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Zum verordneten Tempo-30-Versuch in Zug Tempo-30-Versuch: Zug könnte zum Vorbild werden

2 min Lesezeit 1 Kommentar 17.05.2017, 10:40 Uhr

Momentan findet an der Grabenstrasse in Zug auf knapp 200 Metern ein Versuch mit nationaler Ausstrahlung statt. Gemessen wird, ob Tempo 30 dazu beiträgt, den Verkehrslärm spürbar zu reduzieren. Rund 250’000 Franken kostet die Sache den Kanton Zug. Könnte man nicht mehr daraus machen?

Geradezu revolutionär ist, dass der Versuch auf einer kantonalen Hauptstrasse stattfindet, da wird an einem Dogma gerüttelt. Doch Zug führt den Versuch ja bekanntlich nicht freiwillig durch, sondern weil das Bundesgericht es aufgrund einer Anwohnerbeschwerde verlangt. Aus keinem anderen Grund. Das merkt man.

Eine Diskussion über Tempo 30 findet momentan in Zug nicht statt. Die Baudirektion von Urs Hürlimann (FDP) kommunizierte das Ganze halbherzig, ohne Begeisterung. Die Stadt Zug schweigt ebenso, obwohl der Versuch auf «ihrer» Strasse stattfindet.

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Das verwundert nicht: Das Thema ist heikel, und es ist ideologisch aufgeladen. Während viele bürgerliche Politiker und die Autolobby Tempo 30 als Teufelszeug betrachten, als Freiheitsbeschränkung, ist Tempo 30 für die Linken oft das Allheilmittel; ob die Limite effektiv eingehalten wird, steht auf einem anderen Blatt.

Eine entideologisierte Diskussion über Tempo 30 wäre im Kantonshauptort wichtig. Und dies, bevor der Kanton Zug mit Klagen eingedeckt wird. Denn bis März 2018 müssen Kantone und Gemeinden die Bürger besser vor Strassenlärm schützen. Zum einen könnte man fragen, was Tempo 30 effektiv bringt. Und wo es etwas bringt. Ein kurzer Abschnitt wie auf der Grabenstrasse eignet sich eventuell besser als eine längere verkehrsreiche Strecke.

Baar zum Beispiel hat seine Dorfstrasse mit Tempo 30 verkehrsberuhigt. Doch laut Anwohnern staut das manchmal den Verkehr. Vor allem nachts hielten sich aber viele nicht an die Limite, und der gefühlte Lärm habe auch nicht abgenommen.

Sicher ist: Es wäre günstiger, die Lärmreduktion an der Zuger Grabenstrasse mit einer simplen Drosselung der Geschwindigkeit zu erreichen statt mit teuren baulichen Lärmschutzmassnahmen. So aber macht man in Zug jetzt bloss einen (weiteren) teuren Versuch, den die Steuerzahler berappen müssen, und vermeidet tunlichst Diskussionen. Doch die ganze Schweiz schaut momentan auf Zug. Und Zug könnte ein Vorbild werden für andere Städte, die ebenfalls über Tempo 30 debattieren.

Überdies müssten in Zug nicht bloss auf der Grabenstrasse, sondern auch an den Strassenkreuzungen in der Nähe Messungen vorgenommen werden. Ausserdem sollte man sich nicht nur auf Lärm beschränken, sondern auch Verkehrsregimes testen. Wer einmal an einem Wochenende im Café Intermezzo gesessen ist und den Verkehr an der Kreuzung der Graben- mit der Ägeristrasse live miterlebt hat, weiss auch ohne Lärmmessung: Hier ist es unglaublich laut. Und das stört nicht nur die klagenden Anwohner.

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1 Kommentare
  1. R. Freiermuth, 05.08.2017, 13:30 Uhr

    Während des Tages wäre man schon bisher froh gewesen, wenn man schneller als 30 hätte fahren können.
    Aufgrund der Verkehrsbelastung und der Kreuzungen sowie Fussgängerstreifen wäre ein höheres Tempo nicht angemessen. Lärmmässig wird deshalb während des Tages auch mit der Beschränkung auf 30 kaum was ändern. Des Nachts allerdings macht es dahingehend einen Unterschied dass einzelne Fahrzeuge mit einem Tempo über den bis anhin erlaubten 50 Km/h durchbolzen.
    Der Unterschied wäre bei einer 30km/h Beschränkung, dass ein solcher Fahrer wohl seine Fahrerlaubnis für länger deponieren müsste, würden die Geschwindigkeiten denn auch mal von der Polizei überprüft.
    Bei 50km/h wäre bei einer Überschreitung lediglich eine Busse zu berappen.