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Tipps einer Kampftrainerin: «Selbstverteidigung beginnt im Kopf»
  • Gesellschaft
Nachts empfiehlt es sich, den Heimweg über gut beleuchtete Hauptstrassen anzutreten. (Bild: Stadt Luzern)

Nach brutalen Übergriffen in Luzern Tipps einer Kampftrainerin: «Selbstverteidigung beginnt im Kopf»

4 min Lesezeit 3 Kommentare 09.10.2019, 16:50 Uhr

Ein Mann hat Frauen vor Luzerner Clubs abgepasst, auf dem Heimweg angegriffen und sexuell genötigt. Laut der Selbstverteidigungstrainerin Anita Nisple haben die Opfer grossartig reagiert, um sich zu schützen. Sie erklärt, wie man sich erfolgreich zur Wehr setzt.

Der Mann schlug in den frühen Morgenstunden zu, als kaum noch jemand auf den Strassen unterwegs war. Seine Opfer suchte er sich unter Clubbesucherinnen aus, die sich nach den Partys alleine auf den Nachhauseweg machten. Zunächst redete er harmlos auf sie ein, dann wurde er plötzlich handgreiflich.

Eines seiner Opfer verhinderte eine Vergewaltigung, indem die Frau geistesgegenwärtig gegenüber dem Täter behauptete, sie habe Aids (zentralplus berichtete). Die zweite Frau schaffte es, ihn zu vertreiben, indem sie laut um Hilfe schrie. «Das ist eine glorreiche Reaktion, das haben Sie super gemacht», sagt die Luzernerin Anita Nisple, die seit Jahren Frauen in Selbstverteidigung trainiert.

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Notsituation? Oder ein relativ harmloser Streit?

Anita Nisple rät, in solchen Situationen statt «Hilfe» laut «Feuer» zu rufen. «Wenn man um Hilfe ruft, passiert es oft, dass Passanten selber erschrecken und sich nicht in Schwierigkeiten bringen wollen. Wenn sie aber glauben, es sei ein Brand ausgebrochen, rufen sie eher um Hilfe», sagt Nisple.

«Wer derart angegriffen wird, hat das Recht, sich mit allen Mitteln zu wehren.»

Anita Nisple, Trainerin

Oft sei es auch ein Problem, dass für zufällige Augenzeugen nicht klar ist, ob es sich wirklich um eine Notsituation handelt – oder um einen relativ harmlosen Streit. «Deshalb ist es wichtig, Beobachter direkt anzusprechen.» Am besten sei eine konkrete Aufforderung. Beispielweise: «Sie da, mit der schwarzen Jacke! Rufen Sie die Polizei!»

Entschiedene Gegenreaktion ist angesagt

Wenn ein Angreifer sich sexuell nähert, rät Nisple zu entschiedenem Handeln: Nämlich kräftiges Zugreifen, Drücken, Drehen und längere Zeit nicht Loslassen, wo es dem Mann weh tut. «Das löst einen derartigen Schmerz aus, dass der Täter wehrlos ist. Das ist dann die Gelegenheit zur Flucht.»

Es gelte, sich in solchen Situationen entschieden zur Wehr zu setzen und keine falschen Hemmungen zu haben. «Selbstverteidigung beginnt im Kopf. Wer derart angegriffen wird, hat das Recht, sich mit allen Mitteln zu wehren und muss es nicht bei einem halbherzigen Gegenangriff belassen», so die Trainerin. Oft höre sie von Frauen, dass diese sich nicht trauen, sich zur Wehr zu setzen. «Dabei haben sie jedes Recht, sich zu schützen!»

Wie verhindert man eine Blockade?

Ein Problem ist, dass Frauen in solchen Situationen teils in einen Schockzustand geraten und dadurch nicht in der Lage sind, sich zu verteidigen. «In unseren Kursen üben wir das deshalb ganz gezielt: Die Teilnehmerinnen werden festgehalten und versuchen, sich zu befreien. Dadurch steigt die Chance, dass sie auch im Ernstfall so reagieren können.»

