Technologie & Digitales
«So einfach wie Online-Dating»

Zuger Start-up will mit App die Jobsuche revolutionieren

Thomas Balli hat sich im Alter von 54 Jahren an ein Start-up-Unternehmen gewagt. (Bild: zvg)

Der Fachkräftemangel hat die Schweiz fest im Griff. Der Zuger Unternehmer Thomas Balli geht das Problem digital an. Mit der App «Mtchbx» will er die Jobsuche so einfach wie Online-Dating gestalten.

Neue Zahlen zeigen ein prekäres Bild. Der Fachkräftemangel erreicht in der Schweiz einen neuen Höchststand. Besonders gesucht sind Spezialistinnen im Gesundheitsberuf, im Entwicklerbereich und im Ingenieursektor. Das zeigt der Fachkräftemangel-Index des Personaldienstleisters Adecco und des Stellenmarktmonitors Schweiz der Universität Zürich. Momentan liegt der Index bei 155 Punkten. Das ist noch höher als während der Pandemie (2019: 128 Punkte). Der Durchschnittswert liegt bei 100 Punkten.

Der Arbeitsmarktexperte und Adecco-CEO Marcel Keller äusserte gegenüber SRF, dass der Mangel zu Veränderungen führen wird. «Die Unternehmen werden sich bei den Kandidatinnen und Kandidaten bewerben müssen und nicht mehr umgekehrt.»

Eine neue Stelle er-«tindern»

Das Start-up «Mtchbx» will das Problem angehen. Mit dem Begriff «Start-up» verbinden wir meistens Innovationsgeist von jungen Unternehmern. Dabei geht es auch anders. Das zeigt der Mittfünfziger Thomas Balli (54) aus Zug. «Mtchbx», ausgesprochen «Matchbox», heisst die App des Zuger Unternehmers. Damit soll die Stellenbewerbung – und für Firmen die Mitarbeitendensuche – «so einfach wie Online-Dating» werden, schreibt das Unternehmen.

Wer einen Job sucht, erstellt ein Profil mit den nötigen Angaben, Joberfahrungen und Fähigkeiten und kann sich dann auf der Plattform auf Stellen bewerben, welche diesen Kriterien entsprechen. Das wird mittels einer Links-rechts-Swipe-Bewegung gemacht, wie sie auch bei der Dating-Plattform «Tinder» Verwendung findet. Nach links swipen bedeutet: nichts für mich. Bei einem Swipe nach rechts zeigt man Interesse an der Stelle oder dem Bewerber. Kommt es zu einem Match zwischen Bewerberin und Unternehmen, steht einer Kontaktaufnahme nichts mehr im Weg.

«Pro Monat haben wir zwischen 20 und 25 Matches», sagt Thomas Balli. Ob es nach diesen Matches zu einer Stellenvergabe kommt, misst das Unternehmen hingegen nicht. Der Fokus liegt rein auf dem Match. Stand heute sind rund 70 Unternehmen auf der Plattform aktiv. Bei den Jobsuchenden sind es «Zahlen im mittleren vierstelligen Bereich», so der Gründer. Mit dem bisherigen Verlauf der App ist das fünfköpfige Team hinter «Mtchbx» zufrieden.

Während es für Unternehmen verschiedene kostenpflichtige Abomodelle gibt, ist die Jobjagd für Bewerber kostenlos. Die Idee dahinter: «Wir wollen mit ‹Mtchbx› zeigen, dass mit einer modernen, intuitiven Lösung das Bewerben Spass machen kann und das Suchen, Finden und die eigentliche Bewerbung auf den Firmenportalen kein zeitraubender Prozess sein muss», so Thomas Balli.

Idee stösst im TV auf Gegenliebe

Balli kennt sich mit der Personalsuche aus. Bis zur Gründung von «Mtchbx» war er als Personalchef in nationalen und internationalen Firmen tätig. Seit 2014 führt er eine eigene Recruiting-Outsourcing-Firma. «Es ist oft ein mühseliger und aufwendiger Prozess, sich bei einer Firma zu bewerben. In der heutigen schnelllebigen und hektischen Zeit, wo die meisten Tätigkeiten auf dem Smartphone mit einem Klick oder Swipe erledigt werden können, ist das traditionelle Bewerbungsverfahren nicht mehr zeitgemäss», so der Unternehmer.

Thomas Balli und sein Team konnten mit ihrer App bei «Die Höhle der Löwen» punkten. (Bild: CH Media)

Den Wunsch, ein Projekt zur Problematik anzureissen, verspürte der 54-Jährige schon länger. «Es war ein lang gehegter Wunsch, eine Lösung im digitalen Kontext zu entwickeln, die mit den traditionellen Prozessen aufräumt.» Einfach war es aber nicht, gibt Balli offen zu. «Lange und intensive Tage, neue und komplexe Themen und auch schlaflose Nächte sowie Kompromisse innerhalb der Familie sind sicher nicht das, wovon man mit fast Mitte 50 träumt.»

Letztlich haben ihm die Fortschritte, sein Team und das positive Feedback von Firmen und künftigen Nutzerinnen die nötige Kraft gegeben. Und heute? «Die Arbeit ist nicht weniger geworden», erklärt Balli. «Zu Beginn waren es vor allem technische Angelegenheiten, heute ist es mehr Verkaufsarbeit.» Aber, und das sei das Wichtigste: «Es macht sehr viel Spass.»

Die App ist seit April auf dem Markt. Mit dem Konzept konnte er auch die Jury der diesjährigen Staffel von «Die Höhle des Löwen» überzeugen. Zumindest Brack-Inhaber Roland Brack, der in das Projekt investieren wird (zentralplus berichtete).

App wird in der Gastrobranche gern genutzt

Obwohl die App gemäss Balli «branchenmässig breit» unterwegs ist, findet sie vor allem bei handwerklichen Berufen und in der Gastronomie Anklang. «Hier hat auch die Zusammenarbeit mit dem Verband Gastro Suisse geholfen.» Die Branche kämpft seit Monaten gegen den Personalmangel. Gemäss dem Fachkräftemangel-Index gibt es bei mehreren Berufsfeldern der Gastronomie und Hotellerie einen «deutlichen Fachkräftemangel».

Jüngst haben die Schweizer Gastroverbände einen Plan ausgearbeitet, der die Gastronomie wieder attraktiver gestalten soll (zentralplus berichtete). Der Verband Gastro Suisse beispielsweise unterstützt das Projekt und gewährt seinen Mitgliedern bis Ende Jahr einen Rabatt. Balli will fürs neue Jahr weitere Berufsverbände ins Boot holen. Spruchreif ist derzeit aber noch nichts.

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