beleuchtet.

zentralplus hat bei der Luzerner Polizei und der für die Baustelle zuständigen Dienststelle für Verkehr und Infrastruktur (vif) nachgefragt. Ist die Unfallgefahr wegen der Baustelle zu gross? Ist die Baustelle zu schlecht beleuchtet? Die Behörden wollten zunächst nur zögerlich Auskunft geben.

Doch brisant: An derselben Stelle ereignete sich keine 24 Stunden vor dem tödlichen Unfall ein zweiter Selbstunfall, welcher von der Polizei aber nicht öffentlich kommuniziert wurde. Dieser ereignete sich am Samstag um 5 Uhr morgens. Der Fahrer verletzte sich beim Unfall und musste ins Spital gebracht werden. Gemäss Aussage der Polizei waren beide Unfallhergänge sehr ähnlich, der zweite jedoch mit weitaus tragischeren Folgen.

Gefahr der Baustelle bekannt

Zwei ähnliche Unfälle innerhalb von 24 Stunden an der exakt gleichen Stelle? Beide in der Nacht? Das mag natürlich ein tragischer Zufall sein. Doch wie Recherchen von zentralplus zeigen, ist die Unfallgefahr an der Baustelle bereits mehreren Anwohnerinnen und Autofahrern aufgefallen.

«Sehr eng» sei die Spur, sagt eine Anwohnerin, die nicht namentlich genannt werden will. Als «gefährlich» beschreibt eine zweite gegenüber zentralplus die Spurführung durch die Baustelle. Wo die Strasse früher kerzengerade von Dierikon nach Root führte, muss aufgrund der Baustelle plötzlich ein Bogen auf die andere Strassenseite gefahren werden. Dieser Bogen komme sehr abrupt, wie die Anwohner beklagen.

Die verhängnisvolle Unfall-Baustelle bei Dierikon.

Auch auf Facebook sorgte die Baustelle auf der Kantonsstrasse bereits für Unverständnis. In der Facebook-Gruppe «Du besch vo Root wenn...» beschwerte sich ein Nutzer über die schlechte Signalisation und Beleuchtung der Baustelle.

In diesem Facebook-Post wird auf die gefährliche Baustelle hingewiesen.

Mehrere Nutzer pflichteten diesem Facebook-Post in der Kommentarspalte bei: «Ich habe mir genau dasselbe gedacht, schon beim ersten Mal als ich da durchgefahren bin», schreibt ein Nutzer. Eine zweite Nutzerin teilt diese Wahrnehmung: «Diese Baustelle ist so gefährlich…. Leider musste ja schon jemand sterben.»

Wie reagiert der Kanton?

Auf Anfrage von zentralplus bestätigt die Luzerner Polizei, dass mehrere Meldungen bei der Polizei eingegangen sind, die auf die Gefahr bei der Baustelle hinweisen. Die erste datiert bereits vom 30. Juli und bemängelte die schlechte Signalisation. Die zuständige Patrouille der Polizei besichtigte daraufhin die Stelle und kam zum Entschluss, dass die Signalisation genügend sei.

Die zweite Meldung erreichte die Polizei in der Sonntagnacht, also bereits nachdem die beiden Unfälle passiert waren. Dort wurde auf die schlechte Beleuchtung hingewiesen. Die zuständige Polizei-Patrouille teilte diese Einschätzung nach der Besichtigung der Baustelle. Daraufhin wurde der Verkehrsdienst Zentras aufgeboten, der für den Unterhalt der Kantons- und Nationalstrassen in der Innerschweiz zuständig ist. Zentras brachte noch in der Sonntagnacht zusätzliche Beleuchtungen an der Baustelle an.

Die Baustelle wurde erst nach dem Unfall auf einen Hinweis aus der Bevölkerung hin besser beleuchtet.

Auf der Unfall-Baustelle wird zurzeit an der Bachverbauung des Götzentalbachs gearbeitet, der an dieser Stelle unterhalb der Kantonsstrasse hindurchführt. Die kantonale Dienststelle vif ist auch für die Signalisation und die Spurführung der Baustelle zuständig. Sie will sich auf Nachfrage von zentralplus jedoch nicht zu der möglichen Gefahr auf der Baustelle äussern und verweist auf ein laufendes Verfahren zu den Unfällen. Nur soviel: «Wir bedauern die beiden Unfälle und den damit verbundenen Todesfall sehr.»