«Wenn eine Frau selbstbewusst geht, kann bereits das abschreckend wirken auf einen potenziellen Angreifer.»

Die Expertin rät Frauen, einen Kurs zu besuchen. Oder eine solche Situation mal mit einem Freund, Bruder oder Kollegen zu üben, um eine innere Blockade zu vermeiden. Das sei wie das «Rutzen» als Kinder, da lerne man schnell, was funktioniere und was nicht.

Selbstbewusstes Auftreten schreckt Angreifer ab

Aus Sicht von Anita Nisple gibt es noch weitere Möglichkeiten, um Angriffe zu verhindern. Ein wichtiger Punkt sei die Prävention. «Wenn man nachts alleine nach Hause gehen muss, würde ich möglichst gut beleuchtete Hauptstrassen wählen. Es macht Sinn, etwas zur Hand zu haben, mit dem man sich im Bedarfsfall wehren könnte – beispielsweise einen Schlüssel, das Natel oder einen Schirm.»

Wenn eine Frau alleine nachts angesprochen wird, rät Nisple, sich nicht darauf einzulassen und einfach weiterzugehen. Wer verfolgt wird, sollte besser die Richtung wechseln als etwa in eine dunkle Unterführung zu laufen. Wer sich unsicher fühlt, kann auch einen Freund oder eine Freundin anrufen und sich telefonisch nach Hause «begleiten lassen».

Einem selbstbewussten Auftreten komme eine grosse Bedeutung zu. «Wenn eine Frau mit aufrechter Haltung geht, einen kurzen Blick auf einen Mann wirft, der sie anspricht, dann aber ruhig weitergeht, kann bereits das abschreckend wirken auf einen potenziellen Angreifer», ist Nisple überzeugt. «Weil sie ausstrahlt, dass sie kein leichtes Opfer ist.»

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3 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 10.10.2019, 16:40 Uhr

    Die Polizeistatistik 2018 belegt, dass die meisten Straftatbestände seit 2012 rückläufig sind und dass die Schweiz im internationalen Vergleich ein sicheres Land ist. Trotzdem wird es nie eine 100%-ige Sicherheit geben. Selbst in Ländern wie Grossbritannien oder China, welche eine extrem hohe Dichte an Überwachungskameras haben, können Verbrechen nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sind die Anweisungen und Tipps, wie Zivilpersonen sich im Falle einer Bedrohung verhalten sollen, sinnvoll und wichtig. Als gefährlich erachte ich nur die rücksichtslosen und aggressiven AutofahrerInnen, welche ich nicht selten von meinem Velosattel aus beobachten muss. Deshalb bin ich sehr dankbar, wenn die Polizei – gemäss Meinung von Philip C. Brunner – möglichst häufig «läppische Verkehrs-und Radarkontrollen aller Art von unschuldigen Bürgerinnen und Bürger zu allen Tages-und Nachtzeiten» macht. Damit dient sie der öffentlichen Sicherheit sehr wirkungsvoll, denn bestraft werden ja nur die schuldigen.

    Philip C. Brunner und seine SVP versuchen in diesem Wahlherbst erneut , ihr altbewährtes populistisches Alarmszenario einzusetzen, gemäss welchem die Schweiz im Strudel von massloser Ausländerkriminalität unterzugehen droht. Stimmt nicht, sagen StrafrechtsprofessorInnen. Die ausländische Wohnbevölkerung (mit Aufenthaltsrecht) ist etwa gleich wenig kriminell wie die schweizerische. Interessant wäre es, eine Kriminalstatistik von eingeschriebenen Parteimitglieder zu machen. Ich würde wetten, dass die SVP darin einen Spitzenplatz belegen würde (Details dazu: Sex, Strafen, Skandale in WoZ 6/2016).

  2. Philip C. Brunner, 09.10.2019, 21:40 Uhr

    Bei allen hier genannten gut gemeinten Ratschlägen, wie man sich selber aktiv verteidigen soll, muss etwas ganz klar sein: Es ist die erste, die prioritäre Aufgabe des Staates und seiner Organe, der jeweilig zuständigen Polizei, dafür besorgt zu sein, dass “Sicherheit” im gesamten öffentlichen Raum (und natürlich auch in privaten Räumlichkeiten) nicht einfach ein “Gerücht” und Zustand der besseren Vergangenheit bleiben. Die persönliche Sicherheit aller Menschen, von Kindern und Erwachsenen, aller Bürgerinnen und Bürger zu schützen und zu verteidigen war und ist immer allererste Staatsaufgabe. Vielen Dank darum an dieser Stelle allen aktiven Angehörigen der Blaulichtorganisationen, aber ganz speziell der Armee, den Feuerwehren und den Angehörigen der Polizeikorps für alles, was sie täglich für uns tun damit wir sicher sind. Mehr Sicherheit im öffentlichen Raum, statt läppische Verkehrs-und Radarkontrollen aller Art von unschuldigen Bürgerinnen und Bürger zu allen Tages-und Nachtzeiten, das ist doch nicht die Priorität der Polizeiorgane, wen solche Gewaltstäter frei in diesem Land herumspazieren. Selbst bürgerliche Regierungsräte lassen ihren allmächtigen Polizeikommandanten leider zu viele freie Hand für “mehr Sicherheit auf den Strassen zu sorgen”. Was ist mit der Sicherheit im öffentlichen Raum?- Das ist doch unser Hauptproblem und nicht der anständige Steuerzahler als wandelnde Brieftache, der ein Bagatellvergehen im Verkehrsbereich begangen hat und dafür eine drastische Busse kriegt und gerade bei kleinsten Alkoholvergehen wie ein Verbrecher behandelt wird. Unser Hauptproblem sind viel mehr die notorischen Verbrecher, welche unsere Gesetze dreist immer wieder brechen und Menschen verletzen. Ich bin darum sehr froh, dass unsere Gerichte zunehmend bei notorischen Verbrechern die entsprechenden gesetzlichen Möglichkeiten zur Bestrafung ausnutzen und durchsetzen. Leider werden die Täter am Schluss durch unverständliche Bundesgerichtsentscheide nicht ausgeschafft, von “pfefferscharfen” Ausschaffungsurteilen kann man dabei nur träumen. Beunruhigend in diesem Zusammenhang ist die leider überdurchschnittle Zahl von Ausländern, weit über dem %-Bevölkerungsanteil, vorallem und gerade auch von gewaltbereiten Männern, welche mit unseren Gesetzen in Konflikt geraten. Es ist Aufgabe der Politik, die nötigen Mittel für unsere Polizei und alle Sicherheitsorgane zur Verfügung zu stellen und die gewählten Behörden zu zwingen, nicht wegzuschauen. Auch eine Kehrseite der Masseneinwanderung, ganz notabene. Ganz besonders wichtig ist es, bei allen Meldungen die Nationaliäten der Täter und der Verhafteten auch öffentlich zu publizieren. Aus politischen Gründen wird ständig versucht, die nötige Transparenz in den Medien zu vermeiden und zu verwedeln, dass die Täter zu über 55% Ausländer sind, dies bei einem Anteil von unter 30% an der CH – Wohnbevölkerung. Wenn ein (z.B. eingebürgerter) Schweizer der Täter war muss das genau so auf den Tisch, wie wenn es Kriminelle aus andern Staaten waren. Ich verzichte darauf, die Statistik der Gefängnisinsassen in der Schweiz hier aufzuführen, sie ist selbsterklärend.

    Philip C. Brunner
    Kantonsrat
    Zug

    1. Joseph de Mol, 10.10.2019, 12:43 Uhr

      Ergänzend dazu sei das äusserst lesenswerte Buch “Zivilcourage” von Michael Wolffsohn zu nennen. Dieser greift genau diese und andere “Thesen” auf. Die hierzu beachtenswerteste These ist sicherlich diese: Wie der Staat seine Bürger im Stich lässt. Aufwühlend, beängstigend und so wahr.