Ob die nun verbesserte Beleuchtung ausreicht, damit die Baustelle sicherer ist, wird sich zeigen. Auch, ob die für die Baustelle zuständigen Behörden verantwortlich gemacht werden. Die Staatsanwaltschaft Emmen hat Ermittlungen aufgenommen.

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12 Kommentare
  1. Olivera Ibra, 31.08.2021, 22:02 Uhr

    Er war der beste Chauffeur, den ich kannte. Er war viel zu jung um zu sterben. Er war zweifacher Vater. Er war mein Bruder. Sein Leben war mehr wert als ein paar Beleuchtungen zusätzlich.

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  2. Daniel, 13.08.2021, 22:10 Uhr

    Ich habe einen guten Freund verloren. An jeder Ecke wird geblitzt und Autofahrer werden politisch schikaniert. Wie so etwas passieren kann nachdem sich Leute beklagt haben und es bereits Unfälle an der exakt selben Stelle gegeben hat bleibt mir fern. Dieses unverantwortungsvolle Verhalten der Behörden muss fair bestraft werden.

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  3. Hegard, 13.08.2021, 08:06 Uhr

    Auch wenn der Buchrainer Tunnel wegen Unterhaltsarbeiten geschlossen wird.
    Wird sehr sparsam und kompliziert markiert .
    Auch bei der CoopTankstelle -Landi Tankstelle zum Glück nichts passiert.Und der Neue Kreisel Gisikon Root katastrofe.
    Vielleicht würde ein Fortbildungs Kurs gut tun,aber nur vielleicht.
    Bis zum nächsten Unfall

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  4. Karin Stoffel, 12.08.2021, 22:51 Uhr

    Fuhr Samstagabend um 23.00 h durch diese Baustelle und dachte mir:oops, das kam jetzt aber aus dem Nichts!Hatte Glück!Wirklich schlecht signalisiert!

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  5. Doki, 12.08.2021, 13:02 Uhr

    Ist es möglich, dass ein paar Signalisationslampen mehr gegen die Vorschrift sind oder wie?!
    Ein Unfall, mehrere Benachrichtigungen über mangelnde Signalisierung haben also nicht gereicht.
    Es musste jemand auf schlimme Art und Weise sterben, damit endlich reagiert wird.

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  6. mvonrotz, 12.08.2021, 10:11 Uhr

    Die Lösung wäre ganz Einfach – Je 100m vor der Baustelle Tempo 30 signalisieren und auf Beiden Seiten eine Radarfalle aufstellen. Es ist erschreckend wie wenig Fahrer sich dort an die Geschwindigkeitsbeschränkung 60 halten (normal wären dort noch 80) und dann in der engen Kurve Probleme haben. Ich musste mehrere Male soweit wie möglich nach Rechts ausweichen weil der Entgegenkommende die Kurve und damit die Sicherheitslinie geschnitten hat!

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    1. Patrick Barmettler, 16.08.2021, 17:33 Uhr

      du hast aber nicht wirklich das gefühl dass sich jemand an das 30er tempo halten wird. diese strecke wurde schon bevor es die baustelle gab als rennstrecke benutzt

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  7. Kevin, 11.08.2021, 22:37 Uhr

    Die tausend anderen Autofahrer, die täglich unbeschadet durch diese wahre Horror-Baustelle fahren, haben wahrscheinlich nur durch pures Glück überlebt. Das hat bestimmt nichts mit Aufmerksamkeit hinter dem Steuer zu tun…

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  8. Karl Ottiger, 11.08.2021, 13:23 Uhr

    Wenn die Baustelle von einer Polizeipatrullie für gut befunden wurde sollen doch einmal die Leute persönlich zur Rechenschaft gezogen werden mit ihrer unfach gemässen Beurteilung wenn schon so viele Leute reklamieren muss ja etwas an der Strasse sein das nicht Regel konform ist

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  9. Aleks, 11.08.2021, 10:46 Uhr

    Ist es den so schwierig ein Paar Beleuchtungskörper aufzustellen?! Man muss keine Fachperson sein um festzustellen, dass die Baustelle schlecht signalisiert ist!

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  10. Bryan, 10.08.2021, 16:50 Uhr

    Auch ich bin seit Wochen dort vorbei gefahren und es ist auch am Tag einfach zu gefährlich, vorallem wenn es noch Velofahrer hat.

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    1. Patrick Barmettler, 16.08.2021, 17:34 Uhr

      ach dann sollen wir radfahrer die gefährlichen sein und nicht die raser die da regelmässig mit 100 sachen durch «blochen»?

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